David Crosby zum 70. Zu jung zum Sterben

Was heute zum medienwirksamen Klischee geworden ist, hat David Crosby lange Zeit gelebt: Sex, Drugs and Rock'n'Roll. Und er tourt immer noch durch die Vereinigten Staaten - mit einer neuen Leber und seinem Sohn, von dem er 20 Jahre nichts wusste. Am diesem Sonntag wird er 70 Jahre alt.

Von Karl Forster

Es war vielleicht nur ein Spleen, eine Spielerei, mit der David Crosby versuchte, den musikalischen Konventionen ein Schnippchen zu schlagen. Jedenfalls stimmte der Gitarrist die tiefe E-Saite seines Instruments einfach einen Ton höher und bastelte sich dazu ein eigenes Griffsystem. Später sind Myriaden von Lagerfeuergitarreros daran gescheitert, beispielsweise "Wooden Ships" mit dem richtigen Sound zu versehen, sie wussten nichts von David Crosbys klangbestimmender Eigenwilligkeit.

"Too young to die": Rocklegende David Crosby wird 70.

(Foto: AP)

David Crosby, das ist mehr als nur ein Name der Rockgeschichte, mehr als ein Name der Hall of Fame, mehr als Namensteil einer Band von musikhistorischer Bedeutung.

Das Leben von David Crosby ist vielmehr ein Destillat aus der Klischee gewordenen Dreieinigkeit von Sex & Drugs & Rock'n'Roll. Ein Musiker, der feinsinnigen Songs wie "Marakesh Express", "Teach Your Children Well" oder "Deja Vu" Geist, Seele und Stimme geliehen hat, hat sich die Nasenscheidewand kaputt gekokst, hat mit Heroin und Alkohol seine Leber zerstört, so dass ihm anno 1994 eine neue eingepflanzt werden musste.

Knapp zehn Jahre zuvor verbrachte er ein Jahr wegen Drogen- und Waffenbesitzes in einem der härteren texanischen Gefängnisse. Keine Frage, dass er in der Häftlingsband mitspielte. "Von Beginn an", so schreibt Crosby schon 1986, kurz nach der Haft, in seiner Autobiographie (die natürlich "Sex & Drugs & Rock'n'Roll" heißt), "habe ich niemals etwas ohne Drogen getan."

Das war schon zu jenen Zeiten der Fall, als David Crosby mit den Byrds Bob Dylans Hit "Mr. Tambourin Man" zu einem zweiten Höhenflug verhalfen. Doch die Band scheiterte am eigenen Erfolg. Crosby, Stills & Nash wurden, auch in Kombination mit dem vierten Namen "Young" zum Inbegriff hochmusikalischen Folkrocks, zu dem, was bis heute unter dem Signum Westcoast-Sound Sehnsüchte nach Crosbys Geburtsstadt Los Angeles weckt.

Anspruchsvolle Arrangements, sauberste Mehrstimmigkeit und ambitionierte Texte waren Markenzeichen der Dreier-(Vierer)-Combo. Zwischen mehrmaliger Trennung und Wiederfindung veröffentlichte Crosby 1989 ein Solo-Album, dessen Titel Jahre später eine Wahl entscheiden sollte: "Oh Yes, I Can".

Ergebnis einer nicht ganz anonymen Samenspende

Heute tourt David Crosby immer noch durch kleine Säle, wieder mit einer Kürzelgruppe: CPR. Die Buchstaben stehen für Crosby, Pevar (Jeff, Bassist) und Raymond (James, Keyboards und Gesang). Dieser James Raymond aber ist vor allem David Crosbys Sohn. Der wusste nichts von dessen Existenz, 20 Jahre lang: James war Ergebnis einer nicht ganz anonymen Samenspende. Als David Crosby im Krankenhaus lag mit der neuen Leber, fand ihn sein Sohn, wohl dank eines Hinweises der Mutter. Daraus wurde eine wunderbare Freundschaft.

Am Sonntag wird David Crosby nun also seinen 70. Geburtstag feiern. Eines der Lieder auf dem Album "Thousand Roads" heißt "Too Young To Die". Möge es noch lange Gültigkeit haben.

Die blanke Freude

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