Das perfekte Talkshow-Rezept: Man nehme eine Vorzeigelinke, einen Ex-Banker - und packe das Ganze in eine Krawallhülle. Warum Maybrit Illner mit ihrer Sendung zur Finanzkrise trotzdem scheiterte.
So viel Unwissenheit in einer Runde - da konnte Hilmar Kopper nur wütend den Kopf schütteln. "Die Banken haben den Wohlstand nicht verzockt", rief er ins Studio und sein Kopf wurde knallrot vor Zorn. Alles falsch. Der ehemalige Chef der Deutschen Bank geriet geradezu in Rage - und es fiel Kopper sichtbar schwer, sich zu beruhigen.
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Sprach selbst viel: Moderatorin Maybrit Illner (© Screenshot:zdf)
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Das war vor einer Woche.
Der wütende Herr Kopper war als Gast bei "Hart aber Fair" angetreten, den ARD-Zuschauern die Finanzkrise zu erklären und Moderator Frank Plasberg davon zu überzeugen, dass der Kapitalismus ansich nichts Schlechtes und der Finanzkollaps ein wirtschaftlich völlig normaler Vorgang sei.
"Die Börse gibt's, die Börse nimmt's", sagte Kopper, als er sich endlich einmal beruhigt hatte. Wenige Tage zuvor war eine der traditionsreichsten Investmentbanken der USA kollabiert, der ehemals weltgrößte Versicherer AIG gestauchelt - und Millionen Häuslebauer standen vor den Scherben ihrer Existenz.
Möglicherweise hatte die Redaktion von Maybrit Illner, dem ZDF-Gegenprodukt von Plasberg, an diesem Mittwoch gesammelt ARD geschaut. So saß Kopper nun, acht Tage später, zur Frage "Ist der Kapitalismus noch zu retten?" in Illners Studio, sollte wieder wüten - und daher hatte eine schlaue Redaktion zu seiner Rechten die Kommunistensirene Sahra Wagenknecht von der Linkspartei platziert.
Dazu war der ehemalige Umweltminister Jürgen Trittin von den Grünen geladen, der sich mit Credit Default Swaps beinahe so gut auskennt, wie mit dem Kyoto-Protokoll oder dem Dosenpfand - und neben ihm saß ein gewisser Arndt Kirchhoff, der ein Familienunternehmen führt und Vorsitzender des Mittelstandsausschusses des Bundes der Deutschen Industrie ist.
Während sich Plasberg vor einer Woche die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl und dem ehemaligen Finanzminister Hans Eichel wenigstens noch ausgewiesenes Fachpersonal in die Sendung geholt hatte, vereinsamte Hilmar Kopper bei Maybrit Illner fachlich geradezu. So kam es, wie es kommen musste. Der Banker konnte gelassen seine Thesen vortragen, die sich erwartungsgemäß in 192 Stunden nicht maßgeblich geändert hatten.
"Gezockt haben die Hauskäufer in Amerika", sagte Kopper. Diejenigen also, die dachten, alles könnte auf Pump finanziert werden. Dann redete er von leichtsinnigen Banken, verteidigte das Rettungspaket der US-Regierung und fand sogar einen positiven Aspekt an der staatlichen Rettungsaktion für den US-Versicherer AIG. Denn wer, so Kopper, sage denn, dass der Staat die Anteile an AIG später nicht mit einem Gewinn verkauft?
Viele Stichworte für die rote Sahra
Koppers Welt ist auch nach dem Beben an der Wall Street noch ziemlich heil. Kollabierende Banken gehören zum System. Genauso wie die Banker, die jetzt auf der Straße stehen. Erst haben sie gut verdient, jetzt eben vieles verloren. "Brutal abgestraft", sagt Kopper. "Alles weg. Alles tot."
Das wäre eigentlich ein Stichwort für Sahra Wagenknecht gewesen - die Linken-Politikerin, die einst forderte, Banken müssten verstaatlicht werden und die Talkshows gerne mit einem schmissigen Satz vor drohender Langeweile rettet. Dann wurde es aber doch ziemlich öde. Wagenknecht regte sich lediglich auf, dass nun die Bürger für die Zocker-Banker bluten müssten, der US-Staat sich "finanziellen Sondermüll" ans Bein gebunden habe und dass auch der deutsche Staat mit der Riester-Rente in dieses "morbide Kartenhaus" investiere.
Nichts Neues. Dann sprach Wagenknecht noch ein wenig über ihre Lieblingsthemen: dem bösen Lohndumping, ihrem Traum von einer sicheren Rente ohne Riester und von Unternehmen, die ihre Dividenden um 50 Prozent erhöhen und gleichzeitig Mitarbeiter entlassen. All jene Thesen eben, mit denen Talkshow-kompatibles Linkspartei-Personal quer durch alle Plasberg-Will-Friedman-Maischberger-und-eben-Illner-Sendungen tingelt.
Provozieren wollte (oder konnte) die rote Sahra an diesem Abend jedoch nicht. Nicht einmal Illners Steilvorlage, ob man jetzt Banken nicht doch besser verstaatlichen sollte, griff sie auf. "Man soll erst einmal aufhören, die öffentlichen Banken weiter zu privatisieren", sagte die Europaabgeordnete ziemlich umständlich.
Da musste Maybrit Illner schnell auf das erste Gebot der Moderationsbibel zurückgreifen: Wenn gar nichts mehr geht, dann spiele man ein Lafontaine-Zitat ein. Doch nicht einmal dessen Forderung, Vermögende zu enteignen, trieb die Debatte merklich voran.
Hilmar Kopper hörte sich das alles an, lächelte ab und zu ein wenig unbeteiligt - und zog es ansonsten vor, auf derartige Banalitäten nicht weiter einzugehen. Ein Schlagabtausch zwischen dem Banker und der Kommunistin wollte sich partout nicht entwickeln.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Moderatorin Illner immer reden wollte.
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... wohin der weg wirklich geführt hat. Die Blamage vieler sich bisher so überlegen aufspielenden Finanzexperten kann jetzt zu Nachdenken veranlassen oder geschickten Schuldzuweisungen, die sich bei näherer Betrachtung als Distanzierungsversuche von einem Milieu herausstellen, in dem man munter "mitgemischt" hat.
"Ich war´s nicht gewesen." sagt der kleine Junge, der seinem Freund den Stein zum Fensterschmeissen gereicht hatte.
Also wenn der Bankberater das wirklich so gesagt hätte, dann hätten Sie ihn darauf festnageln können. Er haftet nämlich für seine Aussagen.
Aber wahrscheinlich hat er's etwas anders formuliert, denn der kennt sich, im Gegensatz zu Ihnen. Das ist immer wieder das Problem, dass da Leute mitspielen wollen, aber nur sehen, was man gewinnen könnte, ohne zu beachten, dass man auch verlieren kann. Und dann sind auf einmal die "bösen" Banken schuld, wenn Menschen denken, man kann im Schlaf und ohne Arbeit sein Geld vermehren.
@quality_is_a_process:
Da hast Du diesmal ja Glück gehabt - ich übrigens auch. Einmal - vor dem letzten DOTCOM-Hype - habe ich mich auch vom meinem Bank-"Berater" überreden lassen (ehrlich!) und einiges in Fonds investiert. "Garantiert" 10% Verzinsung hatte er mir versprochen, "eher mehr, in den letzten Jahren sind die Kurse immer nur gestiegen" --- mit 50% Verlust habe ich dann 3 Jahre später alles abgestossen und seitdem weis ich: lieber 5% auf Tagesgeld/Festgeld im plus als 50% in Aktien verspekuliert... ;-)
Ich bin also "geheilt" und ich hoffe, dass möglichst niemand mehr so "krank" wird wie ich es einmal war.
Klaus
bitte, bitte! Sollte nur ein Scherz sein. Die Lösung Sibirien existiert ja nach dem Zusammenbruch der UDSSR nicht mehr wirlich.
Wie sie wissen hat doch das allerbeste aller Gesellschaftssysteme gesiegt und seinen Siegeszug um den ganzen Erdball begonnen und jetzt aber vorläufig beendet.
Was die USA jetzt praktizieren ist ein sog. Sozialismus für Reiche indem die Verluste sozialisiert werden, schrecklich nicht?
Warum lädt man nicht einfach nur wirkliche Fachleute ohne politischen Hintergrund zu so einer Talkshow ein.
Soviel Pseudo-Wissen, wie an diesem Abend - ausser von Herrn Kopper - verspritzt wurde, erregt Übelkeit oder den Griff zum Ausschalter.
Frau Wagenknecht - die Ersatz- Rosa Luxemburg - hat in so einer Runde nichts zu suchen. Wer interessiert sich denn für dieses kommunistische Gewäsch, das in letzter Zeit von Lafontaines Genossen in solchen Sendungen verbreitet wird?
Teilnehmer an einer Talkshow, wenn sie Ernst genommen werden will, müssen Fachleute sein. Damit der zahlende Zuschauer auch was davon hat. Beispielweise war letzthin eine Comedy-Actrice zum gleichen Thema eingeladen. Das einzige was sie von sich gegeben hat war, dass sie von dem Thema keine Ahnung hat. Sie hat dann auch nicht mehr mitgemacht. Das ist doch Mist und vergeudete Zeit.
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