Alle sind im Urlaub, auf elektronische Post antworten nur noch die Abwesenheitsagenten. Und bei manchem Chef wünschte man sich, er bliebe für immer verschwunden.
Während anderswo im Land das Arbeitsleben schon wieder begonnen hat, tobt im Südwesten der Republik immer noch der Sommer. Die Straßen sind relativ unbevölkert, die Menschen weilen auf Kreta oder im Kleinwalsertal. Im Büro sind viele der Fleißigen fort, die Faulpelze sowieso, und selbst von den Unerträglichen, die man elektronisch anschreibt, bekommt man eine Abwesenheitsnotiz: "Ich bin verreist und lese die Mails erst nach meiner Rückkehr."
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Manche Chefs traktieren ihren Blackberry am Strand, manche haben einen jungen Betriebswirt zu Hause, der ihre Mails beantwortet. Alle denken, die Firma leide unter ihrer Abwesenheit. (© dpa)
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Zunächst denkt man sich da, es wäre schön, er bliebe auf immer verreist. Man würde die Geldanweisung, die Personalanforderung und was es dergleichen diabolischen Zettelwerks mehr gibt, einfach selbst unterschreiben, einmal da, einmal dort. Angefordert und genehmigt von einem selbst, jenem Menschen, dem man am meisten vertraut. Was braucht man noch einen weiteren sumpfköpfigen Übertarifler, der zwar wenig versteht, aber viel zu sagen hat.
Das Kreuz mit den Chefs besteht auch darin, dass sie Entscheidungen für viel wichtiger halten als Fragen oder gar Verständnis. Und je länger einer Chef ist, gar als Chef, zum Beispiel als Erbe, geboren wurde, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er nur noch Fragen stellt wie: "Was kostet das?", "Kann man das mit weniger Leuten machen?" oder "Wollen Sie das blockieren?". Auf Antworten mag er eigentlich nicht warten, weil er die meistens schon zu kennen glaubt. "Was kostet das?" heißt zum Beispiel "das ist zu teuer." Wenn einer etwas anders antwortet, dann wird ihm der Chef schnell nachweisen, dass und warum es zu teuer ist.
Solche Chefs stellen allerdings ihren Abwesenheitsagenten gar nicht erst ein. Der Abwesenheitsagent sorgt im Mailprogramm für die Versendung des Ichbinnichtda. Es ist schade, dass man nicht hauptberuflich Abwesenheitsagent sein kann, zum Beispiel beim BND.) Wenn ein Nichtfragechef verreist, dann leitet er seine Mails entweder auf ein mobiles Brummtier weiter, das er am Strand mit einem spitzen Griffel traktiert. Oder er lässt einen Anwesenheitsagenten im Büro zurück, einen jungen Betriebswirt, der sich der Mails annimmt. Die Antwortenkennchefs halten sich zumeist für so wichtig, dass sie glauben, wenn sie nicht erreichbar seien, leide die Firma. Nein, die Firma leidet, wenn sie am besten erreichbar, weil anwesend sind.
Es gibt diverse Staaten, die aus eher verwerflichen Gründen gerade den Mailempfang mobiler Brummtiere, etwa der Blackberrys, behindern. Nun sind Zensoren fast immer doof. Andererseits weiß schon der Volksmund, dass Narren und Kinder die Wahrheit sprechen, was auch bedeuten mag, dass Zensoren aus Versehen sogar Gutes tun können. Wenn zum Beispiel der sumpfköpfige Entscheider in den Emiraten Urlaub macht, kann er keine Mails empfangen. Und seinen Abwesenheitsagenten hat er nicht eingestellt. Fast könnte man glauben, er sei einfach verschwunden.
Er will kein Anführer sein, gilt aber als solcher: David Graeber über Schulden, die USA und die Gründe für den Erfolg der Occupy-Bewegung. Feuilleton. Jetzt lesen ...
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(SZ am Wochenende vom 28.8.2010/kar)
Chefs benehmen sich in praxi wie die Heiligen Drei Könige: Sie packen ihre Lasten den Eseln auf und gehen auf Reisen (nicht nur der unselige Guido) - leider nicht ins Packeis. Von dort käme frohe Kunde Knut: Bin in Grönland, bleibe vereist(!). Nachrichten zum Dreikönigstreffen - ah ja, FDP Deutsch-Südwest (heute: Namibia; sprich - naa, mi Birgit aa). Dort, wo man die nächsten 21 Jahre ohnehin nur CendralSchdazione versteht: Uff de schwäbsche Eisebohne braucht ma koine Poschtillione; denn was sonscht das Poschthorn dutet, werd' ons drahtlos zug'mutet, trullala. Ha no Meckebeure - von Ingenhoven nach Dingenskirchen rheinischer Egon, janz eijen.
Früher kamen die Magier aus Anadolu: Jung-Caspar, Schatzmeister (hält ererbtes Gold), Melchior, greiser König des Lichts (mehr Weihrauch!), Balthasar Dunkelbart (babylon.: Gott schütze sein Leben, via Myrrhe). In Schduagerd gelten als zoroastrische Sterndeuter derzeit Heilsbringer Christoph I. (wärst du doch in Düsseldorf geblieben), der amtsstaubumnebelte Wolfgang Sch. (bleib beim Leischten) und Rüdiger G. (DB - Draußen Bleiben). Dem Heiligs Kischtle entsprungen, auf der Durchreise Milano-Köln im Sackbahnhof steckengeblieben - den Perser über dem Kopf, die phrygische Mütze (urspr. Stierhodensack), also coj.ones drauf, nicht drin - haben sie sich die Revoluzzer-Epiphanie anders vorgestellt. Die wahren Jakobinerle (48/49 - gell, Guido) sehen den Rubikon überschritten, proben den Aufstand. Von wg. Dt. Michel = Schlafmütze: Die Urteilsfinder wollen die angebundene Geiß wiederhaben, trullala.
Dem Volke einen Bären aufbinden (schönen Gruß an Collega Podak) - Volkskundler als Bärenhäuter! Fast so wie Brummtier Blackberry = Bruno der Schwatzbär. Da lauert ein grausiger Gruzzly auf der etymologischen Festplatte. Aufgebürdet wird der Eimer, bis ins 17. Jh. "Ein-Ber" (vgl. Zwei-Ber, Zuber; "-ber" trägt). Eimer oder Sack voller Lügen - denn was der brave Knecht auf dem Rücken schleppt, kann er nicht sehen. Was aber, wenn er hinwirft? Eben - hyperlogistische Chefs sind "sumpfköpfig" (KK), früh vertorft; im Hirn schwappt eutrophierte Mudde (für Bildungsbürger: anaerobe Faulschlammschicht).
Deshalb ein pazifischer Blick nach Oahu, aufs Anwesen des Robin Masters, der stilsicher ständig abwest. Für ihn schwingt Majordomo Higgins (Higgy-Baby) samt "Jungs" (Dobermänner Zeus und Apollo) das Zepter loddrich - und Kreativ-Mitarbeiter Magnum schlürft eigensinnig sein Altbier "Old Dusseldorf", zum W
... schrieb der Kolumnist - und sein Kommentarmodus nahm das glatt wörtlich. Deshalb ein neuer Test, ob beide nicht doch ihrem Chef hinterhergeflogen sind - ab in die Wüste.