Von Von Christopher Keil

Es war vielleicht kein sehr gutes Filmjahr - aber immerhin spielte Preisträger Udo Jürgens groß auf.

Am Samstag saß im Kölner Coloneum ein in der TV-Branche vermutlich wichtiger Mann mit viel Erfahrung und noch mehr Einfluss und wurde gefragt, woran ihn das Gold funkelnde Bühnenbild erinnere. Der Mann sagte: An das vergangene Jahr. Mehr sagte er nicht.

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Brachte ein wenig Glanz ins Coloneum: Ehrenpreisträger Udo Jürgens. (© Foto: ddp)

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Man hätte daraus ableiten dürfen, dass einen nichts Neues erwartet beim sechsten Deutschen Fernsehpreis. Es war ja klar, dass die Jury Entscheidungen traf, die manchen glücklich machen würde und manche nicht. Zehn berufene Männer und Frauen haben 1200 Programmstunden gesichtet; es gab angeblich 1000 Vorschläge für 27 Kategorien. Und wenn einer gewinnt, verlieren zwei andere. Was macht eine Jury nun? Sie macht es nie allen recht.

Diese Jury hat es unter Leitung von Focus-Chef Helmut Markwort allerdings geschafft, fast alle zufrieden zu stellen. Bester Film wurde Stauffenberg (ARD), bester Regisseur wurde Dominik Graf für Kalter Frühling (ZDF), der nichts mit Stauffenberg zu tun hatte. Beste Darstellerin wurde Martina Gedeck (Hunger auf Leben/ARD), die auch nichts mit Stauffenberg zu tun hatte und bester Kameramann Holly Fink (Leben wäre schön/ARD).

Der Kameramann von Stauffenberg war überhaupt nicht nominiert, und bester Darsteller wurde Ulrich Tukur, der zwar in Stauffenberg eine Nebenrolle spielte, aber in einer Tatort-Folge ("Das Böse") besser war. Jürgen Hentsch wurde bester Nebendarsteller (Im Schatten der Macht/ARD). Mit acht Preisen war die ARD am erfolgreichsten.

Man ist so eindrucksvoll an die Vielfalt der Produktionen erinnert worden. Und daran, dass eine US-Jury sicher konsequenter geurteilt hätte, weil ein bester Film des Jahres mehr sein muss als die beste Filmschnittmenge des Jahres. Andererseits könnte die Wahl verraten, dass es seit Oktober 2003 keinen herausragenden deutschen Fernsehfilm gegeben hat, der es verdiente, in mehr als einer Kategorie zu siegen. Es ist vielleicht kein gutes fiktionales Fernsehjahr gewesen - was der Jury nicht anzulasten ist.

Ein konzentriert-witziger Gottschalk

Glücklich unter diesen Umständen war, dass das ZDF die am Sonntagabend gesendete Gala ausrichtete und den Hausstar Thomas Gottschalk zur Präsentation zwangsverpflichtete. Ein Moderator hat ja nicht viele Möglichkeiten, so eine Veranstaltung, die drei Stunden dauert, zu beeinflussen: Er kündigt Laudatoren an, verabschiedet Gewinner, was innere Gelassenheit erfordert. Und er muss das Publikum bei Laune halten. Gottschalk war bemerkenswert konzentriert, witzig, aber nicht anzüglich. Dass er nicht im Mittelpunkt stand, war ihm offensichtlich auch klar.

So verging die Zeit zwar nicht im Fluge, aber sie verging. Es traten Frauen wie Alice Schwarzer auf, die den Sieg von Maybrit Illner (Berlin Mitte im ZDF wurde beste Informationssendung) als Sieg für alle Emmas wertete. Beste TV-Serie wurde Abschnitt 40, die Marc Conrad für RTL produziert hat, jenen Sender, dessen Geschäftsführung er am 1. November übernimmt.

Beste Unterhaltung schließlich verschaffte in den Augen der Jury Genial daneben (Sat 1) mit Hugo Egon Balder und als Comedy war Dittsche: Das wirklich wahre Leben (WDR) preiswürdig. Im Sport siegte Carsten Sostmeier (ARD), weil er so schön über Dressurreiten sprechen kann. "Reden ist Silber", sprach er, "Reiten ist Gold."

Schließlich kam Joachim Fuchsberger. Und erzählte eine Geschichte, die viel mit ihm und dazu mit Udo Jürgens zu tun hatte. Im Wesentlichen ging es darum, dass Udo Jürgens in Pantoffeln bei Fuchsberger Klavier spielte und zur Melodie einen Text suchte. Nebenbei sollte Fuchsberger erklären, warum Udo Jürgens mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet wurde. Er redete lange, und als er wieder schwieg, sagte Thomas Gottschalk: "Ich hatte Angst, Udo Jürgens wird 71, bevor er den Preis kriegt." Merci Cherie.

Dann sang Udo Jürgens, der gerade 70 geworden ist, live ein für diesen Kölner Abend aufbereitetes Lied: Was wirklich wichtig ist, seid Ihr. Großer Applaus. Dass Udo Jürgens auftritt, ist, wie man lernen durfte, ein großer Wert im deutschen Fernsehen.

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(SZ vom 11.10.2004)