Dreidimensionales Drucken Eine Burg, aus Sand gebaut

Es gibt Dinge, die nicht mehr mit stubentauglichen 3-D-Druckern hergestellt werden. Und es gibt Dinge, die werden erst durch ihren Ausdruck in Sand zu etwas, das die Welt bunter macht.

Von Bernd Graff

Es gibt 3-D-Drucker. Gut. Sie erreichen inzwischen die Wohnstuben. Auch gut. Es gibt 3-D-Drucker-Rezensionen in den einschlägigen Computerfachmagazinen wie der hervorragenden c't, in der jüngst Selbstbau-Drucker rezensiert wurden. Alles sehr fein.

Doch auch in gängigen Publikums-Publikationen taucht das Thema inzwischen auf. Irgendwas mit "Die Welt aus dem Drucker" wird dann getitelt. Hier oder hier.

Nun kann man den 3-D-Druck, wie er sich hier darstellt, natürlich als eine Innovation begreifen, die intellektuell bestechend ist, die Raum für Visionen schafft, die bewundernswert plausibel ist und vieles mehr.

Kaum ein ästhetischer Meilenstein

Aber, man kann sie kaum als ästhetischen Meilenstein begreifen. Dafür scheinen die ausgedruckten Gegenstände zu klein, zu nerdig-fancy, zu blöd-bunt. Wenn man sich die im Netz kursierenden Druckvorlagendateien anschaut, den Dürer-Hasen und den ewigen Totenkopf, die Eulen, Differentiale, Zahnräder und filigran gelochten Armreifen, dann fühlt man sich an den Plastik-Nippes erinnert, den man an Kirmes-Schießbuden bei einfachen Treffern überreicht bekommt. Grellbunt und aus bröseligem Plastik. (Eine Auswahl: Hier)

Da ist also, was Ästhetik und Größe angeht, noch viel Luft nach oben. Denkt man. Und ist schon wieder sofort gestrig. Denn es gibt 3-D-Druckverfahren, die beides sind: groß und schön - oder einfach nur schön.

Das Projekt "Digital Grotesque" des Architekten Michael Hansmeyer ist tatsächlich begehbar, der Mann spricht vom ersten vollumfassenden Raum, der komplett aus dem Drucker kommt. Seiner ist gleich 16 Quadratmeter groß - und nicht aus buntem Plastik, sondern aus so etwas wie Sand.

Tatsächlich kommt die Sandstein-Druckerei bereits industriell zum Einsatz. Man entwirft damit etwa Druckformen für Erzabgüsse. Oder, wie hier von der BBC berichtet, ein Fahrrad. In diesem Video wird auch das Verfahren des Haltbarmachens des Sandes erklärt: Wer keine Lust hat, sich das Video anzugucken, kann das Verfahren auch hier nachlesen

Der Architekt Hansmeyer, der hier auf der TED seine künstlerischen Ambitionen erörtert, klärt auf der äußerst sehenswerten Webseite seines "Digital Grotesque"-Projektes darüber auf, dass Sandstein-Druck nicht nur viele Limitierungen des bislang üblichen 3-D-Druckens hinter sich gelassen habe, sondern, dass der natürliche Baustoff sowieso seit prähistorischen Zeiten zum Einsatz komme: Kathedralen und Tempel wurden daraus errichtet, ornamentale Strukturen daraus geschnitzt. Der durch den Post-Prozess gehärtete 3-D-Druck-Sand habe in etwa dieselben Eigenschaften.

Den absoluten 3-D-Druck-Hammer aber hat Greg Petchkovsky geschwungen. Seine Lego-Sandstein-Skulptur, die eine abgebrochene Treppenstufenkante ersetzt, nahm ihren Ausgang in Fotos der beschädigten Stufe, die für die Software "Agisoft Photoscan" als Vorlage für ein 3-D-Mesh dienten. Dieses wiederum wurde mit Hilfe von "3DS Max" in ein 3-D-Modell von Stufe und nachgebauter Ecke umgewandelt. Und damit es nach mehr aussieht als einer reparierten Stufe, hat er auch noch ein paar Lego-Stein-Strukturen mitverbaut, danach alles 3-D-gedruckt und schließlich der kaputten Stufe aufgelegt. Dieses Video seiner Digitalbasteleien ist das: Spektakulär.

Denn erstens mixt er reale und synthetische Objekte, und zweitens: Man ahnt, dass auf diese Weise in nicht allzu ferner Zukunft etwa Zahnersatz hergestellt werden wird.