Das wäre schön Mut zur Frau

Wer folgt auf Kirill Petrenko an der Bayerischen Staatsoper?

Von Egbert Tholl

Die Nachricht aus Berlin, Kirill Petrenko werde dort die Philharmoniker übernehmen, löste vielerlei aus. Neben vielen Aspekten, wie etwa dem, wann er denn sein Amt dort antreten werde, tauchte in der Redaktion dieser Zeitung eine Frage auf: Warum nicht endlich eine Frau? Warum also sollte nicht eine Frau Petrenko in seinem Münchner Amt als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper nachfolgen? Also als Generalmusikdirektorin dann. Nur eine Spinnerei?

Es gehört zur Natur dieser Idee, dass die, die sie zum ersten Mal äußern, keinerlei weitergehenden Vorschlag haben. Doch nur Frau taugt genauso wenig als Argument wie nur Mann - auch wenn man natürlich zugeben muss, dass das eine "normal" und das andere immer noch exotisch ist. Man kann lange darüber spekulieren, weshalb es sehr wenige Frauen auf exponierten Posten der musikalischen Leitung von Spitzen-Opernhäusern oder -Orchestern gibt. Ein Grund ist sicherlich immer noch ein mehr oder weniger latenter Machismo in diesem Betrieb. Dazu kann man gleich sagen: Das Bayerische Staatsorchester ist ausgesprochen weiblich; wir sind ja nicht in Wien. Andere Gründe wären vielleicht die männliche Freude an der Macht und der Umstand, dass Frauen in solchen Positionen besser sein müssen als die Herren - Simone Young gilt in Hamburg auch deshalb als gescheitert, weil sie ihren Job ganz ordentlich machte, aber nicht superstrahlendgenial. Jetzt löst Nagano sie ab.

Also denkt man dem Ansinnen der Kollegen entsprechend nach und kommt erst einmal auf gar keinen möglichen Nachfolger für Petrenko an der Bayerischen Staatsoper, egal welchen Geschlechts. Doch da, zack, fallen einem zwei ein. Erstens Oksana Lyniv, Petrenkos Assistentin in München, die am Wochenende zum Beispiel die Aufführungen der Oper "Selma Ježková" in der Kongresshalle leitet: eine wunderbar akkurate Künstlerin, deren außerordentliche Bewegungsästhetik allerdings im Graben des Nationaltheaters verschenkt wäre - da sieht sie kaum jemand. Gleiches gilt allerdings auch für Barbara Hannigan, grandios singende Dirigentin (oder umgekehrt), ein Ausbund an explodierendem Expressionismus, klug, krass, furchtlos. Wäre schön.