Eklat beim Deutschen Fernsehpreis: Marcel Reich-Ranicki verweigert seine Ehrung. Wir dokumentieren Auszüge aus seiner Rede und seinem Diskurs mit Thomas Gottschalk.
Marcel Reich-Ranicki: Meine Damen und Herren, ich habe in meinem Leben, in den 50 Jahren, die ich in Deutschland bin, ... viele Literaturpreise bekommen. Sehr viele darunter auch die höchsten, wie den Goethepreis, den Thomas-Mann-Preis und einige andere. Und ich habe immer gedankt für diese Preise, wie es sich gehört und bitte - verzeihen sie mir, wenn ich offen rede - es hat mir keine Schwierigkeiten bereitet, für die Preise zu danken. Heute bin ich in einer ganz schlimmen Situation. Ich muss auf den Preis, den ich erhalten habe, irgendwie reagieren und der Intendant Schächter sagte mir bitte, bitte, bitte nicht zu hart. Ja, in der Tat. Ich möchte niemanden kränken, niemanden beleidigen oder verletzen. Aber ich möchte auch ganz offen sagen, ich nehme diesen Preis nicht an.
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"Darf ich einen Rettungsversuch machen?" - Thomas Gottschalk im Diskurs mit Marcel Reich-Ranicki. (© Foto: AP)
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Ich hätte das, werden Sie denken und sagen, früher erklären sollen - natürlich, aber ich habe nicht gewusst, was hier auf mich wartet, was ich hier erleben werde. Ich gehöre nicht in diese Reihe der - heute vielleicht sehr zu Recht - Preisgekrönten. Wäre der Preis mit Geld verbunden, hätte ich das Geld zurück gegeben. Aber er ist ja nicht mit Geld verbunden, ich kann nur diesen Gegenstand, der hier verschiedenen Leuten überreicht wurde, von mir werfen, oder jemandem vor die Füße werfen. Ich kann das nicht annehmen.
Und ich finde das auch schlimm, dass ich das hier vier Stunden erleben musste. Es gibt ja Abende, die man ganz schön erlebt. Nein nicht, ich werde Ihnen jetzt nicht sagen, mit der Lektüre von Goethe oder Bertolt Brecht. Nein, man kann im Arte-Programm manchmal sehr schöne wichtige Sachen sehen. Ich habe auch früher häufig Wichtiges im 3Sat-Programm gesehen, aber das hat sich jetzt geändert. Meist kommen da schwache Sachen, aber nicht diesen Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen habe. Ich will nicht weiter darüber reden, es sind ja auch Kollegen von mir hier auf der Bühne gewesen, Stefan Aust, Markwort, und Thomas Gottschalk...."
Gottschalk: Darf ich einen Rettungsversuch unternehmen?
Marcel Reich-Ranicki: Los...
Gottschalk: Einen Vorschlag zur Güte - sie haben wie immer völlig recht. Aber ich finde wir sollten uns rächen. Sie können nicht einfach nach Hause gehen. Passen sie auf: Hier sitzen die Intendanten des ZDF, von ARD, RTL. Wir setzen uns gemeinsam eine Stunde im Fernsehen hin - wir stellen diesen Preis in die Ecke und reden über alles das, worüber man im Fernsehen nicht mehr redet: über Bildung, über Lesen über Erziehung ...
Marcel Reich-Ranicki: ... über Literatur ...
Gottschalk: Über Literatur zum Beispiel. Darf ich das sozusagen als ein Güteangebot - die Herrschaften können sich gerne darum streiten - ARD, ZDF. RTL ist durchaus eingeladen. Damit sie sozusagen nicht mit leeren Händen nach Hause gehen, würde ich den (zeigt auf den Preis) für sie aufbewahren. Wollen wir einfach dieses im Programm - wollen wir im ZDF, wir können auch gerne zusammenschalten - ARD will auch - bitte einigt euch, wir schalten gerne zusammen. Wir machen das an einem Sonntagabend. Ich bereite mich auf diese Veranstaltung vor - ist das in Ordnung?
Marcel Reich-Ranicki: Jawohl. Ich akzeptiere das, wenngleich skeptisch, ob was daraus werden wird.
Gottschalk: Das ist in Ordnung.
Marcel Reich-Ranicki: ... ob wir beide was erreichen werden? Wir wissen im Voraus, was der ein oder andere Intendant sagen wird. Der wird nämlich sagen: Ihr habt ja recht, aber das lässt sich nicht so einfach realisieren.
Gottschalk: Sie haben den Ehrenpreis des deutschen Fernsehens. Sie dürfen alles im Fernsehen - wenn sie ihn nehmen.
Marcel Reich-Ranicki: Ja, also. Wir wollen das nicht zu lang hier machen. Ich muss Ihnen noch eine kurze Geschichte zum Abschluss erzählen. Aber wir haben uns ja geeinigt und Gottschalk hat einen guten Vorschlag gemacht. Wollen wir sehen was daraus wird. Jetzt will ich die Geschichte ganz kurz erzählen, eine wahre ....
In der Krise wird der Norden zum Zuchtmeister des Südens – dabei könnte er manches von ihm lernen. Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/haho/lala/hai)
Ich möchte mit meinem Fernsehverhalten nicht in einem Topf mit dem Fernsehverhalten eines Vorstadtstammtischlers geworfen werden.
Das Argument,die Masse will es, zieht bei mir nicht, ist auch letztendlich gesellschaftspolitisch gefährlich.
Wenn ich mich nach der Meinung der Masse richten würde, dann müsste man auch wieder Mord und Totschlag erlauben.
Gesellschaftlicher Konsens sollte doch wohl sein, das geistige Niveau zu heben und nicht einen unmündigen Bürger zu erziehen, der hinter jeder Botschaft, die aufgebracht wird, hinterherläuft. "Geiz ist geil" hätte bei einem mündigen Bürger keine Chance, wohl aber bei einem dumpfen "Herdenvieh".
Und was die Freiheit von Verhalten betrifft, diese wurde dem sogenannten mündigen Bürger bei Abgabe des H 4 Antrages abgenommen. dafür hat er ja auch den 1 Euro Job bekommen, wofür er ja auch dankbar sein kann.
und ich glaube nicht als einziger. Ich finde es wunderbar, dass er sich gewehrt hat. Diese jugendliche Kraft mit 88 Jahren- das hat die Welt noch nicht gesehen,.
das Beste wurde weggelassen.
Marcel Reich- Ranicki hat Thomas Gottschalk das Du angeboten und ihn umarmt. Ich liebe ihn. Die wirkliche Klasse und Qualität kann er also auch beim TV erkennen.
Was seine Kritik betrifft, so muss man sich fragen, weclhe Herzenskälte bei den Programmmachern herrschen muss, einem 88 jährigen Litertaurkenner nicht nur, sondern Literaturpapst, mehrere Stunden lang an einen Stuhl in einem Saal voller Analphabeten zu fesseln, die wechswelnden Kohorten von Grenzdebilen auf Befehl zujubeln.
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... finde ich einen sehr guten Beitrag! Das Problem ist doch letztendlich
nicht das Produkt, sondern der Kunde! ... wenn sich keiner mehr Schw...
Filme (oder zu wenig) ansehen wuerde, koennte sich das Produkt nicht
halten! ... was machen denn die Fernsehverantwortlichen am Beginn
ihres Arbeitstages? Richtig! ... sich die Einschaltquoten ansehen.
Was passiert denn die Tage z.B. bei BMW? die Kunden "stimmen ab"
und kaufen sich nicht einfach weiterhin 50.000 Autos; die Fernseh-
zuschauer haetten ein enormes Potential, das zu beinflussen, was
sie wollten - die Mehrheit zappt jedoch leider nur durch, um sich berieseln
zu lassen...
unbenommen dessen vertrete ich weiterhin die Ueberzeugung, dass
Herrn RR keine Belehrung ueber die Nutzung der Freiheit des Fernsehens
in der BRD zusteht!
...man kann ihr aber Gott sei Dank entgehen. Die Technik macht es möglich, seit Jahren schon mit Videorekordern, inzwischen, etwas komfortabler, mit einem Festplattenrekorder. Da nehme ich einfach alles auf, was nicht totaler Schwachsinn ist und mich interessiert, und kann es mir auch zu normalen Tageszeiten anschauen (es gibt ja durchaus noch gute Programme, nur kommen diese meist nach Mitternacht...). Ein weiterer Vorteil: Viertelstundenlange Werbungsunterbrechungen werden einfach weggespult, wer aufs Klo muss, drückt auf Pause...und Blödsinn wie diesen Grinsepeter von Deutschland sucht den Super-Trottel bruacht sich wirklich niemand antun.
Nur: Wo ein Markt, da die Sendung...vielleicht muss auch jeder selbst mal überlegen, was er anschauen sollte oder nicht...und daran dürfte es primär wohl hapern. Der Großteil dieses Volkes läßt sich nämlich gern mit Schwachsinn berieseln.
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