Die Deutsche Welle sendet in 30 Sprachen und feiert ihren 50. Geburtstag.
(SZ v. 03.05.2003)
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Eine Geschichte über die Deutsche Welle (DW) kann mit Guido Baumhauer beginnen.
Der Mann muss nach einem Unfall den linken Fuß hoch legen, so dass man die Unterseite seines Schuhs sieht, was hier im Kölner Hochhaus zu großen Verwerfungen führen kann.
"Sie wissen, was das in der arabischen Welt für Sie bedeuten würde, wenn ich Ihnen die Schuhsohlen zeige?", fragt Baumhauer, Chef der Internetredaktion.
Jeder der 1000 Mitarbeiter aus 60 Nationen weiß, dass es in der arabischen Welt als größte Beleidigung gilt, dem Gegenüber seinen schmutzigsten Teil zu zeigen.
Eine Geschichte über die Deutsche Welle kann aber auch im Aufzug beginnen: Denn hier dauert eine Reise von Deutschland in den Irak 90 Sekunden - und um den Globus nur 80 Minuten.
Die Radiomacher in Köln senden Programme in 30 Sprachen um die ganze Welt - seit genau 50 Jahren. Die Deutsche Welle startete am 3. Mai 1953 als Auslandsrundfunk der Bundesrepublik - und als Stimme der westlichen Welt im Kalten Krieg. In Berlin, wo der Fernsehableger DW-TV sitzt, arbeiten noch mal 500 Leute: Hier wird rund um die Uhr in Deutsch, Englisch und Spanisch gesendet. In vielen Krisenregionen gilt die Deutsche Welle als eine der wenigen zuverlässigen Informationsquellen. Man nähme dort "die Position des Krisenrundfunks ein", sagt Erik Bettermann, Intendant des aus Steuergeldern bezahlten Senders (Etat: 277 Millionen Euro).
Für den Irak-Krieg hatte die arabische Redaktion eine eigene Krisengruppe eingerichtet. Hier, in der arabischen Welt, herrscht Khaula Saleh. In der Ecke seines Mini-Büros steht ein Fernseher, der Al-Dschasira-Bilder zeigt. Alle paar Minuten kommt jemand vorbei, der Sendepläne bringt oder zu einer Besprechung rufen will. 17 Redakteure, von denen viele in Deutschland studiert haben, arbeiten hier, sowie 10 freie Mitarbeiter und 27 Korrespondenten. Produziert werden täglich insgesamt dreieinhalb Stunden Sendezeit. Als der Irak-Krieg begann, wurde das Programm umgestellt: Das Frauenmagazin berichtete über irakische Mütter in Deutschland, die Angehörigen in der Heimat helfen wollten, im Wirtschaftsmagazin ging es um die Folgen des Krieges, die Feuilletonisten fragten nach den Kulturschätzen.
Und natürlich sinnierte die Redaktion, was das alles bedeuten werde für den Dialog zwischen islamischer und westlicher Welt.
Im Haus selbst wird dieser Dialog gepflegt: Während des Kosovokrieges arbeitete die Redaktionen des serbischen und albanischen Programms auf einem Flur. Uta Thofern, Chefredakteurin des deutschen und englischen Programms, berichtet von Debatten unter Kollegen, deren Heimatländer Krieg führen gegeneinander. Die Kisuaheli-Leute, die mit 15 Minuten täglich auskommen müssen, waren gerade auf Sendung, als der Irak-Krieg begann und Thofern um den Schlaf brachte. Sie ist dann durchs Funkhaus geeilt, denn im Einstundentakt gab es Live-Sendungen. Den neunten Stock regiert Günter Knabe, er leitet das asiatische Programm. Auf dem Tisch steht eine pizzatellergroße Schüssel mit Gummibärchen, an der Wand hängt eine Asienkarte. "Der Iran wird in diesem Konflikt viel zu wenig berücksichtigt", sagt der Experte: "Die fühlen sich von den Amerikanern eingesperrt: Im Osten Afghanistan und nun im Westen der Einmarsch im Irak." Viele Muslime hätten den Krieg gegen den Irak als Krieg gegen den Islam empfunden: "Der Auftrag der Deutschen Welle ist es auch zu zeigen, dass es im Westen Menschen gibt, die die Sache differenzierter sehen. Gleichzeitig versuchen wir, die Menschen dort objektiv zu informieren."
Auch für Bundesrepublik sei das wichtig: "Sicherheitspolitik bedeutet auch, dass man dafür sorgt, dass es nicht zu Konflikten kommt."
Die Senderverantwortlichen rechnen mit rund 30 Millionen Hörern. Konkrete Zahlen gibt es kaum, nur eine halbe Million Hörerzuschriften pro Jahr. Im Büro einer Redakteurin steht eine bemalte Kokosnuss, auf der Briefmarken pappen. Asien liegt im neunten Stock des Hochhauses, und an diesem Tag kann man von da bis nach Bonn sehen. Dort im Nebel taucht der Post-Tower auf, neben den die Deutsche Welle im Juni ziehen wird - in ein modernes Funkhaus. Auch hier wird man rund um die ganze Welt nur wenige Minuten brauchen.
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