Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Hoegner grundsätzlich nie etwas gegen Microsoft hatte. Das wäre auch albern, schließlich hat er jahrzehntelang mit der Software und den Menschen von Microsoft gearbeitet.
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Es ist nur so, sagt er, dass in dem neuen Programm XP ständig irgendwelche Teile mit dem Internet und dann auch mit einem Zentralrechner von Microsoft Kontakt aufnehmen, um gewisse Daten durchzugeben, die Microsoft angeblich braucht.
Dies nennt man, frei nach dem Weltraum-Gnom E.T., "Calling-Home". Microsoft sagt bis heute nicht eindeutig, welche Daten dabei genau übertragen werden.
Hoegner vermutet sogar, dass dieses Wissen, aufgeteilt auf Hunderte von Programmierteams, nirgendwo vollständig vorliegt: "Den Einsatz solcher Programme in einer öffentlichen Verwaltung, wo strengster Datenschutz herrschen muss, kann eigentlich niemand verantworten."
Die meisten Experten wissen das, sehen aber großzügig darüber hinweg. Weil es angeblich keine Alternative gibt. Das allerdings ist der Punkt, wo ein echter Hoegner Nein sagen muss.
Hoegners Großvater hat es, in weitaus dramatischeren Situationen, genauso gemacht. Er war 45 Jahre alt, Richter in München und leidenschaftlicher SPD-Abgeordneter, als ein weitaus furchtbarerer Monopolist in Deutschland die Macht ergriff: der Nationalsozialismus.
Viele Politiker hielten die neue Bewegung für gefährlich und hielten trotzdem den Mund. Anders Hoegner, der 1932 im Vorwärts einen Aufsatz schrieb, in dem er die Nazis als "Sammelbecken des Bösen" und "faschistische Schlammflut" bezeichnete.
Die SA setze ihn auf ihre Todeslisten, trotzdem harrte er erst einmal aus. Er war dabei, als die SPD im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte, er nahm an der letzten Sitzung des Bayerischen Landtags teil, er musste erleben, wie Genossen in Dachau zu Tode gefoltert wurden.
Einmal sah er, schon abgetaucht im Münchner Untergrund, zwei Herren im Künstlerhaus beim Rotwein sitzen: Heinrich Himmler, damals Leiter der Politischen Polizei in München, und sein Adjutanten Reinhard Heydrich. Spontan kam ihm die Idee, die beiden zu ermorden. Aber das war dann, für einen bayerischen Staatsdiener, doch keine echte Option.
Hoegner, der Enkel, wäre der letzte, der sich selbst mit den Großtaten seines Opas in Verbindung bringen würde. Auf Nachfrage gibt er immerhin zu, dass der Zug wohl in der Familie liegen muss: Ein Gefühl für Gerechtigkeit, das den jeweils Mächtigen nicht alles erlauben will; eine Sturköpfigkeit, die dann nach eigenen Wegen sucht, wenn es angeblich nicht mehr anders geht; und ein Gefühl dafür, dass Prinzipien gerade dann wichtig sind, wenn es einfacher wäre, ein Auge zuzudrücken. So sind die Hoegners über vier Generationen eine eingefleischte, um nicht zu sagen beinharte, Münchner SPD-Familie geblieben: Vater Harald war 40 Jahre im Bezirkstag von Oberbayern, Mutter Alwine zwölf Jahre im Münchner Stadtrat; Hoegner und seine Frau sind im Ortsverein Harlaching und im Bezirksausschuss, und erst letztes Jahr hat Sohn Ludwig, 24, für die Oberbayernliste des Landtags kandidiert.
In die größere Politik drängte es Wilhelm jr. nie. Die Klarheit technischer Lösungen, die eindeutigen Schaltzustände, die ihn in seinem Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität begeisterten, die zog er dem dehnbaren Begriff der Wahrheit vor, ohne den Politiker nichts mehr werden können.
Was nicht heißt, dass es bei der Entscheidung, die Macht von Microsoft wenigstens in der Münchner Stadtverwaltung zu brechen, nicht auch Zweifel gab. Hoegners erster Vorschlag in diese Richtung wurde im Februar 2003 vom zuständigen Ausschuss des Münchner Stadtrats zunächst, wie er sagt, "böse abgewatscht". Fünf Politiker aller Parteien saßen ihm da gegenüber, die es für ein unverantwortliches Abenteuer hielten, die bewährten Office-Installationen durch neue Programme zu ersetzen. Hoegner schlich geknickt aus der Sitzung.
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