Diskussionen auf der Berlinale Verweis auf Lacher statt Antwort

Doch kaum äußerte ich diese kaum zu widerlegende Tatsache, schallte mir aus den Zuschauerrängen höhnisches Gelächter entgegen. Man signalisierte mir, dass ein noch so sanftes Rütteln an Loachs Verstaatlichungsthesen in diesem Kreis wohl nicht erwünscht ist - der Sozialismus schien diesem Auditorium die einzig richtige Gesellschaftsform zu sein. Ich kam mir fast schon vor wie der erzkatholische Publizist Martin Lohmann, der vor kurzem bei Günter Jauch manchmal kaum ausreden konnte, ohne spöttische Lacher über sich ergehen lassen zu müssen.

Im Vergleich zu mir als Berlinale-Gast bekam der Jauch-Gast Lohmann aber zumindest das Recht eingeräumt, seine Thesen zu erläutern. Soweit wollte Ken Loach mich mit meinem unschuldigen Pragmatismus gar nicht kommen lassen. Meine konkrete Frage: "Herr Loach, vermittelt Ihr Film zu Recht den Eindruck, dass Sie prinzipiell gegen Privatisierungen sind?" fand der Maestro gar nicht mehr wert, selbst zu beantworten. "Ich denke, das Publikum hat die Antwort gegeben", beschied mir Loach unter Verweis auf die Lacher und erntete noch einmal allgemeine Heiterkeit. Damit war ich abgewürgt.

Was dann kam, war eine Rednerin der Linkspartei, einer Partei also, für deren Unterstützung ich in Bayern immer gescholten werde, und ein Appell von Loach, dass nur der Sozialismus die Welt retten könne. Fazit dieses Nachmittags: Wir sind uns alle bis auf einen einig, dass der Sozialismus die einzige Lösung der Menschheitsprobleme ist.

Bei aller Wut, die ich durchaus empfand, tröstete ich mich selbst mit der Vorfreude darauf, meinen Freunden von dieser Begegnung mit einem großen trotzkistischen Filmemacher erzählen zu können. Denn wer schon mal 700 Leute gegen sich gehabt hat, nur weil er positive Beispiele von Privatisierungen angeführt hat, der kann politisch gar nicht so links stehen, wie meine Kumpel immer behaupten.