"Der Dunkle Turm" im Kino Beliebig, glattgebügelt, gefällig

Charakterdarsteller im Blockbuster-Chaos: Idris Elba und Matthew McConaughey in "Der dunkle Turm"

(Foto: dpa)

Nikolaj Arcel macht aus Stephen Kings Bestseller "Der Dunkle Turm" einen Blockbuster vom Reißbrett - da können auch Idris Elba und Matthew McConaughey nicht mehr helfen.

Von Nicolas Freund

Mehr als zehn Jahre steckte die Adaption von Stephen Kings Fantasy-Epos "Der dunkle Turm" in der Entwicklungshölle von Hollywood fest, vor der selbst Bestseller manchmal nicht sicher sind. Regisseure wie J. J. Abrams und Ron Howard wollten aus der achtbändigen Reihe Kinofilme oder TV-Serien machen, gaben aber alle irgendwann auf. Zu kompliziert, zu verschachtelt, zu eigenwillig sei die Suche des Revolverhelden Roland nach dem geheimnisvollen dunklen Turm, der irgendwie das Universum zusammenhält.

Schließlich ist der Stoff beim dänischen Regisseur Nikolaj Arcel gelandet, einem Hollywood-Neuling, der zuvor unter anderem das Historienmelodram "Die Königin und der Leibarzt" gedreht hat. Gemeinsam mit seinem Autoren-Team hat er beschlossen, sich nicht konkret auf eins der acht Bücher zu konzentrieren, sondern Motive und Szenen aus allen Teilen der Geschichte neu zu mischen. Herausgekommen ist dabei eine simple Gut-gegen-Böse-Erzählung von gut 90 Minuten Länge - also der kleinstmögliche gemeinsame Nenner.

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Der junge Jake kämpft mit dem Revolverheld Roland (Idris Elba) gegen den fiesen Zauberer Walter (Matthew McConaughey), der das ganze Universum zerstören will. Das Hauptproblem des Films ist, dass er dabei nicht an sich selbst glaubt. Er glaubt nicht an die eigenen fantastischen Welten und er glaubt nicht an seine Figuren. "Der dunkle Turm" ist ein Blockbuster vom Reißbrett, dem seine eigene Vorlage peinlich zu sein scheint. Dabei passen Kings Romane eigentlich ideal ins Beuteschema von Hollywood. Die Verfilmungen von "Der Herr der Ringe", "Harry Potter" und anderen Fantasy-Büchern waren so beliebt, dass eine ähnlich umfangreiche Geschichte, noch dazu von Bestsellerautor Stephen King, eine sichere Investition zu sein schien.

Ein Problem für die Filmemacher war aber wahrscheinlich die Vielfalt der Romane, die munter Horror, Science-Fiction und Western durcheinandermischen, auch mal ein ganzes Buch einer Nebenhandlung widmen und mehrmals von Stephen King neu konzipiert wurden. "Der dunkle Turm" begann in den Siebzigern als eine Sammlung schrulliger Kurzgeschichten, in den Achtzigern und Neunzigern wollte er das Ganze zu einem Epos wie "Herr der Ringe" ausbauen, um es dann in den letzten Bänden mit einer Metaerzählung über das Geschichtenerzählen zu beenden.

Wie man daraus eine stringente Hollywood-Erfolgsstory basteln sollte, darüber zerstritten sich die Studios Sony Pictures und Media Rights Capital, welche die Rechte erworben hatten, heftig. Dazu behielt sich King ein Veto für jede Entscheidung vor. Eingegriffen haben soll aber vor allem Sony-Chef Tom Rothman, der angeblich selbst mehrere Stunden im Schneideraum versuchte, den Film noch zu retten.

Aber wer auch immer den finalen Schnitt zu verantworten hat, herausgekommen ist nicht mehr als eine mutlose Skizze von einem Film, die wie ein zu lang geratener Trailer wirkt. Die kindliche Magie der Stephen-King-Story ist zu Beginn zwar kurz zu spüren, in den Träumen des jungen Jake von apokalyptischen Schlachtfeldern und futuristischen Arbeitslagern. Aber Idris Elba ist mit seiner Rolle als Gothic-Cowboy-Superheld unterfordert, obwohl die Figur in den Romanen facettenreich ist, was der Film dann aber nur anzudeuten wagt. Auch Matthew McConaughey als eiskalter Zauber-Schönling wirkt verschenkt. Und am Ende wird die Rettung des Universums mit Cola und Hotdogs gefeiert. Darauf konnten sich scheinbar alle Beteiligten einigen.

The Dark Tower, USA 2017. Regie: Nikolaj Arcel. Buch: Akiva Goldsman, Jeff Pinkner, Anders Thomas Jensen, Nikolaj Arcel. Kamera: Rasmus Videbæk. Mit: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor. Verleih: Sony. 95 Minuten.

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