"Der kleine Prinz" mit Sloterdijk und Gottschalk Mehr gescherzt als philosophiert

Der Entertainer sucht den Tiefsinn, doch der Philosoph schwelgt lieber in "schönen Stellen": Peter Sloterdijk und Thomas Gottschalk.

(Foto: Florian Boillot/DAVIDS)

Thomas Gottschalk spricht mit Peter Sloterdijk über den "Kleinen Prinzen". Das Ergebnis: kokette Kommentare statt tiefsinniger Worte.

Von Tobias Lehmkuhl

Peter Sloterdijk hat den "Kleinen Prinz" neu übersetzt, Nicolas Mahler hat ihn neu illustriert, mit goldenem Schal, rotem Mantel und riesiger Nase. Diese Supernase mag der Grund gewesen sein, warum bei der Buchpräsentation im Berliner Ensemble neben Sloterdijk Thomas Gottschalk auf der Bühne saß.

Gottschalk selbst konnte es sich auf jeden Fall nicht anders erklären, wobei festzustellen bleibt, dass im Alter weniger Gottschalks Nase auffällig erscheint als seine schlohweiße Haarpracht. Mit seinem hageren und dreitagebärtigen Gesicht hätte man ihn - das mag allerdings dem Umfeld geschuldet sein - freilich auch für Peter Handke halten können.

Am besten gefiel Sloterdijk die Geschichte vom König

Thomas Gottschalk trifft Peter Handke, das fehlte noch, nachdem der Moderator selbst nun stolz von sich behaupten kann, der einzige Mensch zu sein, der schon neben beiden gesessen hat: Peter Sloterdijk und Dieter Bohlen. Aber es ging ja um Antoine de Saint-Exupérys Buch und nicht um Gottschalk oder Sloterdijk, wenngleich beide den ganzen Abend über mit ihrer eigenen Eitelkeit kokettierten, als gehörte das zum guten Ton.

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"Der Kleine Prinz" also, da müsste er, Gottschalk, zuerst mal an seine Schwester denken, die bei Facebook auch Fotos von ihrem Hund poste. Dazu der Satz: "Man sieht nur mit dem Herzen gut". Das sei doch von einer gewissen Klebrigkeit, um nicht zu sagen Poesiebuchhaftigkeit. Sloterdijk wollte den Kitschvorwurf gar nicht entkräften, im Gegenteil, er schwelgte in den "schönen Stellen" und forderte Gottschalk auf, mitzutun.

Der tat es auch, und wenn man Veit Schubert aus dem Buch lesen hörte, konnte man sich in der Tat eines gewissen Wohlgefallens nicht erwehren. Am besten aber gefielen Sloterdijk die Geschichte vom König und die Begegnung mit dem Fuchs: Da bebte er vor Freude, gluckste und gackerte und sprach die Sätze stumm mit.

Sloterdijk sprach auch über sein nächstes Buch

Der Philosoph hat sich zweifellos die kindliche Begeisterungsfähigkeit bewahrt, die zum Saint-Exupéry'schen Bildungsideal gehört, der Erziehung zur Kindlichkeit, die schon, so Sloterdijk, Nietzsche eingefordert habe. Nietzsche selbst wiederum sei ja an diesem Ideal gescheitert, warf Gottschalk ein. Ganz recht, sagte Sloterdijk, Nietzsche habe seine Kindlichkeit durch einen forcierten heroischen Intellektualismus zerstört.

So etwas stand an diesem Abend nicht zu befürchten, für niemanden. Zwar versuchte Gottschalk, die eine oder andere gewichtige philosophische Frage ins Spiel zu bringen, Sloterdijk aber blieb bei seinen "schönen Stellen", sprach dann noch von seinem nächsten Buch, einem Roman, in dem es auch "Stellen" gebe, erotische nämlich, sogar ganz explizite. Denn der Sex würde ja, und das sei so interessant, einen "Überschuss" produzieren, der in keiner Weise der Fortpflanzung diene. Schillers Satz "Wollust ward dem Wurm gegeben" treffe allerdings nicht zu. Der stehe in einem seiner sinnlosesten Gedichte.

An Pointen mangelte es also nicht an diesem Abend. Der schönste Moment aber war, als Sloterdijk den im Publikum sitzenden Nicolas Mahler vom Podium herab fragte, wie er eigentlich den Flug des kleinen Prinzen mit den wilden Vögeln zeichnerisch gelöst habe, er könne sich gerade nicht erinnern: Gar nicht, erwiderte Mahler da. Die ständen ja schließlich schon im Text.

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