Debütroman von Ronja von Rönne Es kommt niemand, nicht mal im übertragenen Sinn

Ein bisschen berühmt: Ronja von Rönne.

(Foto: dpa)

Ronja von Rönne wurde bekannt, weil sie "der Feminismus anekelt". Ihr Debütroman "Wir kommen" ist so lustlos geschrieben, als wäre ihr der eigene Text genauso egal wie alles andere auch.

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Manchmal hat man ja das Glück, Autoren zu finden, die sich nicht nur für ihren Gegenstand interessieren, sondern in sich selbst einen Grund gefunden haben, warum sie über ihn schreiben, und aus deren Zeilen, selbst wenn sie von Verachtung und Verzweiflung erzählen, immer die Wärme strahlt, die entsteht, wenn es jemandem wirklich um etwas geht.

Ronja von Rönne, die laut Spiegel "halb Berlin-Mitte verrückt macht", ist leider keine solche Autorin. Zumindest noch nicht. Über knapp 25-Jährige sollte sich niemand abschließende Urteile erlauben. Ihr Debütroman "Wir kommen" handelt von einer jungen Frau namens Nora, die um ihre Jugendfreundin Maja trauert und gleichzeitig mehr oder weniger halbherzig versucht, ihre zerbröselnde Vierer-Beziehung zu retten. Ja, Nora lebt polyamor. Außerdem ist Nora ein Landei, das sich in der Stadt einsam fühlt und jede Nacht von Panikattacken heimgesucht wird. Eine Art Romanfigur gewordener Hashtag ihrer Generation. Gegen Ende kommt noch recht unverhofft ein Mordverdacht auf, aber diese Plotline endet wie alle zuvor in sprachloser Depressivität.

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Vielen ist Ronja von Rönne ein Begriff, seit sie in der Welt einen bescheuerten und zu oft zitierten Text mit der Überschrift "Warum mich der Feminismus anekelt" veröffentlichte. Natürlich ist es intellektuell abstoßend, dass jemand, der keine Haltung zu irgendetwas hat ("Ich probiere Meinungen an, wie ich Kleider anprobiere"), sich als gesellschaftspolitische Windmaschine in Szene setzt.

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Es "kommt" niemand, nicht einmal im übertragenen Sinn

Andererseits ist es auch eine respektable Leistung, den deutschen Literaturbetrieb mit ein paar Tageszeitungstexten, einer "Dating-Kolumne" in einer Frauenzeitschrift und einem Kurzauftritt in einem Musikvideo der Band Wanda (der immerhin mehr Eindruck hinterlassen hat als ihre Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb) derart in Wallung zu versetzen. So wandelt sie schon jetzt auf der Halbpromi-Rampe, nach der sich so viele deutsche Journalisten sehnen, die mehr sein wollen als deutsche Journalisten, und ist dabei vor allem: Ronja von Rönne.

Leseprobe

Einen Auszug aus dem Roman stellt der Verlag hier zur Verfügung.

Angewidert von ihrem Umfeld

Aber all das wäre kaum der Rede wert, hätte man bei der Lektüre von "Wir kommen" nicht den Eindruck, dass es ihrer Autorin selbst so herzlich egal ist. Das fängt mit dem Titel an: Es gibt in diesem Buch weder ein erwähnenswertes "Wir", dafür ist Ich-Erzählerin Nora viel zu angewidert von ihrem Umfeld. Und es "kommt" eigentlich auch niemand, nicht einmal im übertragenen Sinn. Die sehr läppische Vierer-Sex-Szene ("dann waren wir viele, dann waren wir überall") wirkt, als fände die Autorin allein die Vorstellung von Gruppensex so anstrengend, dass sie nicht mal Lust verspürt, ihn zu beschreiben.