"Deine Schönheit ist nichts wert..." im Kino Träumen in der fremden Welt

Sie haben es in der Fremde nicht leicht: Veysel (Abdulkadir Tuncer, links) und sein Vater (Nazmi Kirik) kämpfen in Wien mit jeder Menge Schwierigkeiten.

(Foto: Barnsteiner-Film)

In dem vielschichtigen Drama "Deine Schönheit ist nichts wert..." zeigt Regisseur Hüseyin Tabak alle Härten auf, die in Migrantenschicksalen liegen können. Gleichzeitig gibt er der Hoffnung Raum - ausgefüllt durch die Phantasie eines zwölfjährigen Jungen.

Von Paul Katzenberger

Sie führen oft ein Leben im Untergrund, werden erbarmungslos in Hilfsjobs ausgebeutet, sind rechtelos, ohne gültige Papiere und ohne reguläre medizinische Versorgung. Oder sie werden geduldet und müssen jederzeit mit ihrer Abschiebung rechnen, nachdem sie gefährliche Odyseen hinter sich gebracht haben. Das Kino hat sich zuletzt oft des Themas Migration angenommen. In Filmen, die ihre existenzielle Dimension bereits in Titeln wie "Mama illegal", "Fremd" oder "Ohne Namen" artikulieren.

Aus einem interessanten Blickwinkel schaut nun auch der Deutsch-Kurde Hüseyin Tabak auf die Problematik. Er schildert in seinem Drama "Deine Schönheit ist nichts wert ..." das Schicksal einer türkisch-kurdischen Einwanderer-Familie in Wien aus den Augen eines Kindes.

Aufgeben kommt nicht in Frage

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Der zwölfjährige Veysel (Abdulkadir Tuncer) lebt mit seinen Eltern und seinem Bruder erst seit sechs Monaten in Österreich. Seine Situation ist wenig ersprießlich: Der Vater (Nazmi Kirik) ist Kurde mit Guerillero-Vergangenheit, der in Österreich um politisches Asyl bittet. Sein älterer Bruder Mazlum (Yusa Durak) hat mit dem Vater gebrochen. Er wirft ihm vor, sich den kurdischen Freischärlern angeschlossen und die Familie damit im Stich gelassen zu haben. Deswegen hat sich Mazlum eine Wiener Streetgang als Ersatzfamilie gesucht. Er hält sich kaum noch zu Hause auf. Begegnet er dem Vater zufällig auf der Straße, ruft er ihm zu: "Du bist nicht mehr mein Vater. Ich verstoße Dich!" Die Mutter (Lale Yavas) versucht die Familie zusammen zu halten, ist damit aber hoffnungslos überfordert. Veysel ist in der Schule isoliert, denn er spricht kaum ein Wort Deutsch: Die Lehrerin hat ihn als hoffnungslosen Fall aufgegeben, die Mitschüler hänseln ihn.

Liebeserklärung und Beleg des Bemühens

Deprimierender als Veysels Situation kann ein Immigrantenschicksal kaum sein, und Tabak war ganz offensichtlich daran gelegen, diese Realität mitten in unserer Gesellschaft ungeschminkt darzustellen. Doch der Regisseur, der den Film als Abschlussarbeit seines Studiums an der Filmakademie Wien bei Regie-Professor und Oscar-Preisträger Michael Haneke vorlegte, will auch der Hoffnung Raum geben. Deswegen kontrastiert er die Trostlosigkeit von Veysels Existenz mit dessen frohmütigen Tagträumen, in denen er phantasiert, von seinen Mitschülern als Held gefeiert zu werden und sich eine Liebschaft mit der Klassenkameradin Ana (Milica Paucic) ausmalt.

Der Kontrast aus düsterer Realität und romantischer Phantasie verleiht dem Drama eine wunderbare Vielschichtigkeit, die sich auch in Veysels Freundschaft zum Nachbarn Cem (Orhan Yildirim) wiederfindet. Der ist ein rauer Macho mit einem weichen Kern, und schwärmt wie Veysel von den Gedichten des türkischen Poeten Asik Veysel, nach dem er von den Eltern benannt wurde.

Veysel will Asiks Liebes-Ballade "Deine Schönheit ist nichts wert ..." in der Schule auf deutsch vortragen, einerseits um der Lehrerin zu beweisen, dass er sich wenigstens bemüht, andererseits um damit Ana persönlich anzusprechen. Cem hilft ihm, das Stück ins Deutsche zu übersetzen.

Die Szene, in der Veysel das Gedicht vor seinen Eltern aufsagt und den verschlossenen Vater dazu bringt, sich zu öffnen, lässt kaum einen Zuschauer ungerührt, und doch gehen am Ende von "Deine Schönheit ist nichts wert ..." nicht alle Wünsche Veysels in Erfüllung, so wie sich längst nicht alles in dem Film im Guten auflöst. Aber das fühlt sich genau richtig an.

Deine Schönheit ist nichts wert..., Österreich, Türkei 2012 - Regie: Hüseyin Tabak, Buch: Hüseyin Tabak, Kamera: Lukas Gnaiger. Verleih: Barnsteiner-Film, 86 Minuten.