Von Kurt Kister

Eine junge "Generation Ich" fragt angesichts der Grass-Debatte: Was regt ihr euch eigentlich so auf? Eine "Generation Flakhelfer" debattiert munter weiter - und die 68er der "Generation Joschka" werden dazwischen zerrieben.

In der Welt des Journalismus, und nicht nur dort, ist seit dem vergangenen Freitag viel Erstaunliches passiert. An jenem Freitagnachmittag nämlich berichteten die Nachrichtenagenturen, dass Günter Grass der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mitgeteilt habe, er sei als 17-Jähriger Soldat der Waffen-SS gewesen. Weil das Interview in der FAZ und nirgends anders erschien und noch dazu von Frank Schirrmacher mit geführt wurde, hat es zweierlei hervorgerufen.

Grass Waffen-SS Generationenkonflikt

Immerhin wehren sich die Alten aus ihrer Sicht in erster Linie nach unten: gegen manche 68er und vor allem gegen die geschichtslosen Hedonisten der Post-68er. (© Fotos: dpa)

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Zum einen, ein Nebenkriegsschauplatz, entstand unter Kulturpolitikern und Kulturinteressierten im ganzen Land wieder einmal eine Diskussion darüber, mit wem sich FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher wohl verschworen habe - diesmal nicht mit Stefan Aust oder Mathias Döpfner, aber zumindest doch mit Ulrich Wickert, auf jeden Fall dem Steidl-Verlag und vermutlich dem alten Panzerschützen selbst. Das Muster ist bekannt: Wann immer Schirrmacher etwas Öffentlichkeitswirksames tut, was der Rest nicht getan hat, liegt das an einer Verschwörung und natürlich an Schirrmachers Eitelkeit. Das glaubt man in vielen Feuilletons und auch in etlichen Büros der FAZ.

Auf dem Hauptkriegsschauplatz aber tobt die Schlacht um den Großdichter selbst. Es besteht mittlerweile weitgehend Einigkeit darüber, dass es rational nicht zu verstehen ist, warum Grass bisher über seine Zeit als SS-Mann nicht geredet hat, wo er doch seit Jahrzehnten so viel spricht, gerade über jene Zeit, an deren Ende er zur Division Frundsberg kam. Es werden psychologische Erklärungen angeführt (Scham, Verdrängung etc.), aber auch historische oder sozialgeschichtliche Schwurbeleien. Grass selbst sagt dazu neben anderem, dass er all die Jahre nicht die angemessene Form gefunden habe, um über seine Jugend bei der Waffen-SS zu schreiben. Nun sei ihm dies aber in der Autobiografie doch gelungen. Ah ja, wie erstaunlich, dass ausgerechnet Günter Grass so lange brauchte, um die Autobiografie als die geeignete Form der Mitteilung von Selbsterlebtem zu identifizieren.

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