Die Ehec-Ansteckung ist furchtbar, und man kann nur wünschen, dass sie so schnell wie möglich abebbt; in der Wartezeit aber können wir mal nach Jahren wieder ohne Skrupel ein "Schlemmerfilet à la Bordelaise" aus der Aluminiumschale goutieren - den Convenience-Food-Klassiker, der 1969 mit durchschlagendem Erfolg auf den Markt gebracht wurde, im selben Jahr, als die Werbefigur "Käpt'n Iglo" das Licht der Welt erblickte.
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Keimfreie Tiefkühlkost und Konserven führen uns jetzt ungewollt anschaulich den kulturhistorischen Wandel vor Augen, den wir schrittweise vollzogen haben. Nach dem Krieg stand neben dem industriellen Arbeitsplatz die industrielle Speise für die Überwindung des Mangels, für die Verbindung provinzieller Friedlichkeit mit Massenwohlstand nach amerikanischem Vorbild.
In dem 1000-seitigen Roman-Epos "Vorabend" des Alltagschronisten Peter Kurzeck, gerade von der Kritik gefeiert, wird die Anschaffung eines Kühlschranks mit Gefrierfach zu einem entscheidenden Moment der Anbindung einer oberhessischen Kleinstadt an die Supermarkt-Lieferketten auf den Autobahnen.
Legendär ist eine der realsatirischen Reden des Bundespräsidenten Heinrich Lübke aus den sechziger Jahren, in der er "die Fische aus den Truhen" den "etwas angegangenen" vorzuziehen empfahl und mit den Worten endete: "Ich muss sagen, wer das sich nebeneinanderhält, der kann überhaupt keine andere Wahl ... wählen ... Ohne die Tiefkühlketten werden wir uns späterhin nicht mehr die Ernährung verbessern können."
Der Siegeszug der Tiefkühlkost begann in Westdeutschland mit der Allgemeinen Nahrungs- und Genussmittelausstellung in Köln (Anuga) des Jahres 1955. Zur gleichen Zeit schlugen Kochbücher "für die eilige Hausfrau" Kreationen aus Konserven vor, und der Fernsehkoch Clemens Wilmenrod machte Furore.
Garantiert Ehec-frei!
Wilmenrod machte den "Toast Hawaii" mit Dosenananas und Scheiblettenkäse populär; das Hauptgericht seiner ersten Sendung, die 1953 vom NWDR ausgestrahlt wurde, war gebratene Kalbsniere mit Konserven-Mischgemüse. 1959 eröffnete in Frankfurt das erste "Maggi-Kochstudio". All diese Köstlichkeiten waren garantiert Ehec-frei!
Während die Fertiggerichte-Industrie in den unteren Einkommensschichten und in der Single-Gesellschaft zwar auch heute real expandiert, ist solche Ernährung in den frischeliebenden Mittelschichten sowie im öffentlichen Bild der Kochbücher und Kochsendungen immer mehr geächtet. Diese gesellschaftliche Ächtung ist jetzt aufgehoben, bis der Erreger Ruhe gibt. Und dann sind sie auch wieder vorbei, diese seltsam nostalgischen Ferien vom gesunden Essen.
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(SZ vom 07.06.2011/pak)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
"So, liebe Vertreter der Gesundheitsbourgeoisie, jetzt steinigt mich! ^^"
Geht nicht. Muß meinen Rechner erst vom spontanen Auswurf von Lebensmitteln befreien.
Danke für Ihr freundliches Angebot.
Verraten Sie mir / uns Ihr sensationelles Rezept?
Ich möchte mit Ihnen wetten, dass es mir gelingt, Ihnen ein "modifiziertes" Schlemmerfilet a la Bordelaise vorzusetzen, von dem Sie dann glauben, dass es ein Red Snapper mit Macadamia-Salsa ist.
Alles Feinschmecker hier :-)
Mazeltov
Als Twen und Single ernähre ich mich überwiegend eh schon so. Ich habe keine Lust, abends noch groß für mich allein zu kochen - Ehec hin oder her.
Also kommt öfter mal ne Tiefkühlpizza oder -lasagne, Dosengemüse und Backofenpommes auf den Tisch.
So, liebe Vertreter der Gesundheitsbourgeoisie, jetzt steinigt mich! ^^
Da würde ich doch Fensterkitt eindeutig bevorzugen.
Paging