Sie tauchen nicht in der Arbeitslosenstatistik auf, haben aber trotzdem nichts Sinnvolles zu tun: ein ARD-Film über das lukrative Geschäft mit der Arbeitslosigkeit.
Es war ein Rekord. In nur zehn Tagen hat jemand bei der Dekra-Fortbildungsfirma Toys Company ein gespendetes Puzzle gelegt, um zu überprüfen, ob alle 5000 Teile vorhanden sind. Am Ende waren es nur 4997 Teile, das Puzzle also eine ungeeignete Spende, aber der Ein-Euro-Jobber hatte immerhin zu tun.
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Hartz IV, das heißt auch: Hauptsache beschäftigt. Für Ein-Euro-Jobber bekommen private Bildungsträger bis zu 800 Euro im Monat. Ob die Arbeit, wie hier in der Spielzeugreparatur, einen Sinn ergibt, ist eine andere Frage. (© Foto: WDR)
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Man wolle die Menschen wieder daran gewöhnen, einen geregelten Alltag zu bewältigen, sagt die Dekra. "Jeden Tag aufzustehen und sein Ding zu machen", formuliert eine Anleiterin das Ziel, für das man notfalls auch mal zehn Tage lang ein Puzzle legen darf.
Belohnung fürs Stillhalten
"Im Grunde genommen ist das pillepalle", sagt einer, der bei der Toys Company beschäftigt wurde und berichtet von Arbeiten, die man in zehn Tagen erledigt, die aber eigentlich zwei Tage bräuchten. Einer, der seinen Kurs durchgestanden hat, hört von seiner Sachbearbeiterin bei der Arbeitsagentur, dass er nun so weit sei, einen Bildungsgutschein für einen Umschulungskurs zu erhalten. Wie eine Belohnung fürs Stillhalten wirkt das.
Es sind bedrückende Beispiele, die Eva Müller für ihre Reportage mit dem nicht sehr präzisen Titel "Die Armutsindustrie" zusammengetragen hat. Beispiele, die zeigen, wo jene geblieben sind, die nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, die aber trotzdem nichts Sinnvolles zu tun haben.
Sinnlos Beschäftigte
Tief ist die Autorin eingetaucht in diese zweite Arbeitswelt. Sie hat mit sinnlos Beschäftigten gesprochen, mit Vertretern der Fortbildungseinrichtungen, sie war bei Beratungsgesprächen in der Arbeitsagentur dabei und hat einen Firmenchef gefragt, ob das denn in Ordnung ist, wenn etwa mit öffentlichen Geldern der Bau eines Trampolins subventioniert wird.
Der Chef bleibt die Antwort schuldig und wirkt in dieser Szene sogar ein bisschen verlegen. Es ist ein schöner Moment in der halbstündigen Reportage, weil für einen Augenblick eine gut geölte Beschäftigungsmaschine ins Stocken kommt, weil es plötzlich gar nicht mehr selbstverständlich erscheint, dass Ein-Euro-Jobber Arbeiten erledigen, die auch Vollzeitangestellte hinbekämen - wenn man sie denn ließe.
Das Elend der Bittsteller
Immer wieder stellt die Autorin die ganz einfache Frage nach der Gemeinnützigkeit der Beschäftigungsmaßnahmen, und immer wieder geraten die Antworten so verwaschen, dass man sich schnell einen Reim darauf machen kann. Es sind journalistische Grundtugenden, die Müller pflegt, und sie und die Zuschauer werden dafür mit jeder Menge Erkenntnis belohnt. Es wird nämlich ganz offensichtlich gut verdient am Elend jener, die keinen Job haben und unbedingt einen brauchen.
Ein Firmenchef sagt offen, dass er auch zwei, drei Leute fest anstellen könnte, dass er sich aber lieber Praktikanten schicken lässt. Ein Kraftfahrer, der seit 1982 auf dem Lkw Dienst tat, musste beispielsweise als Praktikant stundenlang Kartons packen und bekam doch immer wieder Ablehungen auf seine Bewerbungen. So einen alten Mann würde man nicht einstellen, hieß es unter der Hand. Auch von Firmen, deren Angebote ihn kurz danach über die Arbeitsagentur ereichten. Weil es da Zuschüsse gibt. Zu einer solchen Firma soll der Kraftfahrer nun hin und sich ein Jahr bewähren. "Zwölf Monate rum, dann werde ich wieder entlassen", sagt er.
Wenn die Arbeiten sinnlos seien, müssten sich die Arbeitslosen eben beschweren, sagt einmal eine Sachbearbeiterin der Arbeitsagentur. In den Ohren der Betroffenen klingt das wie Hohn. So etwas bringe nichts, sagen sie. Sie seien doch nur Bittsteller. Sie funktioniert also bestens, diese Industrie, die aus dem Mangel an Arbeit ein höchst lukratives Geschäft macht. HANS HOFF
ARD exclusiv - Die Armutsindustrie, ARD, 15. Juli, 21.45 Uhr.
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(SZ vom 14.7.2009/rus)
Staatsbesuch in Israel
Es wurden zum Teil wichtige Informationen einfach weggelassen. Zum Beispiel, dass bei dem sogenannten 2-jährigen Beschäftigungszuschuss, die Menschen für die die Maßnahme vorgesehen ist, mindestens 2 schwere Vermittlungshemmnisse haben müssen und eine negative Vermittlungsprognose von mindestens 2 Jahren.
Auch beim 1,-Euro-Job sollte man bedenken, dass viele Hartz IV-Empfänger dankbar für die 100-150 Euro mehr im Monat sind. Das ist Geld das sie gebrauchen können.
Zwar mag die Sinnhaftigkeit mancher Arbeiten in Frage gestellt werden, aber dennoch gibt es Menschen, die erstmal Tagestruktur brauchen, regelmäßig zur Arbeit zu kommen, Kontakt mit anderen Menschen haben. Auch das sind wichtige Faktoren. Und was ist so schlimm an einem Kurs wie man sich richtig ernährt oder Kleinkinder-Ersthilfe? Klar hat dies nichts primär mit dem Arbeitsmarkt zu tun, aber oft gehört auch Organisation des Alltags zu einer sinnvollen Maßnahme. Und hierbei handelt es sich ja um Kurse die auch arbeitende Menschen gebrauchen könnten.
Zu dem jungen Mann der die Zeitung macht. Hier wurde zu wenig über die Vorgeschichte erzählt. Er hat eine Ausbildung abgebrochen. Ist doch klar, dass die Arbeitsvermittlerin bevor sie ihm eine teure Umschulung zahlt erst mal sehen will, ob er 6 Monate in einem 1,-Euro-Job durchhält.
Bei dem LKW-Fahrer wurde nur einmal kurz erwähnt, dass er nicht schreiben kann. Hallo? Wäre ich Arbeitgeber, wäre mir das schon wichtig. Der Mann soll LKW fahren, Schilder lesen ggf. Formulara ausfüllen etc.
Ebenfalls war falsch, dass die Maßnahmenkostenpauschale 500 Euro betragen würde. Es sind nur 250 Euro und davon wird noch das Fahrgeld abgezogen, welches die TeilnehmerInnen bekommen.
Ich sehe ein, dass Trampolin bauen nicht gemeinnützig ist. Vergessen wird aber, dass Sozialunternehmen durch die niedrigen Zuschüsse, gezwungen sind auch gewerblich Geld zu erwirtschaften um überhaupt zu überleben.
Und viele Menschen brauchen die Beschäftigung zumal nebenbei sich SozialarbeiterInnen auch noch um psychosoziale Stabilität bemühen und den Leuten bei allen möglichen Problemen mit Rat und Tat zu Seite stehen. Dieser Job ist sicher nicht immer einfach.
Auch das Problem mit den haushaltsnahen Dienstleistungen. Selbstverständlich sollte das nicht durch eine Rechtsanwältin und eine Stadträtin angenommen werden. Gedacht sind solche Projekt um alten Menschen ohne Geld zur Hand zu gehen. Ich sehe aber ein, dass es schwierig ist dies zu kontrollieren.
... ein bisserl arg schwarz ! Halten wir doch als Axiom fest : Die Zukunft ist offen !
die Reportage war sehr gut und ist m.E. mit der Reportage von Sven Kuntze über die Ehrenämter gleichzusetzen. Beide mehr als Grimme-Preis würdig.
Erstaunen darf die Tatsache,dass solche Reportagen mittlerweile vor 23:00 Uhr und überhaupt ausgestrahlt werden dürfen, zumindset nicht in den drritten Programmen.
... mir diese angesehen . Und kann mir nicht vorstellen , dass sie einen Nicht-Betroffenen unbedrückt zurücklassen konnte .
Solche thematisch und in ihrer Qualität herausragenden Sendungen stärken das Daseinsrecht des öffentlich-rechtlichen TV und Rundfunks . Schade nur , dass sie in der Hauptferienzeit und (logo...) auch nicht zur Hauptsendezeit lief . Sie wäre es wert , noch mehrmals wiederholt zu werden !
Was einem dabei ua konkret klarer werden konnte , ist die tiefe offizielle politische Verlogenheit über diesen Teil unserer bundesdeutschen Realität (... vielleicht eine Form psychischer Notwehr : der homo politicus , der Citoyen schämt sich , zu Recht ).
A propos . Der im Artikel erwähnte Kraftfahrer , "der alte Mann , den man sonst nicht einstellen würde" , war 51 Jahre alt ...
"Der Staat muss den Menschen sagen: Wir tun alles, damit ihr euch auf eure Lebensleistung und auf eure Leistungsbereitschaft verlassen könnt. Wenn ihr leistungsbereit seid, kriegt ihr eine Chance. Wenn ihr ein Leben lang geleistet habt, bekommt ihr Anerkennung. ..."
Die CDU-Chancengesellschaft , verankert in ihrem Parteiprogramm . Das Leben - ein Lotto-Spiel ! Und dabei gibt es eben viele viele Verlierer . Pech gehabt , liebe 1-Euro-Jobber ! Oder wart ihr vielleicht nicht "leistungsbereit" genug ? Aber nicht verzagen ! Es gibt auch Millionen , die gar keinen Job haben . Alles therapieresistente Leistungsunwillige !
Ob ich noch mal die Zeit erleben werde , wo sich solche Röttgens nicht mehr trauen , solche Schwurbel-Sprüche abzulassen ?!?
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