Laut Verlagsmanager Ove Saffe könnte der Spiegel in einigen Jahren fünf Euro kosten. Ziel des Wochenmagazins ist die Unabhängigkeit von Anzeigenwerbung.
"Warum sollte der Spiegel in einigen Jahren nicht fünf Euro kosten?" Diese Frage stellte der Geschäftsführer des Spiegel-Verlags, Ove Saffe, am Dienstag bei einem Pressegespräch in Hamburg - und beantwortete sie gleich selbst: Er, Saffe, könne sich das gut vorstellen; es gebe heute schon viele Leser, die prinzipiell bereit wären, so viel zu bezahlen.
Sind bald fünf Euro am Montag fällig? Vor einigen Jahren noch kostete der "Spiegel" den Leser fünf DM. (© Foto: ddp)
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Weg von der Anzeigenabhängigkeit: So lässt sich Saffes Strategie für das größte deutsche Nachrichtenmagazin zusammenfassen (Einzelverkäufe und Abos im Jahresdurchschnitt, bis drittes Quartal 2009: 842691 Exemplare). Im Jahr 2000 machten die Werbeeinnahmen des Verlags rund zwei Drittel aus, ein Drittel kam aus dem Vertrieb.
Heute ist das Verhältnis umgekehrt, was daran liegt, dass die Auflage nach Rückgängen in den vergangenen sechs Jahren wieder da liegt, wo sie 2000 schon lag, der Heftpreis im gleichen Zeitraum aber um mehr als einen Euro auf aktuell 3,70 Euro angestiegen ist. Er könne sich sogar vorstellen, dass "publizistisch anspruchsvolle Produkte" wie der Spiegel eines Tages ganz unabhängig von Werbung seien, so Saffe: "Das Anzeigengeschäft muss die Sahne obendrauf sein, nicht umgekehrt." Als nächstes steigen zum Jahreswechsel die Preise von Spiegel-Wissen, -Geschichte und -Spezial von 6,80 auf 7,50 Euro.
Der Grund für Saffes Preis-Planspiele ist offenkundig. Wie alle Printmedien leidet auch der Spiegel massiv unter der Werbekrise. In diesem "verdammt schweren" Jahr rechnet der Verlag alleine mit einem Anzeigenrückgang von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2007 bis 2008: zehn Prozent Minus). Und mit einer allzu baldigen Trendwende rechne er nicht, sagte Saffe: Die Werbebuchungen für Januar 2010 lägen nochmal zehn Prozent unter denen des Vorjahresmonats.
Trotzdem, so Saffe, glaube er "ganz stark an Print". Wo die Vertriebserlöse stiegen und die Auflagen stabil blieben, hätten Zeitungen und Magazine eine Zukunft. Welche? "Die, die wir als Qualitätsjournalismus bezeichnen." Die Spiegel-Gruppe (Spiegel, Spiegel Online, Spiegel TV, Manager Magazin u.a.) rechnet 2009 bei einem Umsatz von 300 Millionen Euro (2008: 335,2 Millionen) mit einer zweistelligen Umsatzrendite.
(SZ vom 10.12.2009/iko)
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