Eichinger-Dokumentation "Der Bernd" Andeuten und weiterspringen

Wo Bernd Eichinger war, klafft heute eine Lücke im deutschen Film. "Der Bernd", eine Hommage seiner Weggefährten, erinnert nun an ihn. Sie hätte, seien wir ehrlich, auch ganz schrecklich werden können. Stattdessen dröhnt gleich am Anfang einfach mal dieses Lachen.

Von Tobias Kniebe

Dies ist ein Abend der Constantin Film, und niemand macht im Münchner Mathäser-Kino irgendein Geheimnis daraus. Alle sind da, eine Dokumentation hat Premiere, eine Filmfirma würdigt ihren Antreiber, Visionär und Übervater. Der nun seit anderthalb Jahren fehlt.

Anderthalb Jahre, in denen der Verlust nicht geringer geworden ist, so viel ist schon mal sicher. Da gähnt eine Leere. Und immer dann, wenn das deutsche Kino sich selbst präsentiert, Ansagen macht, Aufmerksamkeit fordert und neue Filme verspricht, demnächst in Ihrem Kino - dann gähnt diese Leere so groß und so tief, dass einem kurz der Atem stockt.

Alles klar, möchte man sagen, schon in Ordnung, was ihr da vorhabt, klingt machbar, realistisch, brav ausgedacht. Aber: Was macht der Bernd?

Ach richtig. Der Bernd macht jetzt gar nichts mehr.

Stattdessen gibt es nun diese Dokumentation, die "Der Bernd" heißt. Sie hätte, seien wir ehrlich, auch ganz schrecklich werden können. Wenn zum Beispiel alle Vorstände und Aufsichtsräte der Constantin Film, abgestuft nach Hierarchie, endlos zu Wort gekommen wären, um ein paar allseits abgestimmte, kugelsichere Lobesfloskeln in die Kamera zu leiern. Wie visionär er doch war, wie unersetzlich er nun ist. Wie Firmenfilme eben so sind.

Senkrecht nach oben

Stattdessen dröhnt gleich am Anfang einfach mal dieses Lachen - in verschiedenen Situationen, Modulationen, Amplituden. Aber grundsätzlich laut, befreit, randvoll mit Energie. Dann spielt ein getragenes Cello, im leeren Schumann's steht ein unberührter Martini bereit, Günter Rohrbach sitzt vor dem Maul des Glücksdrachen Fuchur, und Til Schweiger, sehr nah am Wasser gebaut, schaut kurz mal dorthin, wo der Bernd mutmaßlich jetzt ist: Senkrecht nach oben.

Es spricht sehr für den Bernd und für sein Erbe, wer innerhalb der Constantin die Produktion dieses Films übernommen hat. Seine persönliche Assistentin zum Beispiel, oder seine langjährige, in allen Schlachten gestählte Herstellungsleiterin Christine Rothe. Insgesamt werden sogar vier Constantin-Mitarbeiter als Regisseure genannt, unterstützt vom Filmjournalisten Carlos Gerstenhauer - eine Gruppenarbeit.

Natürlich ist dabei kein Film herausgekommen, der sich groß um Objektivität bemüht, der Kritiker oder gar Feinde des Bernd zu Wort kommen ließe - oder ein völlig anderes Bild von ihm zeichnet als das, was er selbst so sorgfältig und ausdauernd entworfen hat. Eher spürt man das Verlangen der Macher und auch der zahlreichen Interviewten, der Welt noch ein bisschen mehr zu erzählen von diesem Mann, den sie sehr gut kannten - und zum großen Teil eben auch sehr respektiert, bewundert, geliebt haben.

Die fundamentale und primäre Gabe

Dazu spürt man aber die geheime Verpflichtung, jetzt bitte nicht zu langweilen: Die Konflikte nicht zu sehr runterzuspielen, die Dramen nicht nachträglich zu schönen, die Kanten nicht völlig rundzuschleifen. Denn auch der Bernd war ja ein großer Dramaturg und Erzähler und Zuspitzer, der sogar seine PR-Kampagnen wie Heldenreisen inszeniert hat, mit Armeen von Feinden und Ungläubigen und sich selbst als furchtlosem Ritter. Wahrscheinlich hätte er nichts mehr gehasst, als posthum plötzlich fade und konsensfähig zu erscheinen.

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