Dokumentarfilm Die letzten Dinge

Ein Sterbender sinniert über das Leben: Gennadii Topor im Gespräch mit seinem Pfleger Bruder Karl.

(Foto: Stefan Linn)

In der Reihe "Kunst und Inklusion" ist Dagmar Knöpfels "Aufgenommen in den Himmel" zu sehen - eine sensible Reportage über die Alltäglichkeit des Sterbens in einem Hospiz

Von Hannah Vogel

Eigentlich hatte ich nicht vor, mit 45 zu sterben", schluchzt Liane Schlabs mit tränenerstickter Stimme. Auf einem kleinen Tisch neben ihrem Bett steht eine gerahmte Fotografie. Diese zeigt eine lachende Frau in der Mitte des Lebens - Liane Schlabs vor ihrer Krebserkrankung. Sie ist kaum wiederzuerkennen, so sehr hat die Krankheit sie verändert. Als die Sterbende um Fassung ringt, umarmt ihre Pflegerin sie, schützt sie vor der Kamera und den Augen der Zuschauer.

Schlabs ist eine Protagonistin der Dokumentation "Aufgenommen in den Himmel - Vom Glauben an die leibliche Auferstehung", die den Prozess des Sterbens einfängt und die Frage stellt, was danach kommt. Sie läuft in der Reihe "Was geht? Kunst und Inklusion" diesen Donnerstag um 17 Uhr im Monopol, obwohl das Thema nicht ganz hineinzupassen scheint. Der Bezug sei komplex, sagt die Münchner Regisseurin Dagmar Knöpfel. Tod und Sterben seien in die heutige Gesellschaft nicht mehr so inkludiert, wie das vor Jahren der Fall war. "In einem Krankenhaus holen die Bestatter die Verstorbenen um 4 Uhr nachts, damit niemand etwas mitbekommt", erklärt sie. Sterben sei ein Tabuthema. Darüber diskutieren können die Zuschauer nach dem Film mit ihr und weiteren Mitwirkenden. Gedreht hat Knöpfel ihre Dokumentation bereits 2010, zehn Tage begleitete sie drei sterbende Menschen, deren Ärzte, Therapeuten und Pfleger im Münchner Johannes-Hospiz der Barmherzigen Brüder. Sie schildern ihren Umgang mit dem Tod - vermischen dabei philosophische, theologische und wissenschaftliche Ansichten - und sinnieren darüber, was mit der Seele des Menschen nach dessen Ableben passiert.

Obwohl der Tod im Hospiz allgegenwärtig ist, lassen sich viele Bewohner nicht ihre Lebensfreude nehmen.

"Jeden Tag bringt mich eine andere Frau ins Bett - das ist gigantisch", scherzt Gennadii Topor, der an einer Erkrankung des zentralen Nervensystems leidet. Manchmal träume er davon, dass er wieder Beine und Arme bewegen könne, erzählt er. Als seine Pflegerin ihn ins Bett hebt, kommentiert Topor dies als "Mission eines Sondereinsatzkommandos" und lächelt - das geht noch. Es sind Situationen wie diese, die Dagmar Knöpfel in ihrer Meinung bezüglich Sterbehilfe bestärken: "Im Hospiz werden die Menschen bis zum Ende begleitet, ihre Schmerzen lindern die Ärzte durch Medikamente. Es gibt keinen Grund, jemandem das Leben zu nehmen."

Topors Lächeln hält Dagmar Knöpfel fest, konserviert es für die Nachwelt, ebenso wie Träume, Trauer und Angst der Bewohner. Ihr gelingt es, den Hospizalltag authentisch einzufangen: Massagen, Atemübungen, Musiktherapie, selbst die Kaffeepause der Pflegerinnen. Unterbrochen wird dieser Tagesablauf nur durch das Zwiegespräch zweier Geistlicher, die über den Thalkirchner Friedhof gehen, vorbei an dem, was geblieben ist. Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub. Aber was passiert mit dem, was den Menschen zu Lebzeiten ausmachte - seiner Seele? Die Dokumentation liefert darauf keine Antwort, zeigt unkommentiert die unterschiedlichen Vorstellungen. So hängt in Liane Schlabs Zimmer ein selbstgemaltes Bild, das ihr Kraft gibt. Es zeigt ein gelbes Licht, das mit seinen roten Rändern einem Sonnenuntergang gleicht. Sie habe von Menschen mit Nahtoderfahrung gelesen, die Ähnliches gesehen hätten, sagt Schlabs. Diese Vorstellung tröstet sie: "Wir sind nicht am Ende, aber trotzdem ist es eine große Unbekannte, die vor mir steht." Regisseurin Dagmar Knöfpel tut sich auch nach ihrer Reportage noch schwer mit einem Leben nach dem Tod: "Ich glaube nicht, dass da noch was kommt - aber ich hoffe es." Vor allem weil inzwischen alle drei Bewohner, die sie begleitet hat, gestorben sind. Gennadii Topor hat als Einziger die Dokumentation noch gesehen, im Kreis der Angehörigen. "Ich dachte zuerst, das sei vielleicht zu schwer für sie, aber sie haben mir gedankt", erinnert sich Knöpfel. In ihrem Film kommen die Hinterbliebenen nicht zu Wort, obwohl ihnen der Abschied häufig schwerer fällt als den Sterbenden selbst. Das erzählen zumindest mehrere Mitarbeiter des Hospizes. "Denn mit jedem Mensch geht eine ganze Welt zugrunde", befindet der Palliativmediziner Thomas Binsack.

Aufgenommen in den Himmel - Vom Glauben an die leibliche Auferstehung, Dokumentarfilm von Dagmar Knöpfel und Gespräch, Do., 14. Jan., 17 Uhr, Teil der Reihe "Was geht? Kunst und Inklusion", Monopol-Kino, Schleißheimer Str. 127, 38 88 84 93