ddp kauft AP Deutschland Dicke Depesche

Dieser Deal wird die Medienlandschaft umwälzen: Der Deutsche Depeschendienst (ddp) kauft den deutschen Dienst von AP.

Von Marc Felix Serrao

Vermutlich ist es noch die Stimmung des großen, bunten New York, die Peter Löw in diesen Tagen beseelt. Vergangene Woche war der Miteigentümer des Deutschen Depeschendienstes (ddp) mit seinem Geschäftspartner Martin Vorderwülbecke an der amerikanischen Ostküste zu Gast. Der Vertrag, dessen letzte Details die beiden deutschen Unternehmer (Adler Modemärkte, Pit Stop u.a.) zusammen mit Vertretern der amerikanischen Agentur Associated Press (AP) nach langen Verhandlungen klären konnten, wurde an diesem Montagabend in Deutschland notariell beurkundet. Der Deal werde die Medienlandschaft umwälzen. Das behauptet zumindest Peter Löw. "Wir werden die beste Voll-Agentur in Deutschland sein", sagt er. Na ja.

Ddp ddp kauft AP Deutschland

Die ehemaligen Arques-Vorständler Peter Löw (zweiter von links) und Martin Vorderwülbecke(ganz rechts).

(Foto: Foto: ddp)

Für einen nach eigenen Angaben mittleren zweistelligen Millionenbetrag erwirbt ddp mit sofortiger Wirkung die 1931 gegründete deutschsprachige Sparte von AP. Die rund 110 festen Mitarbeiter der Agenturtochter würden übernommen, heißt es, und aus AP-Deutschland/ Österreich/Schweiz werde "ddp international"; ausgenommen seien das Broadcasting-Geschäft der AP, also Dienste für Radio- und TV-Sender, sowie der Bilderdienst in der Schweiz, der von der dortigen Foto-Agentur Keystone betrieben wird. Als Teil des Deals erwirbt ddp auch die Lizenz, sämtliche Inhalte des mehrsprachigen internationalen AP-Dienstes zu nutzen, der von rund 3000 Journalisten in 250 Büros weltweit gefüllt wird.

Löw und Vorderwülbecke betreiben das ddp-Geschäft aus einem Münchner Büro ihres Beteiligungsfonds Blu-O. Die beiden Herren, die hauptsächlich angeschlagene Firmen kaufen, sanieren und möglichst gewinnträchtig verkaufen, residieren ein paar Meter vom Hofbräuhaus entfernt auf 700 klinisch-kühl eingerichteten Quadratmetern. Sie tragen gut sitzende Anzüge und teure Uhren und wirken sehr selbstbewusst. "Unsere Strategie ist es, dpa verzichtbar zu machen", sagt Löw. So sprechen Finanzinvestoren. "Wir wollen die Monopolstruktur auf dem deutschen Agenturmarkt brechen", ergänzt Vorderwülbecke sanfter. Das Agenturgeschäft sei für sie kein gewöhnliches Geschäft. Weder würden sie, wie einige fürchten, allen deutschen AP-Mitarbeitern kündigen. Noch planten sie, die Firma bloß für einen Weiterverkauf aufzuhübschen.

Löw spricht beim Personal von einer "Korrektur in der Größenordung von bis zu 15 Stellen". Die rund 140 festen Mitarbeiter von ddp und die Mitarbeiter der neuen Auslandssparte ddp international sollten künftig in gemeinsamen Büros arbeiten. Um die Langfristigkeit des Geschäfts zu betonen, verweist Vorderwülbecke auf die Vertragslaufzeit für den internationalen AP-Dienst: 15 Jahre, mit der Option, zu verlängern.

Das allerdings wäre bei einem vorzeitigen Verkauf ein werthaltiger Bereich für den neuen Besitzer. Mehr als sechs Monate verhandelten Löw und Vorderwülbecke darüber, die Nutzung des internationalen Dienstes in den Vertrag festzuschreiben. Die Bitte, das komplette Text- und Bildangebot von AP-International verfügbar zu machen, sei vom Chefredakteur des ddp, Joachim Widmann, gekommen.

Der deutsch-amerikanische Deal ist auch ein Ergebnis der Krise der Medien im Allgemeinen und der der großen, genossenschaftlich organisierten Agenturen im Besonderen. Die 1500 amerikanischen Zeitungsverleger, denen AP gehört, leiden stärker noch als ihre europäischen Kollegen unter den Einbrüchen am Werbemarkt, weil sie deutlich niedrigere Verkaufspreise haben.

Bedenklich ist die Lage auch für die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Der mit rund 450 Redakteuren größte Meldungsproduzent des Landes wird von 190 Gesellschaftern (Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, Rundfunkanstalten) getragen, deren Solidarität wankt. Anfang 2009 kündigte die WAZ-Gruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Westfälische Rundschau, Thüringer Allgemeine u.a.) den Dienst, später testete die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) aus dem Hause Ippen für einen Monat die dpa-freie Zeitung. Zuletzt kündigte der Berliner Tagesspiegel, der diesen Schritt aber offiziell mit dem Umzug der Agentur ins Berliner Verlagshaus von Axel Springer begründete.

"Es geht ohne dpa", hatte HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden der SZ nach seiner Testpause im Mai gesagt. Darauf, dass sich diese Sichtweise durchsetzt, hoffen nun die Münchner Agentur-Investoren. "Der externe Druck auf dpa wird nicht nachlassen", meint Löw. Ihm zufolge ist ddp für Verlage ein Drittel günstiger als der Marktführer. Er und Vorderwülbecke sprächen darüber mit vielen Verlagen. Mit wie vielen? "Wir reden mit allen."