"Dann kommt die Knallcharge, hat drei geile Auftritte und räumt ab." Harald Schmidt, neues Ensemblemitglied am Staatstheater Stuttgart, probt für eine Shakespeare-Show.
Das Staatstheater Stuttgart hat ein neues Ensemblemitglied. Es heißt Harald Schmidt und sieht in seinen violetten Strumpfhosen und dem kniekurzen Ministrantenhemd wie ein spätberufener Eleve aus. Das ist er natürlich nicht.
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Rampensau im Rampenlicht: Harald Schmidt spielt am Staatstheater Stuttgart im Hamlet-Musical "Der Prinz von Dänemark". (© Foto: ddp)
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Harald Schmidt hat, 30 Jahre ist das nun her, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst just hier in Stuttgart eine klassische Schauspielausbildung absolviert und war danach, von 1981 bis 1984, am Stadttheater Augsburg engagiert.
Augsburg, okay - das war nicht unbedingt der Bringer. In seiner Antrittsrolle als zweiter Mameluk in Lessings "Nathan der Weise" hatte der Debütant gerade mal drei Worte aufzusagen ("Nur hier herein!"), und größere Textmassen sind auch später nicht hinzugekommen. Gespielt hat er viel, so ist das nicht: "Ich war damals der meist beschäftigte Schauspieler in Augsburg." Ganz harte Schule. Aber: "Immer nur Kleinstrollen. Ich hatte einen extrem beschissenen Start."
Kein Problem, es ist ja, auf dem Umweg über das Düsseldorfer Kom(m)ödchen, trotzdem was aus ihm geworden. Zwar nicht der "Schauspieler des Jahres", welcher der Ehrgeizling Schmidt schon in jungen Jahren ganz unbedingt mal werden wollte, dafür aber ein reicher und berühmter Mann, einer der tollsten deutschen Entertainer - für viele immer noch der beste, allein auf weiter Flur -, ein Fernsehgott, ein Late-Night-Primus und Medienstar, gefeiert für seinen Witz ebenso wie für seinen Intellekt, gefürchtet für sein böses Mundwerk, seinen Zynismus, seine "Dirty Harry"-Häme.
Kein Sesselhocker
Einer wie er könnte sich bei dem, was er erreicht hat, locker im TV-Sessel zurücklehnen, könnte seinen Adlatus Pocher eine schnöde Kanaille und Reich-Ranicki guten Gewissens einen zornigen alten Mann sein lassen und dabei all denen, die ihn je verkannt haben, ein höhnisches "Ällabätsch!" entgegenfeixen, während er vielleicht schon mal die nächste "Traumschiff"-Reise bucht.
Statt dessen steht Harald Schmidt nun mit lila Strumpfhosen und Schnabelschuhen auf einer stickigen Probebühne im Stuttgarter Depot und wartet zwischen Sperrholzteilen geduldig auf seinen Auftritt. Wenn er diesen zehn Minuten später wiederholen soll, vielleicht auch mal "etwas weniger outriert", dann tut er das ohne Spirenzchen, ohne Zickigkeiten, ohne Allüren - mit der Disziplin eines Spaßsoldaten, der sich lustvoll-artig und überaus respektvoll in die gut gelaunte Truppe fügt. Wenn es manchmal so aussieht, als blicke er auf die anderen herab und als schauten diese zu ihm, dem prominenten Fernsehmann, auf, ist das einzig und allein Schmidts stattlicher Körpergröße geschuldet, mit der er alle überragt.
Der Regisseur der Produktion, der junge Schauspieler Christian Brey, den sie hier alle Chrissi nennen, geht ihm gerade mal bis zur Brust. Und weil Chrissi seine Anweisungen - es sind bei ihm eher freundschaftlich geraunte Anregungen - nicht vom Regietisch aus gibt, sondern im leisen Zwiegespräch face-to-face, ist der Anblick nicht ohne Komik: als nehme es ein Zwerg mit einem Riesen auf, der wider Erwarten völlig handzahm ist.
Lesen Sie auf Seite 2, warum Harald Schmidt lieber Knallcharge als Charakterdarsteller ist.
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