Dschungelcamp-Finale Die Heulsuse wird König

Nach Ekel-Prüfungen und langem Warten: Im australischen Urwald erringt der Mann im Dschungelcamp die Krone, der "am lustigsten gelitten hat": Sänger Ross Antony schlug Ex-Porno-Queen Michaela Schaffrath.

Von Franziska Seng

Über allen Wipfeln war Ruh. Aber wirklich nur über den Wipfeln. Im Geäst zwitscherte am vergangenen Samstagabend eine mal pink, mal golden glitzernde Promenadenmischung aus vorwitziger Haubenmeise und stilprägender Seidenband-Paradieselster: Dirk Bach moderierte mit Sonja Zietlow das Finale der dritten Staffel von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus".

"Ich bin der König im Dschungel": Sänger Ross Antony

(Foto: Foto: RTL)

Unten, auf dem glitschigen Urwaldboden der Realität kämpften drei Extrem-Camper um die Krone des Dschungelkönigs: Ross Antony, Sänger und Ex-Mitglied der Teenie-Band Bro'Sis, Michaela Schaffrath, Schauspielerin und Ex-Erotikdarstellerin sowie der serbische Schlagersänger Bata Illic.

Vor zwei Wochen waren sie dorthin gezogen, wo wir alle herkommen: In die Natur, in die Wildnis. Um stellvertretend für uns der Rousseauschen Theorie nachzuspüren, gemäß der die Menschen durch die moderne Gesellschaft verdorben sind, im Naturzustand jedoch ihren angeborenen Instinkt zum Guten ausleben können.

Um vom Dschungel aus der Fernsehnation ihr wahres, schönes, instinktmäßig gutes Ich präsentieren zu können. Um nach der Zeit im Camp vielleicht mehr zu sein als die C-, D-, E-Promis, die sie in der modernen, verdorbenen Gesellschaft zu Unrecht verkörpern.

Auch Ekel hat zwangsläufig seine Grenzen

Aber für den aufmerksamen Zuschauer bewahrheitete sich zunächst die banale Vermutung, dass das Fernsehen wirklich nur noch Wiederholungen bringt. Und er selbst Schuld daran hat: Wie während der ersten Staffel im Jahr 2004 war es eine Trias aus ehemaligem Teenie-Idol, alterndem Schlagerstar und formschöner Vollblondierter, die den größten Rückhalt in der Bevölkerung genoss und bis ins Finale kam: Damals konkurrierten Daniel Küblböck, Costa Cordalis und Lisa Fitz um den Titel.

Die Dschungelprüfungen entsprachen dagegen dem Finale der zweiten Staffel: Wie Desirée Nick sollte Bata Illic seine Sterne angesichts bissiger Schlangen einsammeln. Michaela Schaffrath bekam zwar nicht, wie damals Isabel Varell, einen mit Ungeziefer gefüllten Acrylglashelm übergestülpt, dafür wurde sie in einen Acrylglassarg, natürlich mit Ungeziefer, gesteckt.

Ross Antony fand sich in exakt derselben Situation wieder wie Ex-Finalist Willi Herren: Er musste bei einem etwas anderen Fünf-Gänge-Menü Leckereien wie Wiener Schnitzel oder Gummibärchen verschmähen und dafür Intimkost wie Känguru-Anus und Krokodil-Penis essen. Offensichtlich gibt es doch nicht so viel Ekel auf der Welt, um daraus immer neue Prüfungen zu basteln.

Die lustigen Leiden des jungen R.

Immerhin, der alternde Schlagersänger gewann in diesem Jahr nicht. Bata Illic, der beim Einzug ins Camp einen leichten Schwächeanfall erlitten und trotzdem tapfer durchgehalten hatte, wurde Dritter. Es siegte der Kandidat, dem Sonja Zietlow bei der letzten Prüfung bestätigte: "Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der so lustig leidet wie du!"

Neuer Dschungelkönig ist Ross Antony: Er war die letzten 16 Tage beim Ängste, Ekel und Selbstzweifel Überwinden im Dauereinsatz, absolvierte die meisten Dschungelprüfungen. Lustig dabei waren, so befand zumindest Sonja Zietlow, seine operndivenreifen Tränen, seine offen zur Schau gestellten Phobien und die Kreischanfälle mit vollem Körpereinsatz, mit denen er sich zwischendurch abzulenken versuchte.

Aber nicht nur er, alle Protagonisten dieser Staffel haben sich als zäh erwiesen: Keiner hat das Camp freiwillig verlassen. Zwei - DJ Tomekk und Lisa Bund - mussten unfreiwillig gehen. Die anderen konnten sich nicht nur von der widerstandsfähigen, sondern auch von ihrer mitfühlenden, opferwilligen Seite zeigen: Reihenweise nominierten sie sich in der zweiten Woche selbst für die fiesen Prüfungen, angeblich um die Schwachen in der Gruppe zu schonen, um den Variationen sendefähigen Ekels selbst entgegenzutreten, auch um "Grenzerfahrungen zu machen".

Auf die Kakerlake, fertig, los!

Inwieweit Hunger nach derartiger Grenzerfahrung tatsächlich das Urwald-Spektakel in Gang hielt, möchte man allerdings gar nicht so genau wissen. Man hofft, dass es rein pragmatische Gründe waren, die erwachsene Menschen dazu bewegten, Mutproben anzutreten, die man sonst von Schulkindern in der prä-pubertären Imponierphase erwarten würde - wie zum Beispiel Würmer essen oder sich von Blutegeln bespringen zu lassen.

Sicherlich glauben die Teilnehmer nicht wirklich, ihre Persönlichkeit würde daran wachsen, wenn sie - für sich und für das Allgemeinwohl - auf Kommando in eine Kakerlake beißen!

Eines aber ist klar: Die Teilnehmer von "IBESHMHR Teil drei" präsentierten sich in der wilden RTL-Arena als schicksalsergebene, ihren Unterhaltungsauftrag stets erfüllende Gladiatoren. Das Publikum besann sich einer seiner Lieblingspflichten und kürte mit dem Daumen auf der Telefontastatur den zum Sieger, der "am lustigsten gelitten" hat. Jetzt herrscht erstmal wieder Ruhe im Dschungel. Allerdings nur bis zur nächsten Wiederholung.