Von Christoph Schröder

Fußballspieler und ihre Minimal-Analysen nach dem Spiel kennt jeder. Aber hat schon mal jemand die Tore befragt? Ja. Wir.

1. Fußball-Bundesliga, 13.Spieltag: Exklusiv-Interview mit dem linken Torpfosten des TSG 1899 Hoffenheim.

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Kein leichtes Dasein: Als "Fußball-Statist" muss Pfosten einstecken können. (© Foto: dpa)

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Da lang!: Darf ich Sie der Einfachheit halber Herr Pfosten nennen? Genau genommen sind Sie ja der linke Torpfosten vor der Mannheimer Südtribüne.

Herr Pfosten: Sehr gerne.

D.l.!: Wie fühlen Sie sich nach dem Spiel gegen Wolfsburg?

Herr Pfosten: Das Wichtigste ist, dass die drei Punkte hier bleiben. Und dass die anderen drei Pfosten sowie die beiden Latten ihren Teil dazu beitragen konnten.

D.l.!: Das heißt: Sie trainieren auch mit?

Herr Pfosten: Ja, klar. Wir sind voll in die Trainingsarbeit einbezogen. Wir dürfen auch immer zu den Auswärtsspielen mitfahren. Liegen dann allerdings während des Spiels neben dem Mannschaftsbus. Man bekommt atmosphärisch so manches mit. Nicht so toll waren die Schäferhunde im Berliner Olympia-Stadion.

D.l.!: Aha. Wie darf man sich Ihr Training konkret vorstellen?

Herr Pfosten: Auch wenn es sich erstmal seltsam anhören mag, aber das Wort "Bewegungsvorsprung" des Trainers gilt auch für uns. Gerade in unserer scheinbar statischen Rolle.

D.l.!: Ein bisschen genauer bitte, Herr Pfosten!

Herr Pfosten: Sehr gerne. Im Defensivverhalten können Pfosten und Latten ihren Beitrag durch konsequentes Stellungsspiel leisten. Und manchmal auch einen Tick mehr. Unsere Kolleginnen, die beiden Latten, können sich bei dem heranrasenden Ball immer noch ein wenig nach oben oder unten bewegen. Wir Pfosten können alleine durch unsere stoische Anwesenheit so manchen Stürmer irritieren.

D.l.!: Und im Offensivbereich?

Herr Pfosten: Genau so. Wenn Demba Ba, Obasi, Ibesevic oder unsere anderen Kurzpasszwerge angerast kommen, können wir - mit für das menschliche Auge kaum wahrnehmbaren Bewegungen - das Tor, ja gut, ich sag mal, noch ein Tick größer machen.

D.l.!: Verstehe. Aber was passiert mit Ihnen, wenn im Januar die nagelneue Hopp-Arena eingeweiht wird?

Herr Pfosten: Na ich bitte Sie! Wir gehen mit. Schließlich hat der Mäzen viel Geld in unsere Ausbildung gesteckt. Im Sommer waren wir in einem Pfosten-Trainingslager in Valencia in Spanien.

D.l.! (staunt): Enorm. Zwischen Ihnen und Ihren Kollegen herrscht also eingespielte Harmonie?

Herr Pfosten: Das kann man so sagen. Ein bisschen neidisch sind wir manchmal auf die Eckfahnen. Weil die ab und zu in die Siegesfeiern einbezogen werden.

D.l.!: Wie ist Ihr Verhältnis zu den Hoffenheimer Torhütern?

Herr Pfosten: Man kennt sich in und auswendig, ja ... (atmet aus) ... und das ist auch gut so. Wir können den Torhütern diesen Tick mehr Stabilität geben, den sie brauchen. Zum Beispiel bei Rückstand.

D.l.!: Wer ist Ihr Lieblingstorhüter?

Herr Pfosten: Von unseren Torhütern werde ich keinen hervorheben.

D.l.!: Und international?

Herr Pfosten: Iker Casillas von Real Madrid. Toller Keeper. In Madrid hätte ich auch gerne mal gestanden. Aber da stürzen die Tore ja manchmal ein. (lacht)

D.l.!: Herr Pfosten, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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(sueddeutsche.de/jb)