Die CDs der Woche - Popkolumne Stromae

Das Album "Racine Carrée" von Stromae weist zwar einige interssante Ecken auf. Daran erinnern wird man sich trotzdem nicht.

(Foto: Universal)

Nichts auf der Welt ist abgestandener als ein uralter Spätsommerhit. Erst recht, wenn man vom dem Interpreten nie wieder etwas gehört hat - was an sich ja kein schlechtes Pop-Prinzip wäre, aber der Sehnsucht nach Kontinuität und Narration zu widersprechen scheint. Weshalb eine Jugendradiowelle dafür mal den Begriff One-Hit-Wonder erfand.

Bislang fiel Stromae, der heute 28-jährige belgisch-ruandische Sänger, bürgerlich Paul Van Haver, in diese Kategorie. Im September 2009 war er mit "Alors On Danse" in halb Europa auf Platz eins der Charts gestanden, einer Art Techno-Tango mit nervenzerfetzend tutendem Saxofon. Der sommerliche Fatalismus des Stücks war allerdings hochwillkommen, und nur deshalb hören wir nun ins Comebackalbum von Stromae hinein, das vier Jahre später mehr überrascht als sein damaliges Verschwinden. "Racine Carrée" (Universal), auf Deutsch "Quadratwurzel", will mit Multiplexdisco-Beats und Ibiza-Fanfaren um jeden Preis eine Partyplatte sein.

Der Protagonist hat offenbar mehr zu sagen, obwohl schwer zu beurteilen ist, wie ernst es ihm mit seinen Themen ist, mit Vätermangel, Rassismus, Illuminaten. Dass die Produktion teilweise um interessante Ecken biegt, in Richtung Dubstep, Salsa und Baile Funk, macht das Album zu einem der erfreulicheren Produkte, die die zentrale Urlaubshit-Versorgung diesen Sommer ausgespuckt hat. Merken wird man sich ihn auch dieses Mal nicht.

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