Die Dänen wollen Elvis Presleys Haus nachbauen - dabei passen manche Dinge einfach nicht zueinander: Zum Beispiel Guido Westerwelle und das Vizekanzleramt.
In Dänemark, so war dieser Tage zu lesen, baut einer Graceland nach. Graceland ist die Villa von Elvis Presley, die in Memphis liegt, was jeder anständige Mensch schon allein deswegen weiß, weil er Paul Simons Song "Graceland" kennt.( Wenn hier von Paul Simon die Rede ist: Nicht jeder hat einen Computer. Aber jeder, der einen Computer hat, sollte sich das nun auch schon wieder ziemlich alte Video anschauen, in dem Paul Simon und Chevy Chase gemeinsam "You can call me Al" vortragen. Es ist ernsthaft gebenedeit unter den Musik-Videos.)
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Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Aber viele Lebensformen wollen einfach nicht zu bestimmten Aufgaben passen: Etwa Dänemark und der Graceland-Nachbau, Brüderle und das Wirtschaftsministerium oder die Linkspartei und die Vernunft. (© ag.dpa)
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Graceland jedenfalls gehört nicht nach Dänemark. Dänen sind weißblonde Menschen, die auch Belgier sein könnten, wenn sie nicht ganz so weit nördlich lebten. Der sonderbare Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, von dem man eigentlich nur weiß, dass er nicht Heide Simonis heißt, könnte auch Däne sein. Graceland wiederum ist eine hausgewordene Monstrosität mit etlichen Säulen, rosafarbenen Cadillacs sowie dem Privatflugzeug von Elvis Presley.
Im zugehörigen Shop gibt es fast alles, was man von Elvis nicht haben möchte. (Der Autor dieser Zeilen hat dort einmal ein Weißbierglas mit Graceland-Aufdruck erstanden.) Das ganze Ensemble jedenfalls, in dem auch noch das Grab des Meisters liegt, ist so bizarr, dass es nur in den USA sein kann, und selbst dort nur im Süden, wo Menschen wohnen, die in Europa sicher keine Dänen wären, sondern vielleicht in Albanien siedelnde Salzburger Intellektuelle oder ähnliche Widersprüche in sich.
Das überzeitlich Erstaunliche am dänischen Graceland ist ja auch, dass es immer wieder Leute gibt, die unbedingt etwas haben oder tun wollen, für das sie nun gar nicht geschaffen sind. Guido Westerwelle als Vizekanzler gehört ebenso zu diesen walking contradictions - so nennt das Kris Kristofferson in einem Song - wie etwa auch Mario Gomez als Erfolgsstürmer oder Oliver Kahn als Spontankommentator.
Gewiss doch, man wächst an seinen Aufgaben. Das sagt auch Angela Merkel gerne. Aber es gibt nun auch viele Lebensformen, die einfach nicht zu manchen Aufgaben passen wollen. Wenn man beispielsweise einen Wels mit dem Pflücken von Oliven betraut, dann wird das nichts werden. Ähnlich ist es mit Brüderle und dem Wirtschaftsministerium oder auch mit der Linkspartei und der Vernunft. Man weiß, dass das nicht geht, und trotzdem versuchen sie es immer wieder.
Der Mensch irrt, solange er strebt. Strebte er aber nicht, gewönne das genuin Welsische in ihm die Oberhand. Man kann ein starker, vier Meter langer Wels sein und dennoch nach Oliven gieren. So ist das mit den Dänen und Graceland.
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(SZ vom 19.06.2010)
Moderne Verwaltung
Dänen lügen nicht - aber sie können monströs irren, so daß diesseits von Westergaard und jenseits von Jütland sich die besorgte Frage nach der richtigen Betriebstemperatur des Großhirns von Arne-Elvisen-Fans stellt. To what issue will this come? Something is rotten in the state of Denmark (Hamlet). Dem Amtmann Pogvis von Tynne haben die Nachbarn auf Sylt die Grütze gewärmt, indem sie ihn kopfüber in einen kochenden Grünkohltopf steckten (Liliencron, Pidder Lüng) - "shot at redemption" auf nordfriesisch. Für isarkatholische Autoren, die den bekennenden Ober-Pharisäer ("And Heide, you can call me Al") Peter Harry "sonderbar" nennen, wird auf Noordströön der Kessel in der Kirche vorgeheizt, zum Mitsingen "He sees angels in the architecture spinning in infinity") - draußen vor der Tür schwappt die unstete Westerwelle, steil mit Kamm. Ansonsten sind friesische Freiheitskämpfer harmlos - sie erfinden "Robby-Tobby-Fliewatüt" (Boy Lornsen), warten geduldig auf Kieler PISAner (A. Schleicher), um ihnen heimzuleuchten: Von wegen schlechte Englisch-Kenntnisse! Sylter Krabbenfischer und Farmer aus Kent verstehen sich platterdings. Selbst die spätwikingische Segelohrrobbe Wayne Rooney bräuchte auf Föhr keine BBC-Untertexte.
Not Lego-pc ist es, den auf Miniaturskurrilitäten versessenen Dänen mit einem alten Schweden wie Kris Kristofferson zu kommen: "Jesus was a Capricorn". Religionsstifter und "Hound dog" vilks nicht zusammenpassen. Als ob wandelnde Widersprüche nicht immer "partly truth and partly fiction" wären! Was die Vernunft der Linken angeht, sollten wir auf alttestamentliche Adynata hoffen (Jesaja 65,25): "Der Löwe wird Stroh fressen wie ein Rind, und die Schlange wird Erde essen". Aber noch fremdeln die ja auf ihrem Kreuzzug gegen jeden, der Gregor und Sahra nicht für Heilige hält.
"Don't you step on my Blue Suede Shoes" - in Landsberg/Lech haben Bayern im Wildschweinwams zu Tillys Zeiten ("Days of miracle and wonder") auch schwedische Landsknechte am Spieß gedreht, ganz ohne Cash. "Muß i denn, muß i denn ..." - weg von Memphis? Der "Städtele"-Elvis kam rüber wie "Fat Charlie the Archangel". "All shook up": Meine erste Elvis-45er, lange vor Graceland - "A pilgrim and a preacher"? Näää. "3000 Miles to Graceland"? Sofort 5x Goldene Himbeere. Anzüglich finde ich aber seit 66 "The Addams Family", gerade jetzt zur WM: Mario als naiver Gomez Alonzo, Kahn der scheue Uncle Fester (oder doch Lurch!) - das walte Morticia KMH.
... wird in diesem Fall leider Ko-Chefredakteur einer sich selbst "seriös" nennenden Zeitung. Ein Halbgockel sozusagen ...
Die Linke und die Vernunft - haha.
Aber wer im Graceland-Shop ein Weißbierglas kauft...