Hier wird wahllos und grausam getötet, dennoch geht es sachlich zu: In einem spannenden Experiment inszeniert Lech Majewski Pieter Brueghels Gemälde "Die Kreuztragung Christi". Doch in "Die Mühle & das Kreuz" stiftet er keinen Seelenfrieden, sondern vielmehr die Gewissheit, dass kein Gott sei.
Dieser Film wird nur wenige Tage im Kino bleiben. Vielleicht verirren sich ein paar Kunsthistoriker hinein, kulturbewusste Großstädter, die im Restaurant keinen Platz mehr fanden, eine Handvoll Enthusiasten. Andere werden auf die DVD warten, die sicher bald im Museumsshop im Städel oder in der Alten Pinakothek ausliegen wird: "Die Mühle & das Kreuz", nach dem Gemälde "Die Kreuztragung Christi" von Pieter Bruegel.
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Die Kreuztragung Christi, das Gemälde Pieter Bruegels, ist eine einzige Anklage gegen die Spanier, gegen das Schicksal. (© Neue Visionen)
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Und doch wäre es ein nie wiedergutzumachendes Versäumnis, diesen Film nicht jetzt und auf der Leinwand im Kino zu sehen. Lech Majewski inszeniert Bruegels Gemälde von 1564, das im Kunsthistorischen Museum in Wien hängt. Der Regisseur sitzt aber nicht davor und deutet das Bild einer gelangweilten Schulklasse, sondern stellt ein mystisches Ereignis nach.
Die Andacht vor der Kunst schließt die Analyse des Dargestellten nicht aus. Aus einem Tableau mit vielleicht fünfhundert Personen wählt Majewski sich ein kleines Dutzend und folgt den Figuren, ins Bild hinein und wieder heraus. "Die Mühle & das Kreuz" erzählt die Geschichte der Welt von Anbeginn, oder jedenfalls vom Anfang des Kinos.
Es sind deshalb lauter Szenen wie schon mal gesehen: Aus dem Nebel tauchen Reiter auf. Kinder werden von der Mutter gefüttert. Waldarbeiter wählen einen Baum und fällen ihn sorgfältig. Stelzengänger auf dem Weg zum Markt. Ein Pfeifer bietet seine bescheidene Melodie feil; steif bewegen sich die Tänzer dazu. Auf einem zerklüfteten Felsen steht eine Mühle, die ihrerseits auf einem Rad ruht. Unwahrscheinlich hoch ist der Fels, den es in Flandern niemals gegeben hätte. Er ist seinerseits ein Zitat, stammt aus den Alpen und aus dem Skizzenbuch, das Bruegel von seiner Italienreise mitbrachte.
Der Wind greift in die riesigen Flügel der Mühle, der Müller setzt das Mühlrad in Gang, das Korn wird gemahlen, das Geschehen nimmt seinen Lauf. Obwohl Pieter Bruegel in Gestalt des ehemaligen Replikanten Rutger Hauer selber auftritt, fast im Traum durch sein Gemälde wandert und beim Skizzieren wie ein Regisseur den Aufbau erläutert, ist es der Müller, der machtlos Bildregie führt. Bei Bruegel ist er nicht zu sehen, aber sein Nachfolger braucht ihn. Wie ein Theatergott hält er das Schicksalsrad am Laufen, ohne doch selber Einfluss auf das Weltgeschehen nehmen zu können.
Willkür landesfremder Herrscher
Am rechten Bildrand steht der Richtpfahl, für den die Arbeiter in den Wald gingen. Ein Bauer, der sein Kalb zum Markt führt, wird grundlos gefangen genommen, geprügelt, schließlich hoch oben auf dem Rad festgebunden, den Vögeln zum Fraß. Seine Frau weint und jammert, während ihrem Mann die Augen ausgehackt werden, aber da ist niemand, der zu Hilfe käme.
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Sofort die Bibel verbieten!
Na Herr Winkler, da sind sie wohl ein bißchen über das Ziel hinaus geschossen. Oder besser gesagt, als des Kinos Unkundiger entlarvt.
Mel Gibsons Film ist einer der Besten, die zu diesem Thema gedreht wurden.