Mit Jogginghose auf der Fernsehcouch? Die Elite macht die stille Gruppe der "Bildungsfernen" lächerlich und sichert sich zugleich Vorteile vom Staat. Eine Streitschrift gegen das Bildungsprivileg.
Auch in den jüngsten Wahlkämpfen fehlte es nicht an Warnungen vor der Einheitsschule. In Niedersachsen fanden Eltern und Lehrer zu einem Aktionsbündnis "Gegliedertes Schulsystem" zusammen. Jüngere Mitglieder des Philologenverbandes, der die Interessen der Gymnasiallehrer vertritt, sprachen von einer "Richtungswahl" und schürten in nicht eben vorbildlicher Grammatik die Furcht vor der "Zwangs-Einheitsschule, an denen alle Schülerinnen und Schüler - anders als an den Schulen heute - unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit zusammen lernen sollen". Eine hessische Bürgerinitiative möchte "die Interessen der Eltern vertreten, die sich nicht dem Diktat einer ideologisch geprägten Gleichmacherei unterwerfen wollen".
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Eine Studentin protestiert für gleiche Bildungschancen. (© Foto: AP)
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Man hört es und nickt, ohne lange nachzudenken: alle Wege der Gesamtschule führen bekanntlich nach Moskau. Wer gegen die frühe Selektion der Kinder auftritt, handelt allein aus sachfremden, ideologischen Motiven, ist obendrein ein Feind der Leistung. Wer Freiheit und Gerechtigkeit schätzt, die "Wahlfreiheit der Eltern" und ein "begabungsgerecht" gegliedertes Schulsystem, muss der nicht den Befürwortern der Einheitsschule in den Arm fallen?
Glücklicherweise kommt in dieser Woche eine Streitschrift in die Buchläden, die mit der selbstgerechten Ideologie der Ideologiefreien ironisch, sachkundig und wütend zugleich abrechnet: "Das Bildungsprivileg. Warum Chancengleichheit unerwünscht ist" von Bruno Preisendörfer (Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2008. 192 Seiten, 16,95 Euro).
Beträchtliche Wahrnehmungsverzerrungen
Die Fakten sind bekannt und werden kaum bestritten: Der Bildungsforscher Jürgen Baumert stellte im Dezember 2001 fest: "Die Chancen eines Arbeiterkindes, anstelle der Realschule ein Gymnasium zu besuchen, sind viermal geringer als die eines Kindes aus der Oberschicht."
Vierfach würden, so Jochen Schweitzer, der die Kultusministerkonferenz in den PISA-Gremien vertrat, Schüler aus unteren Sozialschichten bestraft: zunächst durch ihrer Herkunft, dann durch die "ungerechte Selektion am Ende der Grundschule", dann durch die schlechten Bedingungen an den Hauptschulen und dann - lebenlänglich, kann man hinzufügen - "durch die geringsten Chancen auf dem Arbeitsmarkt".
Die Öffentlichkeit leidet in Bildungsangelegenheiten unter beträchtlichen Wahrnehmungsverzerrungen. Was haben wir nicht das düstere Schicksal der plötzlich benachteiligten Akademiker beklagt, als die "Generation Praktikum" auftrat. Doch absolvieren, einer Studie des Hochschul-Informations-Systems zufolge, lediglich acht Prozent der Fachhochschul- und sieben Prozent der Uni-Absolventen nach dem Studium ein Praktikum.
Es geht um die Kinder der "normalen" Familien
Und selbst diese fanden rasch eine Arbeit: Neun Monate nach dem Ende des ersten Praktikums waren noch vier Prozent der Praktikanten mit Universitätsabschluss ohne Stelle. "Das ist bedauerlich", kommentiert Preisendörfer, "aber eine Katastrophe, die eine ganze akademische Generation ins Abseits stellt, kann man das nicht nennen."
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum der Staat die Ungleichheit fördert.
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Endgültiger DFB-Kader für EM
Legis: Das ist schon lange bekannt...
Ich kann Legis nur in vollem Umfang beipflichten.
Wer Müllers Bücher gelesen hat und die nachdenkseiten regelmßig aufsucht, der kann nur wütend über die Verlogenheit diverser " Eliten" werden.
Zunächst sollte festgestellt und anerkannt werden, dass gesunder Egoismus - was immer das ist - zu unserer menschlichen Natur gehört. Ohne einen gewissen Egoismus wären wir kaum zu hohen Leistungen fähig. Daraus erwachsen uns besondere Ergebnisse, auch materieller Art. Doch leider ist dieses System außer Tritt geraten, aus Gründen, die hier nicht weiter untersucht werden können. Der Betreff lenkt den geneigten Leser schon in die richtige Richtung.
Leider ist es aber so, dass selbst die Diskussion über die Einheitsschule und dem dreigliedrigen Schulsystem schon ideologisch überfrachtet ist! Im dreigliedrigen Schulsystem haben wir erleben müssen, wie schon in der Grundschule der Dünkel gefördert wurde. War ein Elternteil Akademiker/in, wurde schon in der Grundschule das betreffende Kind - nicht gefördert - sondern bevorzugt. Dies fiel sogar den Mitschülern auf.
Ich habe selbst beobachtet, wie in Gesamtschulen in bewundernswerter Weise auf die Kinder eingegangen und diese auch gefördert wurden. Die Unterrichtsmaterialien waren auf dem neuesten Stand und in hervorragendem Zustand. Anders am Gymnasium. Man konnte nur in Wut verfallen, dass selbst die einfachsten Dinge in nur mäßiger Qualität zur Verfügung standen. Dem Betrachter blieb keine andere Wahl, als anzunehmen, dass das dreigliedrige Schulsystem diskreditiert werden sollte. Erst massiver Widerstand der Eltern und die Angst der Politiker sorgte für Abhilfe an den Gymnasien.
Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass unsere Kinder über Jahrzehnte als Versuchskaninchen für allerlei verrückte "Reformideen" missbraucht wurden!
Wenn im Artikel behauptet wird, dass die Generation Praktikum so nicht existiert, ist diese Behauptung eher abenteuerlich. Es ist übrigens auch bekannt, dass es Universitäten gibt, an denen Wissenschaftler als 1,00 Jobber arbeiten.
Und es gibt eine Gesellschaftsschicht die allen Ernstes behauptet, dass Akademiker die alleinige Stütze der Gesellschaft seien, ja die Gesellschaft erst ausmachten!
An der Menge der Beispiele mag der Leser erkennen, dass wir es hier nicht unbedingt mit einem, sondern mit einer Fülle von Skandalen und Ideologien zu tun haben !
... und wird nicht geändert.
Ich kenne eine Menge "Junger Akademiker, die nicht aus Akademikerfamilien" kommen. Diese haben alle ein oder mehrere Praktikas hinter sich gebracht und erst nach mehrmaligem Anlauf ihre Stellen erhalten. Ihre Abschlüsse lagen zwischen 1 und 2. Also hervorragend!
Einer dieser jungen Männer hat sein Jura-Studium an der LMU in München mit Auszeichnung bestanden und arbeitet jetzt für wenig Geld als Jurist bei einem Luftfahrt-Unternehmen.
Er ist frustriert! Seine Vorgesetzten haben nicht einmal einen Bruchteil seiner Qualifikation geschafft.
Aber so ist die deutsche Welt! Wir werden von einer unfähigen Elite beherrscht und regiert.
Die Finanzkrise macht dies doch für jeden Blinden offensichtlich!!!
Die da oben sitzen - sichern sich ihre Pöstchen - auch für ihre Nachkommen!!!
Nachzulesen unter:
http://www.nachdenkseiten.de
Das Buch von Albrecht Müller trifft den Nagel auf den Kopf:
"Machtwahn - Wie eine mittelmäßige Führungselite zugrunde richtet"
und
"Die Reformlüge" beschreibt, wie die Elite dafür sorgt, daß demr "kleine Mann" so richtig in die Tasche gegriffen wird.