Urheberrecht Gabriel holt Lobbyisten Gorny als Berater

Nicht mehr nur Lobbyist, sondern auch Regierungsberater: Dieter Gorny.

(Foto: dpa)
  • Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat Dieter Gorny zum "Beauftragten für Kreative und Digitale Ökonomie" ernannt.
  • Gorny ist Medienmanager und Vorzeigelobbyist der Musikindustrie, für die er gegen illegale Downloads kämpft.
  • Die Grünen kritisieren Gornys mangelnde Unabhängigkeit scharf.
  • Gornys künftige größte Gegner werden die Medien-Giganten des Silicon Valley, die Musiker mit Billig-Tantiemen abspeisen.
Von Bernd Graff

Er schon wieder! Der Mann ist Medienmanager und Musiker, Professor ist er und Grimme-Preisträger. Medienmann des Jahres war er 1992. In Nordrhein-Westfalen ist er, Jahrgang 1953, seit den Achtzigerjahren eine dicke Nummer im Medien-Geschäft: die Musikmesse Popkomm rief er ins Leben, den Musiksender VIVA hat er gegründet. Und krempelte auch schon Essen zur Kulturhauptstadt Europas um. Der Tausendsassa Dieter Gorny, das ist der Mann, ist umtriebig und: sehr präsent.

Nirgends machte er das bislang so deutlich wie im Amt des Präsidenten des "Bundesverbandes Musikindustrie", der deutschen Abteilung der internationalen Tonträgerhersteller (IFPI).

Als solcher ist Gorny nicht nur Musikalien-Anwalt, sondern - sorry - ihr fettester Lautsprecher. Denn Gorny ist der Schrecken der Piratebay, der bissigste Feind des illegalen Downloads.

Grüne kritisieren Gornys Ernennung

Niemand kann so laut und so schön so dicke Krokodilstränen weinen wie Gorny, wenn es um Urheberrecht und die Überschlags-Berechnung der durch Raubkopien verlorenen Künstler-Tantiemen geht. Doch Gorny ist jetzt nicht mehr nur der alerteste Vorzeigelobbyist der Branche, er ist fürderhin auch Regierungsberater: Der ehemalige Pop-Beauftragte der SPD und jetzige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat Dieter Gorny zum "Beauftragten für Kreative und Digitale Ökonomie" ernannt.

Die Grünen im Bundestag finden das überhaupt nicht gut. Tabea Rößner, die Grünen-Sprecherin für Medienpolitik, teilt mit, "den Vorsitzenden eines starken Verbandes zum Beauftragten der Regierung zu machen, kratzt an der Glaubwürdigkeit des Postens. Der Impuls, die Kreativwirtschaft zu stärken, ist begrüßenswert. Aber er wird gleich im Keim erstickt, wenn die Unabhängigkeit nicht gewahrt bleibt."

Die Bedenken sind angebracht und verständlich. Dennoch könnten die Kreativen und die Digitale Ökonomie kaum besser fahren als unter dem Segel des Lobby-Dickschiffs Gorny.

Exzessiv billige Download- und Streamingangebote

Die Herausforderungen, denen die Kreativbranche sich schon jetzt und erst recht in Zukunft zu stellen hat, sind gewaltig.

Gornys (ökonomische) Gegner sind nun vor allem die größten Medien-Giganten des Silicon Valley. Denn was an ernst zu nehmenden Download- und Streaming-Diensten für Musik und Filme aufgeboten ist, konzentriert sich auf milliardenschwere Player, die ihre Kunden mit exzessiven Billig-Angeboten und Flatrates an sich binden.

Die Tantiemen, die dabei für die Urheber abfallen, sind nur ein Fliegenschiss hinter dem Komma. Im Ring stehen unter anderem: Apple, Amazon, Netflix, Spotify. Wer, wenn nicht Gorny, könnte hierzulande für einen lauteren Aufschrei gegen sie sorgen? Und wer wüsste das besser als die alten Piraten, gegen die Gorny bisher so viel Dampf machte?