Die CDs der Woche - Popkolumne Toy

Das zweite Album von Toy ist ein Geräuschexzess.

Und gleich noch einmal das Gefühl, man würde in der Zeit zurückreisen, auch in die 70er Jahre, aber in eine ganz andere Richtung, nach Köln, in das Studio der Krautrocker Can. Danach noch weiter zurück zu den frühen Pink Floyd. Eine Reise, bei der einem der Rückspiegel immer zeigt, wo man gerade herkommt: aus einer Gegenwart, die auch Punk und New Wave und Shoegazer-Pop schon kennt.

Toy sind ein Quintett aus Brighton, "Join The Dots" (Pias) ist ihr zweites Album, und wie schon beim ersten entsteht der Eindruck, die Songs dienten der Band nur als Vorwand, um nach dem zweiten Refrain abbiegen zu können in einen Lavastrom aus Rückkopplungen, Hall-Experimenten, Geräuschexzessen und aufregendem Lärm. Gute Gelegenheit, das verstaubte Wort "psychedelisch" wieder rauszukramen.

Was Toy machen, ist der beherzte Gegenentwurf zu Designer-Pop und Casting-Show: Hier wird gerade mal das Allernötigste festgelegt, danach kommt nur offenes Gelände. Besonders auffällig im Titelsong "Join The Dots": Erst verhaltener Gesang und vertraute Akkorde, im Probenraum vermutlich Kerzenlicht und Syd Barett-Poster, dann bricht alles auf, donnert, fließt, dröhnt, schäumt. Kein Wunder übrigens, dass die Band ihr Album mit "Conductor" eröffnet, dem besten Stück: ein Instrumental, ein Lärmbad für sieben Minuten und acht Sekunden, das ganz ohne Songstruktur auskommt. Manche Menschen nennen so etwas Kiffermusik, aber das ist Unsinn, die Musik ist Rausch genug.

Wenn Sie diese Songs nicht hören können, melden Sie sich bitte bei Spotify an.