Bob Stein, Chef des Institute for the Future of the Book, glaubt, dass es bald schon das Buch 2.0 geben werde, dass also viele Leute gemeinsam an Büchern schreiben werden. Die Open-Book-Plattform des amerikanischen O'Reilly-Verlags bietet heute schon Rough Cuts, also unlektorierte Versionen von Sachbüchern an, die von den Lesern verbessert werden können.

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Die Verlage werden sich also schnell überlegen müssen, wie sie ihre Bücher parallel analog und digital vermarkten. Günter Berg stöhnt, Kindle und Amazon stünden genauso ungeduldig vor der Tür wie Sony und Libri, die auf einem gemeinsamen Portal möglichst viele digitale Titel anbieten wollen. "Aber ich habe nicht die leiseste Ahnung, was ich da überhaupt genau verkaufe."

Bislang sind alle Urheber- und Rechtefragen genauso ungeklärt wie die Frage der Buchpreisbindung für E-Books.

"Festungsmauern" gegen die digitale Welt

Ungefähr zur selben Zeit, als Jeff Bezos vom Buch enthusiastisch als letzter Bastion des Analogen sprach, benutzte John Updike ein ganz ähnliches Bild. In einem Pamphlet wider die allumfassende Virtualisierung schrieb er, für ihn glichen die steifen Umschläge der Bücher mittlerweile "Festungsmauern" gegen die digitale Welt, weshalb er alle Gleichgesinnten aufforderte, "das Fort zu verteidigen".

Als durchschnittliche Büromonade lebt man ja emotional irgendwo zwischen Jeff Bezos' aufgekokster Begeisterung und Updikes unversöhnlichem Grimm. Aber auch als solch neutrale Mittelexistenz kann man etwas anfangen mit dem Bild von der analogen Bastion: Was für eine Wohltat, nach einem Tag im Büro ein Buch zu lesen.

Es geht gar nicht ums Papier, den Duft, das Haptische, es geht um die Konzentration, die Ausschließlichkeit eines Textes, ohne den Weltzerstäuber und Allzerstreuer Google im Hintergrund. Liest man hingegen auf dem Kindle ein Buch, ist man immer nur einen Klick vom Netz entfernt. Und das dürfte auf die Qualität des eigenen Lesens abfärben.

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(SZ vom 8.10.2008/jb)