Depenbrock will bleiben Vertrauen überflüssig

Josef Depenbrock will Chefredakteur der Berliner Zeitung bleiben - trotz der Rücktrittsforderung der Mitarbeiter. Er brauche das Vertrauen der Redaktion nicht, sagte Depenbrock.

Von Felix Serrao

Josef Depenbrock will trotz der Rücktrittsforderung seiner Redaktion Chefredakteur der Berliner Zeitung bleiben. Wie Mitarbeiter berichteten, soll der 46-Jährige, der auch Geschäftsführer des Verlags ist, in der Konferenz am Freitag gesagt haben, er brauche das Vertrauen der Redaktion nicht, diese sollten nur eine gute Zeitung machen.

Braucht das Vertrauen seiner Redaktion nicht: Josef Depenbrock.

(Foto: Foto: dpa)

Depenbrock wollte auf Anfrage nicht Stellung nehmen. Der Deutsche Journalisten-Verband forderte ihn und Verlagseigentümer David Montgomery auf, "die wirtschaftliche Ausbeutung der Berliner Zeitung zu stoppen".

Der britische Investor, der die Zeitung 2005 gekauft hatte, erwartet angeblich eine Rendite von bis 20 Prozent. Er sei bereit, den Dialog mit den Redakteuren weiterzuführen, ließ Montgomery mitteilen, der Depenbrock auch in der Doppelfunktion eingesetzt hat.

"Die Mitarbeiter sind so geschlossen und entschlossen wie selten", sagte Lokalredakteur Thomas Rogalla. Seit dem Rücktritt von Ewald B. Schulte vom Vorsitz des Redaktionsausschusses, leitet Rogalla das Gremium mit Regine Zylka.

Depenbrock sehe selbst redaktionelle Fragen "primär durch die Vermarktungsbrille". Eine Feststellungsklage, mit der dessen Doppelfunktion geprüft werden soll, will Rogalla in Kürze einreichen. Schulte, der das Blatt - wie vor ihm etliche Redakteure - zum 30. Juni verlässt, warnte davor, Depenbrock zu unterschätzen: "Dieser Konflikt wird uns noch eine Weile erhalten bleiben."

In einem Punkt scheint der Druck der Redaktion zu wirken. Nachdem frei gewordene Redakteursposten erst nicht neu besetzt werden sollten, gibt es nun vier Ausschreibungen, unter anderem für die Leitung des Meinungsressorts.