Das Gehen ist angenehm, aber schon nach ein paar hundert Metern ist Schluss. Eine Polizistin, den schwarzen Helm vor dem Bauch, erklärt uns, dass wir hier jetzt nicht durchkommen, "und Hansastraße ist jetzt gerade ganz schlecht". "Und wenn wir jetzt sagen, dass wir zu der Nazi-Demonstration wollen, lassen Sie uns dann durch?" "So sehen Sie aber nicht aus, als wollten Sie dahin."

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Es bleibt jetzt nur zu hoffen, dass an den anderen Stellen genügend Leute sind. Wegen unseres Ausfluges verpassen wir die Rede des Jenaer Oberbürgermeisters Albrecht Schröter, eines Sozialdemokraten, der mit mehreren Bussen des Jenaer Aktionsbündnisses hier ist. Franziska Drohsel, die Juso-Vorsitzende, berichtet von einem Angriff der Neonazis auf ihre Gruppe - "wir sind weggerannt, etwas anderes blieb uns nicht übrig". Aber jetzt seien sie viele. Und die Polizei ist offensichtlich auch da.

Die Polizei ruft in größeren Abständen immer wieder dazu auf, den Platz zu räumen. Die bisher gebilligte Demonstration gegen das Versammlungsverbot ist mittlerweile nicht mehr gebilligt. Nach einigem Hin und Her erklärt sich die Versammlung zum Volksfest.

"Das war es mir wert"

Gegen drei kommt Unruhe auf, vielleicht hundert Jugendliche kommen angerannt, schwarz gekleidet, viele haben ein Rotkreuzpäckchen am Gürtel. Von Norden her sollen ungefähr tausend Neonazis zum Bahnhof gebracht werden. Zwischen 14.30 Uhr und 15.30 Uhr scheint es sich dann zu entscheiden, ob die Neonazis marschieren dürfen oder nicht. Und da nichts geschieht und die "Blockaden stehen" (der "Trauermarsch" ist nur bis 17 Uhr genehmigt) breitet sich allmählich das Gefühl aus, dass die Aktion geglückt ist.

Die Stimmung wird ausgelassener. Ich sehe die alte Dame aus dem Zug wieder. "Wir sind ziemlich früh aufgestanden", sage ich. "Das war es mir wert", sagt sie. Die beiden Damen, in deren Begleitung sie ist, sind, so stellt sich heraus, Bekannte meiner Mutter.

Die ersten Demonstranten von der Menschenkette, die man nach einer Kontrolle über die Brücke lässt, treffen ein. Sie sind erstaunt, wie es hier aussieht. Immer wieder: "Das haben wir ja nicht gewusst!" In den Dresdnern Zeitungen wurde vor der Neustadt gewarnt.

Man muss die Stadtregierung auffordern, diese Proteste hier zu unterstützen. Die Menschenkette hält niemanden auf. Wir müssen handeln, nicht nur Zeichen setzen. "Stellen Sie sich mal vor, die Dresdner Oberbürgermeisterin würde so handeln wie der Jenaer Oberbürgermeister", sage ich. Wir wären vereint in Antifaschismus und Gewaltlosigkeit! Das würde es auch der Polizei leichter machen.

Diejenigen, die es per Gesetz gar nicht hätte geben dürfen, haben durch ihren zivilen Ungehorsam erreicht, dass es zum ersten Mal keinen Marsch der Rechtsradikalen gibt.

Kurz nach vier brechen wir auf in Richtung Hauptbahnhof. Auf der Altstadtseite der Augustusbrücke werden diejenigen, die über die Elbe wollen, kontrolliert. Auf der anderen Seite scheint es der Alltag des Sonnabendnachmittags zu sein. Nur weniger Autos sind unterwegs.

Erst auf dem Bahnhof wieder Polizei. Als ich zu den Gleisen will, werden vor mir vier Jugendliche mit Strickmütze und Palästinensertuch zurückgewiesen. Ich frage, warum ich passieren darf und sie nicht. "Gehen Sie weiter", sagt der Polizist. "Lassen Sie nur", sagt einer der Jugendlichen zu mir, "das sind wir gewöhnt."

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  1. Keinen Raum den Faschisten
  2. Punks bibbern in der Kälte
  3. Sie lesen jetzt "Wir sind weggerannt"
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(SZ vom 16.2.2010/kred)