Die CDs der Woche - Popkolumne Göttlicher Kaugummi-Pop

Lily Allen

(Foto: Warner Music)

Auch mit "Sheezus" bleibt Lily Allen luftig-leicht und kreiiert eine Hommage an Kanye West und den Herrn höchstpersönlich. Das ist klug, lustig - und sogar selbstironisch. Die Popkolumne - zum Lesen und Hören.

Von Jens-Christian Rabe

Ein fabelhaftes, Augen, Ohren und Herzen öffnendes Album der Woche drängt sich leider nicht auf. Mindestens den Titel des Monats hat aber natürlich das am Freitag erscheinende neue Album der britischen Sängerin Lily Allen: "Sheezus" (Warner). Ein freundlicher britischer Gruß an den Größenwahnsinnigen amerikanischen Rapper Kanye "Yeezus" West. Und an den Herrn und all seine männlichen Stellvertreter und Helfershelfer auf Erden selbstverständlich ebenso.

Und überhaupt wäre die Welt womöglich ein kleines bisschen besser, wenn sie mehr so kluge, lustige, selbstironische Bubblegum-Pop-Königinnen hervorgebracht hätte wie Lily Allen. So viel steht fest. Ansonsten zündet auf dem musikalisch doch etwas zu leicht geratenen "Sheezus" eigentlich nur die erste Single "Hard Out Here", das dann aber dafür auch gleich im Text sehr schön: "Sometimes it's hard to find the words to say / I'll go ahead and say them anyway / Forget your balls and grow a pair of tits / It's hard, it's hard, it's hard out there for a bitch".

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Umgekehrt - ein Album erfüllte Erwartungen, die man gar nicht gehabt hatte - erging es einem am Wochenende beim Geburtstagsfestival des Zündfunks in den Studios des Bayrischen Rundfunks in München. Der in Wien lebende britische Sänger und Produzent Sohn trat dort mit seinem Debütalbum "Tremors" auf. Und was zu Hause noch wie arg polierte schleppende elektronische Popmusik mit etwas allzu wehleidigem Soul-Gesang klang, war im Konzert plötzlich ein wirklich eindrucksvolles, säkular-sakrales Erlebnis. Der aktuelle Hype um Künstler und Album geht doch völlig in Ordnung.

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Gestorben ist am vergangenen Samstag der 34-jährige amerikanische DJ und Produzent Rashad Hanif Harden alias DJ Rashad, vermutlich an einer Überdosis Drogen. In den Nachrufen wurde allseits so getan, als sei die hektisch-eklektische elektronische Tanz-Musik, zu deren Pionieren er gehörte (sie trägt den Namen Chicago Footwork) ein im allgemeinen Popwissen so eingeführtes Genre wie Rock oder Blues. Tatsächlich ist Chicago Footwork der selten gewordene Fall einer Musik, bei der selbst die abgebrühtesten Kenner zugeben, kaum noch dabei zu sein, sie zu verstehen. Vielleicht kann man sie auch wirklich nur begreifen, wenn man dazu schwindelerregend schnell Beine und Füße bewegt, wie es - auf Youtube kann man das bewundern - die Tanzwütigen in Chicago tun.