Woher kommt eigentlich das Wort? Wie dachten die Menschen in Altertum und Mittelalter darüber? Wie betteten sie sich? Wann schliefen sie? Was sagen Kunst und Philosophie dazu? Hier ist sie, die kurze Geschichte des Schlafes.
Über den Schlaf spricht man nicht. Man schläft einfach. Denkste! Spätestens, wenn man die Erfahrung von zermürbender Schlaflosigkeit gemacht hat, beginnt man, sich über den Schlaf zu wundern. Wieviel Zeit man doch damit zubringt - und zubringen muss.
Bild vergrößern
Heinrich Füssli: Der Nachtmahr (1782) (© )
Anzeige
Und weil nahezu alle Menschen zu allen Zeiten darüber nachgedacht haben, kann man durchaus eine Geschichte des Schlafs rekonstruieren. Denn: Die unterschiedlichen Kulturen in Raum und Zeit haben und hatten niemals dieselben Vorstellungen von dem, was uns mit Macht übermannt - oder uns bei seinem Ausbleiben qualvoll peinigt.
Das unbekannte Phänomen
Schlaf entsteht, wenn die in den Gliedern zerstreute Seelische Kraft sich zum Teil nach außen getrieben entfernt.
Wenn wir zu Bett gehen und einschlafen, geraten wir in einen Zustand, der sich völlig von unserem Bewusstsein unterscheidet und einige Stunden andauert. Beängstigend, eigentlich. Denn wir sehen, hören und fühlen nicht mehr, reagieren nicht sofort auf die Signale der Umwelt. Die Welt des Schlafens und die Welt des Wachens sind tatsächlich so verschieden, dass man glauben könnte, jeder lebe in zwei Welten.
Man merkt es etwa dann, wenn wir plötzlich aus dem Schlaf gerissen werden und nicht mehr so genau wissen, wo und wer wir sind. Marcel Proust hat diese Irritation in der "Verlorenen Zeit" geschildert: "... Und wenn ich mitten in der Nacht erwachte, wusste ich nicht, wo ich mich befand und deshalb im ersten Augenblick nicht einmal, wer ich war; ich verspürte nur, ursprünglich, elementar, jenes Daseinsgefühl, wie es in einem Tier beben mag; ich war entblößter als ein Höhlenmensch; doch dann kam mir die Erinnerung - noch nicht an den Ort, an dem ich mich befand, wohl aber an einige andere, an denen ich gewohnt hatte und wo ich hätte sein können - gleichsam als Hilfe von oben her, um mich aus dem Nichts zu ziehen, aus dem ich von selbst nicht herausgefunden hätte; in einer Sekunde überflog ich Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte, und die verschwommen und flüchtig geschauten Bilder von Petroleumlampen und von Hemden mit Umlegekragen fügten nach und nach die originären Züge meines Ich wieder zusammen." Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Nächstes Kapitel: Woher die Wörter "Schlaf", "Schlummer", "Dösen", "Nickerchen" kommen
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 6 nächste Seite
Bundespräsident Gauck in Israel