Von Jörg Böckem

Nächste Woche läuft Superman Returns an - vermutlich ein gigantischer Flop. Denn der Held ist alt. Und zu brav.

Die Figur, die wir als Superman kennen, ist inzwischen, seit ungefähr zwei Jahrzehnten, ein - man muss es so hart sagen - Albtraum für jeden Imageberater. Dabei war zuvor doch alles lange sehr gut gelaufen: Nach der Markteinführung Ende der dreißiger Jahre stieg der Mann in der blau-roten Arbeitskleidung unaufhaltsam zum Global Player auf, in gewisser Weise wurde er sogar mehr als das - seine Abenteuer werden mittlerweile in mehr als 40 Ländern der Erde gelesen und seine Aktivitäten beschränken sich keineswegs nur auf diesen Planeten. Sein Markenzeichen, das rote S, ist so bekannt wie der Coca-Cola-Schriftzug oder die drei Streifen von Adidas. Sein Markenprofil ist klar umrissen - Mann aus Stahl, schneller als eine Pistolenkugel, fliegender Weltenretter, zuständig für Freiheit und Gerechtigkeit, die Bösen bekämpfen, Unschuldige beschützen, alles klar. Seine Corporate Identity funktioniert, bis heute. Das ist die eine Seite.

Superman

Superman ist der erste Superheld der Comicgeschichte. 1938 erschien die erste Ausgabe. (© )

Anzeige

Trotzdem galt Superman in der jüngeren Vergangenheit oft als Auslaufmodell, ein zu groß geratener Pfadfinder in langen Unterhosen; ein Langweiler, resistent gegen Modernisierung, überholt von der Zeit. Im Duell mit seinen Kollegen, allesamt weniger mächtig und weniger edel, aber dafür jünger, cooler und rebellischer, sah er meist so alt aus, wie er war: Epigonen wie Spider-Man oder die X-Men haben ihm schon lange den Rang abgelaufen, sie verkauften mehr Comics und Actionfiguren, haben die rasanteren Videospiele und die besseren Filme. Sogar sein Kampfgefährte Batman, nur unwesentlich jünger, hat Superman locker abgehängt.

Jetzt aber will das Superman-Imperium zurückschlagen: Die Produktionsfirma Warner Bros. - wie der Comicverlag DC Teil des Entertainment-Riesen Time Warner - hat Superman, ihrem wichtigsten Angestellten, eine gigantische Imagekampagne spendiert. Entwicklungskosten von mehr als 50 Millionen Dollar, 210 Millionen für die Dreharbeiten und noch einmal rund 100 Millionen für die Werbung: Mit Gesamtkosten von mehr als 350 Millionen Dollar ist Superman Returns - der insgesamt fünfte Superman-Film und der erste nach 19 Jahren - einer der teuersten Filme der Kinogeschichte.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Zu gut für diese Welt
  2. Zu gut für diese Welt
Leser empfehlen