Elbphilharmonie Hamburg verzichtet auf Millionen-Forderungen

Bauarbeiten und kein Ende: die Elbphilharmonie Hamburg

(Foto: dpa)

Hätten der Stadt Hamburg 244 Millionen Euro zugestanden? Nach einem Bericht von "Spiegel Online" soll sie bei der Einigung mit Hochtief auf Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe verzichtet haben. Das gehe aus vertraulichen Unterlagen hervor. Die Kulturbehörde warnt davor, die Zahl überzubewerten.

Ein spektakuläres Konzerthaus sollte sie werden, die Elbphilharmonie Hamburg, mit deren Bau im April 2007 begonnen wurde. Spektakulär waren dann vor allem die Kosten, die immer weiter stiegen, und der Streit zwischen dem beauftragten Baukonzern Hochtief und der Stadt Hamburg, der die Arbeiten zwei Jahre lang zum Stillstand brachte. Dann kam die Einigung: Der Bau werde gemeinsam zu Ende geführt, erklärte der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) im März.

Doch das friedliche Ende der Auseinandersetzung hat womöglich, so legt es ein Bericht von Spiegel Online nahe, seinen Preis: Beim Bau der Elbphilharmonie verzichte die Stadt Hamburg auf erhebliche Schadensersatzforderungen gegenüber dem Baukonzern Hochtief, heißt es dort. Das gehe aus vertraulichen Aufsichtsratsunterlagen der städtischen Planungsgesellschaft ReGe hervor, die der Nachrichtenseite vorliegen.

Demnach bezifferte die ReGe-Führung die Ansprüche gegenüber Adamanta, dem Baukonsortium aus Hochtief und Commerzbank, Anfang Dezember 2012 auf "insgesamt ca. 244 Millionen Euro". Dabei handele es sich vor allem um die erhebliche Baukostensteigerung plus Kosten für den Baustillstand.

"Die Zahl ist mit Vorsicht zu genießen", sagt Enno Isermann, Pressesprecher der Hamburger Kulturbehörde und Elbphilharmonie, zu Süddeutsche.de. Bestätigen möchte er sie nicht, denn: "Die Bürgerschaft muss der Neuordnung noch zustimmen. Sollte sie das nicht tun, könnten sich die Stadt und Hochtief vor Gericht wiedersehen." Aus diesem Grund sei es "ungünstig", wenn derlei Informationen vorher öffentlich gemacht würden.

"Hochtief trägt alle künftigen Risiken"

Der SPD-geführte Senat hatte der im Dezember in die Wege geleiteten Neuordnung im April zugestimmt. Dass die Bürgerschaft dieser Entscheidung folgen wird, hält Isermann für "wahrscheinlich", aber: "Ich kann der Bürgerschaft nicht vorgreifen."

Die Kulturbehörde verwies am Freitag auf die erheblichen finanziellen Risiken für den Fall, dass das Konzerthaus alleine weitergebaut worden wäre. Isermann betont: "Die Neuordnung besagt, dass Hochtief alle künftigen Risiken trägt. Das ist ein wesentlicher Grund, warum wir uns dafür entschieden haben."

Die veröffentlichte Zahl sei außerdem auch deshalb kritisch zu betrachten, weil es wahrscheinlich vor Gericht nicht zu einem Urteil gekommen wäre. Schließlich hätte im Falle einer Verhandlung auch Hochtief Forderungen gestellt. "Ein Vergleich wäre sehr viel wahrscheinlicher gewesen."

Seit Ende 2011 ruhen die Bauarbeiten an dem umstrittenen Konzerthaus. Ende März hatte die Stadt mit Hochtief einen neuen Vertrag geschlossen, wonach der Baukonzern künftig sämtliche Risiken übernimmt und das Konzerthaus zum "Globalpauschalfestpreis" von 575 Millionen Euro zu Ende baut. Inklusive aller Nebenkosten kostet die Elbphilharmonie inzwischen laut Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) insgesamt 789 Millionen Euro.