Von M. F. Serrao und C. Tieschky

Die Berliner Zeitung und die anderen deutschen Blätter des schwer angeschlagenen Medieninvestors Mecom könnten schon sehr bald den Besitzer wechseln.

Es sind keine guten Zeiten für den Zeitungsmarkt, aber was sich jetzt für die Berliner Zeitung abzeichnet, könnte zumindest dem Blatt aus der Hauptstadt helfen. Wie am Mittwoch aus Unternehmenskreisen verlautete, wird die Zeitung, die zuletzt mit starkem Sparkurs schrumpfte, aus dem Besitz des Finanzinvestors David Montgomery zum Kölner Verleger Alfred Neven DuMont wechseln.

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Die Berliner Zeitung könnte aus dem Besitz des angeschlagenen Finanzinvestors David Montgomery (Bild) zum Kölner Verleger Alfred Neven DuMont wechseln. (© Foto: dpa)

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Ebenfalls an M. DuMont Schauberg (Frankfurter Rundschau FR, Kölner Stadt-Anzeiger) sollen demnach Berliner Kurier und Hamburger Morgenpost gehen, die zu Montgomerys deutscher Zeitungsgruppe gehören. Der Verlag M. DuMont Schauberg erklärt nach wie vor, dass Formulierungen rund um den Berliner Verlag "reine Spekulation" seien. Auch Mecom wollte am Mittwoch nichts kommentieren.

Für den Deal, der wohl in den nächsten Tagen verkündet werden soll, wird ein Preis von 160 und 170 Millionen Euro kolportiert. Montgomery hilft das, weil er eilig Geld braucht: Der Börsenwert seines international zusammengekauften Medien-Imperiums Mecom liegt nur noch bei etwa 14 Millionen Euro, dazu drückt eine Schuldenlast von mehr als 600 Millionen, eine Gläubigerfrist soll bis Ende Februar laufen.

Wie geht es weiter mit der Berliner Zeitung?

Überraschend ist der Zeitpunkt, zu dem Verlagspatriarch Alfred Neven DuMont, 81, nun handelt. Es wurde spekuliert, dass Teile des Mecom-Reiches bald noch billiger zu haben wären. Aber auch Neven DuMont könnte ein schneller Abschluss helfen: Er ist zum jetzigen Termin ein sicherer Bieter und musste wohl kaum um den Zuschlag fürchten.

Der Verleger gibt manchmal Rätsel auf. Bei der Verleihung des Theodor-Wolff-Preises hielt er im September ein Plädoyer für Investitionen in Print ("Stocken sie den Etat auf!"). Im Magazin Cicero äußerte er sich dagegen kürzlich äußerst pessimistisch: "Es fehlen uns halt die Patrone."

Als Patron will sich der Kölner nun offenbar noch einmal etwas ganz Großes trauen. Er hat in den vergangenen Jahren auffällig viel investiert. 2006 erwarb er für 40 Millionen Euro die Mehrheit an der FR und kurz darauf für 25 Millionen ein Viertel an der links-liberalen israelischen Tageszeitung Ha'aretz. Es gibt Spekulationen, dass er nun sogar persönlich mit seinem Geld als Verleger einstehen will.

Die Frage ist, wie es mit der Berliner Zeitung weitergeht, die schon einige unsichere Jahre hinter sich hat. Der frühere Chefredakteur der Berliner Zeitung, Uwe Vorkötter, wirkt heute als erster Journalist bei der FR. Wird zwischen Main und Spree zusammenführt, als den beteiligten Redaktionen lieb ist? Für den umstrittenen Verlagsgeschäftsführer und Chefredakteur der Berliner Zeitung, Josef Depenbrock, ist die Zukunft an der Blattspitze nach einem Eigentümerwechsel jedenfalls mehr als ungewiss.

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(SZ vom 08.01.2009/woja)