Der Stasi-Film "Das Leben der Anderen" ist als "bester nicht-englischsprachiger Film nominiert und Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck möchte die Trophäe "für Deutschland gewinnen".
Der Filmemacher sieht es ganz sportlich: Für Florian Henckel von Donnersmarck wäre ein Oscar - in der Kategorie "bester nicht-englischsprachigen Film" - für "Das Leben der Anderen" wie ein Sieg in einem Endspiel. "Der Regisseur bekommt ihn verliehen, aber er bekommt ihn für das Land. Mit dieser Statue wäre es also wie mit der olympischen Goldmedaille ... ich würde sie für Deutschland gewinnen!"
Ulrich Mühe und Martina Gedeck spielen die Hauptrollen in "Das Leben der Anderen" (© Foto: ddp)
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Sie kommt wohl nicht ganz unerwartet, diese Nominierung unter den fünf Endrundenteilnehmern. Souverän hatte "Das Leben der Anderen" im Vorjahr bei den nationalen Entscheidungen abgeräumt - vom Bayerischen bis zum Deutschen Filmpreis.
Viele Jahre hat Henckel von Donnersmarck an seinem Film gearbeitet, an Drehbuch und Farbdramaturgie, millimetergenau hat er seine Einstellungen aufgebaut, subtil seine Schauspieler geführt - eine Perfektion, die man in Hollywood, in der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, sehr zu schätzen weiß.
Und vielleicht schafft das Stasi-Melodram, was den beiden Nazi-Historienstücken "Der Untergang" und "Sophie Scholl" versagt blieb, die in den Jahren zuvor nominiert waren. Stärkster Konkurrent ist diesmal "Pans Labyrinth" von Guillermo del Toros, eine Politparabel vom Spanischen Bürgerkrieg, der in den USA extrem erfolgreich ist.
Wenig Überraschungen
Ansonsten gab es wenig Überraschungen, als am Dienstag zur frühen Morgenstunde, um 5.38 Uhr, in Los Angeles Academy-Präsident Sid Ganis und Salma Hayek die Liste der Nominierten vortrugen.
In die Endrunde um den besten Film kamen "Babel" von Alejandro González Iñárritu (der eben den Golden Globe als bester dramatischer Film gewonnen hat), Martin Scorseses "The Departed", Clint Eastwoods "Letters From Iwo Jima", Stephen Frears' "The Queen" und "Little Miss Sunshine" von Jonathan Dayton und Valerie Faris - ein absurdes Roadmovie, das für Lässigkeit sorgt im grimmig-dramatischen Fünfer-Feld.
Auf einen Favoriten wollen die Analytiker sich dieses Jahr nicht festlegen - allerdings hat "Babel" sich vor ein paar Tagen bei den Golden Globes prächtig bewährt, die oft die Richtung für die Oscar-Entscheidungen angaben. Ungewöhnlich war, dass das Musical "Dreamgirls" zwar die meisten Nominierungen erhielt, acht insgesamt, aber nicht die für den besten Film.
Scorsese gegen Eastwood
Bei den Regisseuren gibt es die erwartete Neuauflage des Altmeister-Duells Martin Scorsese gegen Clint Eastwood, zu denen sich Stephen Frears und Alejandro González Iñárritu gesellen und Paul Greengrass mit seinem 9/11-Thriller "Flug 93". Allenfalls Scorsese mag da ein paar Punkte Vorsprung haben, weil er sich bereits zum sechsten Mal bewirbt.
Bei den Akteuren sind die Voraussagen dagegen eindeutig. Helen Mirren dominiert als "Queen" und wird wohl Penélope Cruz, in "Volver", und Meryl Streep, in "Der Teufel trägt Prada", schlagen.
Auch Forest Whitaker, der den Idi Amin gibt in "The Last King of Scotland", hat allerbeste Aussichten - gegen Leonardo DiCaprio in "Blood Diamond", Will Smith in "The Pursuit of Happyness" und Peter O'Toole in "Venus". Auch O'Toole hatte es schon mehrmals versucht und war vor drei Jahren mit einem Ehren-Oscar bedacht worden. Den er beinahe abgelehnt hätte - weil ein Ehren-Oscar als sicheres Zeichen gilt, dass man es aus eigener Kraft nicht mehr schaffen wird.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
(SZ vom 24.1.2007)
Die Tatsache, dass "Dreamgirls" NICHT als Film und NICHT für die Regie nominiert worden ist, ist nicht bloß "ungewöhnlich", sondern eine handfeste Sensation (und obendrein sehr löblich). Und selbst auf den wenigen Zeilen wäre es möglich und notwendig, darauf einzugehen, wie ungewöhnlich es ist, dass in "Letters from Iwo Jima" eine nicht-englischsprachige Produktion für den besten Film nominiert wurde - das ist in der fast 60-jährigen Oscar-Geschichte nämlich nicht einmal zehnmal passiert. Es gäbe noch einige andere Überraschungen (die Nicht-Nominierung von "Volver" bei den fremdsprachigen Werken, die Nicht-Nominierung von Beyoncé Knowles sowie von den Regisseuren von "Little Miss Sunshine"), aber lassen wir das und freuen uns stattdessen für Martin Scorsese und über die Nominierung von "Das Leben der Anderen".