"Der Hobbit - Smaugs Einöde" im Kino Zwei Köpfe, ein Pfeil

"Der Hobbit - Smaugs Einöde"

Peter Jacksons zweite "Hobbit"-Folge "Smaugs Einöde" kommt in die Kinos. Offizieller Start ist der 12.12. mehr...

Peter Jackson hat die zweite "Hobbit"-Folge "Smaugs Einöde" teilweise atemberaubend inszeniert. Doch bei allem Staunen nimmt der Zuschauer innerlich kaum noch teil - zu flach werden die Figuren gezeichnet. Da hilft auch die Erfindung originellerer Tötungsarten nicht weiter.

Von Tobias Kniebe

Dies ist, man vergisst das leicht, nur der mittlere Teil. Der sagenhafte Schatz von Erebor ist noch nicht geborgen, die Truppen für die Schlacht der Fünf Heere rüsten sich gerade erst, das Finale wird noch auf sich warten lassen. Und doch treiben Peter Jackson und seine Filmtruppen in Neuseeland, die es mit den Heeren von Mittelerde an Mannstärke längst aufnehmen könnten, ihre Aufrüstung unaufhaltsam voran.

War Jacksons "Herr der Ringe"-Trilogie am Ende eine Materialschlacht, die allein ihrer Logistik wegen schon in die Filmgeschichte einging, dann wird nun klar: Sein ebenfalls dreiteiliger "Hobbit" soll all das noch weit übertreffen. Und falls eines Tages die Frage aufkommt, was die Neuseeländer in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts so getrieben haben, könnte die Antwort der Historiker lauten: Sie waren mit der Herstellung von Tolkien-Verfilmungen vollauf beschäftigt.

Was den Oxfordgelehrten und Privatmythologen J. R. R. Tolkien betrifft: Im zweiten Teil der Verfilmung, die den Episodentitel "Smaugs Einöde" trägt, werden die Kapitel sieben bis dreizehn seines ersten, eigentlich für Kinder gedachten, auf jeden Fall aber sehr gemütlichen Buchs "The Hobbit" verhandelt. Nicht umsonst heißt das Werk in Deutschland auch "Der kleine Hobbit".

Eklige Riesenspinnen kommen vor, unfreundliche Waldelben und der feuerspeiende, todbringende, für Schmeicheleien aber durchaus empfängliche Riesendrache Smaug. Alles in allem ist der Stoff überschaubar - viel zu überschaubar für die neuseeländische Nationalökonomie, für Peter Jackson und das globale Actionkino. Denn vermarktet wird das Ganze nach wie vor über Warner Brothers in Hollywood.

Also muss alles weiter hysterisiert, beschleunigt und überspitzt werden, mit Ork-Verfolgern und endlosen Gefechten, mit langen Zwischenschnitten in die Festungen des Bösen, wo sich Unheil zusammenbraut, und mit der "Ticking Clock" der Action-Dramaturgie, die kaum Zeit zum Luftholen lässt. Am besten kann man das erkennen, wenn man die Flucht aus der Höhle der Waldelben betrachtet - wie sie bei Tolkien war, und was Peter Jackson und seine Techniker daraus gemacht haben.

Superhelden der Orkvernichtung

Hobbit Bilbo, der Titelheld, inzwischen mit einem Ring bewaffnet, der ihn unsichtbar macht, befreit in diesem Kapitel seine Weggefährten - dreizehn Zwerge - aus den Kerkern der Elben. Dann steckt er sie in Weinfässer und wirft sie in einen Bach, der sie unbemerkt davonträgt - erst unterirdisch, dann überirdisch. Im Buch sind die Fässer verschlossen, die Zwerge sicher verstaut, und Bilbos Hauptproblem ist es, auf einem drehenden und tanzenden Fass irgendwie obenauf zu bleiben - dem widmet Tolkien eine menschlich sehr nachvollziehbare Passage. Weiter passiert bis zur Flussmündung nichts.

Im Film dagegen treiben die Zwerge in offenen Fässern, und das müssen sie auch - denn am Ufer lauern schon Horden von sabbernden, riesenhaften Orks. Ihnen wiederum folgen zwei Kampfelben von äußerster Agilität und Tödlichkeit - wahre Superhelden der Orkvernichtung. Und so beginnt nun eine Art mobiles Wildwassergemetzel in reißender Bergbachgeschwindigkeit, Zwerge surfen in Fässern, Elben surfen auf Zwergen, sie springen sogar von Zwergenkopf zu Zwergenkopf. Streitäxte krachen, Pfeile schwirren, rollende Fässer machen Feinde platt, Orks werden enthauptet, an Bäume genagelt, und - falls sie zu dicht zusammenstehen - auch mal paarweise durchbohrt: zwei Köpfe, ein Pfeil.

Rein handwerklich ist das sensationell. Der Rhythmus, die Choreografie, die Kreativität und Geschwindigkeit dieser Sequenz sind atemberaubend - so wurde ein Wildbach noch nie in eine Actionszene eingebaut. Sobald man aber wieder Luft holen kann, fragt man sich doch: Um welche Kreativität geht es hier eigentlich?