"Dredd" im Kino Auf dem Zukunfts-Trip

Mit der trashigen "Dredd"-Version aus den Neunzigern hat Pete Travis' Neuverfilmung des Comics wenig zu tun. In ungewohnten, visionären Bildern wird die Zeitlupen-Wahrnehmung zur Droge für jedermann.

Von Anke Sterneborg

Grenzenloses Experimentierfeld: "Dredd" von Pete Travis.

(Foto: dapd)

In den Megacities einer dystopischen Zukunft blüht die Kriminalität so ungehindert, dass sich niemand mehr mit traditioneller Verbrechensbekämpfung aufhält. Die modernen Cops sind gepanzerte Kampfmaschinen, die Polizei, Gericht und Strafvollzug in einem verkörpern. Wenn Judge Dredd (Karl Urban) und sein Rookie Cassandra (Olivia Thirlby) sich in die düstere Höhle der Drogenbaronin Ma-Ma (Lena Heady) wagen, dann wird Angriff zu Selbstverteidigung.

Mit dem trashigen Stallone-"Dredd" aus den Neunzigern hat die neue Verfilmung des britischen Comics um den geklonten Richter Joe Dredd wenig gemein. Nach dem Drehbuch von Alex Garland ist der neue "Dredd 3D"ein schwefelig dampfender Albtraum, eine Allegorie über Gewalt und Selbstjustiz. Dem Kameramann und "Dogma"-Veteranen Anthony Dod Mantle gelingt es, dem Rausch von Gewalt und Drogen ungewohnte, visionäre Bilder abzuringen - und die meist nur noch gedankenlos eingesetzte 3D-Technik zu erneuern. Die schwerfälligen Maschinen hat er so umgebaut, dass man erstmals so nah ran gehen kann, dass Gesichter zu Landschaften werden. Und die Zeitlupenaufnahme, schon lange eine Droge für Hollywoods Regisseure, wird in dieser Geschichte eine Droge für jedermann: die Substanz "Slo-Mo" lässt die Süchtigen ihr Leben in Superzeitlupe wahrnehmen. Ein grenzenloses Experimentierfeld: Geschosse explodieren, Lichtreflexe schillern, Glas splittert in tausend Stücke, Wasser zerstiebt in Myriaden von Tropfen - bei diesen Bildern werden Zeit und Raum selbst zur Droge.

Dredd, USA 2012 - Regie: Peter Travis. Buch: Alex Garland. Kamera: Anthony Dod Mantle. Mit: Karl Urban, Rachel Wood, Lena Heady. Universum, 95 Min.