Ich spüre diese Leidenschaft überall: in den großen ebenso wie den kleinen Städten; bei Privatleuten - wie könnte ich den Kommentar einer deutschen Persönlichkeit vergessen: "Wenn ich nicht mindestens zweimal im Jahr nach Italien fahre, geht es mir schlecht!" - wie auch bei den Institutionen.

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Als Botschafter könnte ich mehr als die Hälfte meiner Zeit mit dem Besuch von Ausstellungen und Veranstaltungen verbringen, die der italienischen Kultur gewidmet sind. Im Land von Richard Wagner bleibt die italienische Oper sehr populär: Ich bin noch ergriffen von der Aufführung von Puccinis Manon Lescaut, die Riccardo Chailly an der Leipziger Oper kürzlich so meisterhaft dirigierte.

Lebendigkeit des italienischen Buches

Wer Beweise für die Lebendigkeit des italienischen Buches in Deutschland benötigt, braucht nur den Verleger Wagenbach zu fragen, warum er gerade "Le Vite" von Giorgio Vasari auf Deutsch veröffentlicht, oder seinen Kollegen Michael Krüger vom Hanser Verlag, woher seine Leidenschaft für die zeitgenössische italienische Literatur stammt, oder die Organisatoren der Stuttgarter Buchwochen, warum sie dieses Jahr Italien als Partnerland gewählt haben.

Die Zusammenarbeit zwischen Italien und Deutschland ist auch im akademischen Bereich sehr intensiv. Durch all meine Besuche an deutschen Universitäten, konnte ich feststellen, dass es Hunderte gemeinsamer Projekte gibt, an denen Hochschulen beider Länder beteiligt sind. Der größte Teil dieser Projekte betrifft die Spitzentechnologien.

Das Lied "Azzuro" auf dem Marienplatz

Der Einklang unserer beiden Länder folgt dem Zeitgeist. Anders kann ich die Begeisterung nicht erklären, die auf dem Marienplatz für den Sieg des FC Bayern München bei der deutschen Meisterschaft und einen ihrer wichtigsten Spieler ausbrach: Luca Toni. Dass bei dieser Gelegenheit mit dem Lied "Azzurro" von Celentano gefeiert wurde, ist ebenfalls Ausdruck der deutsch-italienischen Freundschaft.

Ich weiß, dass Italien in Deutschland auch Besorgnis erregt. Einige sehr kritische Aspekte der italienischen Realität - der Müllnotstand in Neapel, die Gewalt in den Stadien, die Mängel in der Infrastruktur, die organisierte Kriminalität, die öffentliche Verschuldung - beunruhigen die Deutschen. Sie haben nicht Unrecht, und natürlich verlange ich auch nicht, dass diese Aspekte der Aufmerksamkeit der deutschen Informationsorgane entgehen.

Es gibt auch Lücken in den sonst so soliden deutsch-italienischen Beziehungen. Diese müssen unverzüglich geschlossen werden.

Zwei Gewissheiten

Zum Beispiel ist in Deutschland eine ausgezeichnete Deutsch-Italienische Parlamentariergruppe im Bundestag tätig, zu der mehr als 50 Abgeordnete gehören. Von italienischer Seite wünsche ich mir mehr Engagement in dieser Richtung, denn in der vorangehenden Legislaturperiode wurde eine entsprechende parlamentarische Vereinigung nur verspätet und in kleinster Zusammensetzung eingerichtet.

Vor allem basiert meine Zuversicht auf zwei Gewissheiten in den Beziehungen zwischen Italien und Deutschland: die Stärke unserer Demokratien und die Verwurzelung des europäischen Ideals.

Seit Beginn des europäischen politischen Projekts haben Italien und Deutschland das Ziel eines geeinten Europas gemeinsam verfolgt und sich für seine Verwirklichung eingesetzt. Mit Entschlossenheit und Überzeugung stand Italien während des Halbjahrs der EU-Ratspräsidentschaft an Deutschlands Seite.

"Hier fühle ich mich zu Hause"

Bundeskanzlerin Merkel gehört zu den Persönlichkeiten, die in Italien am meisten geschätzt und respektiert werden. Es gibt keine anderen Länder in Europa, in denen das Engagement für den Integrationsprozess so stark unterstützt wird.

So war es in der Vergangenheit, und so wird es auch künftig nach dem baldigen Inkrafttreten des Reformvertrags sein. Auch die gemeinsame Beteiligung an friedenserhaltenden Missionen in Afghanistan, auf dem Balkan und im Libanon erweist sich als Instrument zur Vertiefung beidseitiger Übereinstimmungen in europäischem Sinne.

Wenn mich jemand fragt "Wie fühlen Sie sich in Deutschland?", ist meine Antwort, dass ich mich als italienischer Staatsbürger, der stolz darauf ist, Loyalität sowohl für sein Heimatland als auch für Europa zu empfinden, keineswegs als Ausländer in Deutschland betrachte: "Hier fühle ich mich zu Hause!"

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(SZ vom 24.05.2008/pak)