Eyal Sivan und Audrey Maurion haben für diesen Film Unmengen von Archivmaterial der Birthler-Behörde, Stasi-Schulungsfilme, Mitschnitte von Verhören und Alltagsaufnahmen durchforstet, ausgewertet, auseinander geschnipselt und wieder zusammen gesetzt.

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Entstanden ist ein bewegendes Kaleidoskop der Stasi-Vergangenheit. Von gemusterten Tapeten über Mitschnitte eines Einsatzprotokolls von Grenzschützern bei der Observation eines 17-jährigen und der Vernahme von Republikflüchtlingen bis hin zu den Bildern der Wende.

Die Bildsprache ist fern jeglicher Ostalgie, nüchtern genug, um nicht in die künstlich depressive Kulisse des Spielfilms "Das Leben der anderen" abzugleiten.

Zum Ende wird der Blick distanzierter: Aus sicherer Entfernung beobachtet die Stasi die Montagsdemonstrationen, in der vermeintlichen Selbsterkenntnis, sich vom Volk entfremdet zu haben. Die Stimme von Major S. klingt ein wenig nachdenklicher.

"Die Stimmung ist trübe", sagt er, während der Zuschauer mit ihm durch die Gänge des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) geht. "Keiner meiner Mitarbeiter und Genossen wollte es glauben. Wir hatten Hoffnung bis zum letzten Tag. Ausgerechnet der 40. Jahrestag des MfS ist mein Entlassungstag geworden. Sonst war dieser Tag der Höhepunkt des Jahres." Der Spuk geht zu Ende.

Wieviel Freiheit kostet Sicherheit?

"Aus Liebe zum Volk" erzählt noch eine andere Geschichte: die eines paranoiden Staates, exemplifiziert an der DDR. Die Terminologie des Majors und seiner Kollegen ist nicht 20 oder 30 Jahre alt. "Krieg den Terrorismus", "Schutz des Volkes" oder "Vernichtung des Feindes" - Wortwahl, Tonfall und Argumente, sie erscheinen dem Zuschauer erschreckend bekannt und aktuell.

"Aus Liebe zum Volk" ist nicht nur ein Film über die Abgründe ostdeutscher Vergangenheit. Es ist auch und vor allem ein Film über die Angst des Staats vor seinen eigenen Bürgern.

"Es ist unvorstellbar, dass es keine Sicherheit mehr geben soll. Auch im Moment des Abschieds von meinem Büro kann ich mir so eine Zukunft nicht vorstellen. Jeder Staat hat seine Sicherheitsorgane und Geheimdienste.", sagt Major S. am Ende des Filmes.

"Aus Liebe zum Volk" weist weit über sich und die Vergangenheit hinaus. Zurück bleibt ein mulmiges Gefühl und die Frage: Wieviel Freiheit kostet Sicherheit?

AUS LIEBE ZUM VOLK, Dokumentarfilm, 2004 - DVD + Bonusmaterial (Französische Fassung, Booklet und Infomaterial). Regie: Eyal Sivand und Audrey Maurion. Buch: Eyal Sivan, Audrey Maurion, Aurélie Tyszblat. Nach einer Idee von: Gilles-Marie Tiné. Kamera: Peter Badel. Archivrecherche: Cornelia Klauss, Karin Fritzsche, Mirjam Strugalla. Montage: Audrey Maurion. Produzenten: Gilles-Marie Tiné und Thomas Kufus. zero film und ARCAPIX. 88 Minuten.

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