SZ: Das fehlende Geld hindert Sie. Sie müssten kräftig investieren.

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Herlyn: Das werden wir machen.

SZ: Sie sind jetzt seit 18 Jahren Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur. Der Aufsichtsrat sucht intensiv einen Nachfolger. Wann hören Sie auf?

Herlyn: In elf Monaten erreiche ich die Altersgrenze.

SZ: Wie fällt Ihre Bilanz aus? Ist das Nachrichtengeschäft schwieriger, härter geworden?

Herlyn: Als ich Ende 1990 zu dpa gekommen bin, gab es den völlig unumstrittenen Basisdienst, die Landesdienste und den Fotodienst, der aber überhaupt nicht mit dem harmonisierte, was wir bei Wort gemacht haben. Und es gab eine Tochter, die Graphik. Heute haben wir sieben Tochterfirmen, die journalistisch arbeiten - und für alle Inhalte ist der Chefredakteur verantwortlich. Das ist de facto fast nicht zu stemmen. Auch die Meldungsmenge hat drastisch zugenommen. Vor zwanzig Jahren wurden täglich 120 Meldungen verschickt, jetzt sind es mehr als 600, nur im Basisdienst. Dazu in den zwölf Landesdiensten mindestens je 100 Meldungen. Und etwa 700 Bilder täglich.

SZ: War die Qualität früher besser?

Herlyn: Nein, die ist heute besser, weil unsere Nachrichten mehr Tiefe und mehr Hintergrund enthalten.

SZ: Wie sichern die verantwortlichen dpa-Redakteure die Qualität?

Herlyn: Wir haben das Vier-Augen-Prinzip, oft schaut auch ein Dritter über einen Text. Faktentreu sind wir sicher. An der Sprache müssen wir, wie gesagt, noch feilen.

SZ: Lesen Sie, was "Bürgerjournalisten" und Blogger so schreiben?

Herlyn: Ich beobachte das. Es gibt Sumpfblüten, die schnell wieder verschwinden, und es gibt ein paar wichtige Blogs. Aber ich würde all das nicht als Journalismus bezeichnen.

SZ: Wie hat sich der Journalismus verändert in den 18 Jahren, die Sie an der Spitze von dpa stehen?

Herlyn: Er ist aufgeregter geworden, weniger gründlich. Als ich jung war, war die Zeitung jeden Tag ein Strauß voller Überraschungen. Das ist heute nicht mehr so, oft gehen Geschichten zu schnell, zu schmutzig ins Blatt.

SZ: Geschichten, die keine Nachrichten sind?

Herlyn: Eindeutig. Das liegt wohl auch an der Hast, mit der Redakteure heute arbeiten. Nehmen Sie Berlin mit seinen etwa 30 Rundfunksendern. Die müssen wir im Prinzip alle beobachten. Es kann ja jederzeit passieren, dass irgendein Mikrophonhalter einem Minister auflauert, und der etwas sagt, was man nicht erwartet hat. Wir haben häufig nicht den Mut, zu sortieren und etwas wegzulassen.

SZ: Ist auch etwas besser geworden?

Herlyn: Die Vielfalt.

SZ: Was ist mit den Zeitungen? Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft der Zeitungen?

Herlyn: Sorgen ja, aber mir ist nicht bang, ich bin auch davon überzeugt, dass das deutsche System überlebensfähig ist. Wir haben einen grundsätzlich anderen Medienmarkt als die USA oder andere europäische Staaten. Eine Zeitung, wenn sie richtig gemacht wird, bietet einen Mehrwert, auf den man von einem bestimmten Alter an nicht mehr verzichten will. Nachrichten, die Sie im Radio hören, gehen rein ins Ohr und raus. Im Fernsehen weiß ein Zuschauer eine halbe Stunde später gerade noch, welche Farbe die Krawatte des Sprechers hatte. Das Internet ist noch flüchtiger. Nein, den richtigen und wichtigen Gesprächs- und Diskussionsstoff liefert die Zeitung.

SZ: Im Aufsichtsrat der dpa, der über Ihr berufliches Schicksal und das der Agentur entscheidet, sitzen sehr verschiedene Leute: Journalisten, Verleger, Familienunternehmer - und immer mehr angestellte Manager. Ist es beklagenswert, dass Zeitungen zunehmend in die Hände angestellter Manager fallen und sich die Verlegerfamilien zurückziehen?

Herlyn: Da habe ich zwiespältige Gefühle. Verleger waren und sind auch heute noch mit viel mehr Herzblut und Wärme für ihre Zeitung da. Aber es geht ja nicht nur um Wärme. Es ist gut, konzise und betriebswirtschaftlich orientierte Geschäftsführer im Aufsichtsrat zu haben. Auch bei der dpa haben wir durch deren Rat das eine oder andere besser gemacht.

SZ: Journalistisch besser?

Herlyn: Wenn uns der Aufsichtsrat vor vier Jahren gesagt hat, bündelt eure Rücklagen nicht in Risiken, sondern verzichtet notfalls auf Rendite und macht es konservativ, dann war das ein sehr guter Rat. Wir sind bislang gut durch die weltweite Finanzkrise gekommen. Und gute journalistische Ratschläge bekommen wir vom Redaktionsausschuss - von Kennern des Marktes und von Journalisten, die da drin sitzen.

SZ: Stellen Sie sich vor, Sie wären noch einmal um die 40. Was würden Sie am liebsten sein: Anchorman im Fernsehen, Chefredakteur der Bild-Zeitung oder Leiter einer Journalistenschule?

Herlyn: Eindeutig - Leiter einer Journalistenschule.

Mitarbeit: Marc Felix Serrao

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(SZ vom 11.02.2009/holz)