Stuhlgang, Blutsturz, Körperflüssigkeiten - und dann ein Pausenwasser: Das deutsche Theater hat den Schauspielern Gefühle verboten, hat dafür aber kaum mehr als Grobmotorik und Grenzüberschreitung zu bieten - so ist es total auf den Hund gekommen. Ein Manifest.
Mephisto hat unrecht: Blut ist kein ganz besonderer Saft. Sonst würde es nicht auf unseren Bühnen unverhältnismäßig vergossen. Es gibt schwarze Schafe, Dumping-Anbieter, die mit minderwertigem Schnäppchenblut locken. Aber auch Fachhandel und Internet halten laut Eigenwerbung eine "Riesenauswahl" an Augenblut oder Blutschorf für die Profis bereit. In Flaschen und Tuben, Tiegeln und Kapseln, flüssig oder geronnen - für jeden Geldbeutel und jedes Massaker gibt es eine passende Lösung. Schwieriger wird es bei anderen Körperflüssigkeiten. Solche Spezialinteressen fordern schon die hauseigene Requisite heraus. Da bedeuten zum Beispiel die Kotbeutel, die für Jürgen Goschs Düsseldorfer "Macbeth" Inszenierung naturalistisch befüllt werden müssen, nun ja, das große Geschäft.
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Vollgeschmiert und aus Kübeln übergossen, die Stimme übertönt von Pop-Songs, das Gesicht überschattet von Videoclips, spielt der Schauspieler das Lachhafte der eigenen Trash-Existenz gleich mit. Immer häufiger ähnelt sein Berufsalltag den Mut- und Ekelproben der MTV-Serie "Jackass". (© Foto: dpa)
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Weniger gut aufgestellte Theaterhäuser besinnen sich bei solchen Verlegenheiten darauf, dass sie Kunst machen, und setzen auf "Zeichenhaftigkeit". So etwa neulich in Berlin, am Maxim Gorki Theater. Dort sollten mit Glibber gefüllte Blecheimer, grob gesagt, zum Ausdruck bringen, dass Männer wahrscheinlich nichts anderes sind als ein globales GangBang-Rudel. Zumindest aber war der Regieeinfall eimerweise durch das Stück gedeckt, denn es ging darin um die Liebe, so wie sie im deutschen Theater nunmal vorkommt: als Fist- und Foot-Fucking, später kamen noch Sling-Sex und Vergewaltigung dazu. Wer im deutschen Theater unterwegs ist, lernt schnell, dass "bizarr" nur eine Genrebezeichnung in der Erwachsenenunterhaltung ist.
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Endgültiger DFB-Kader für EM
Dem möchte ich nur eins hinzufügen:
Kunst setzt eine absolute Beherrschung des Handwerks voraus, und diese beginnt im Kopf. Ist der Kopf mit Klischees zugemüllt, sind die Konsequenzen bekannt. (Jeder bessere Schachspieler kann Ihnen ein Lied davon singen)
Der Narben lacht, der Wunden nie gefühlt - so heißt es in Shakespeares Romeo und Julia... Ich bin selbst Schauspieler, finde den Beitrag recht gut, auch wenn er sich in der Sprache sehr am Niveau des benannten Stückes gleicht :D Zumindest was die Definition von Kunst ist, vor allem in Deutschen Landen, komme ich doch mit meiner Bildung nicht hinterher. Anscheinend wird alles obstruses, oder wie die Engländer sagen "strange" als Kunst verkloppt. Gehen wir zum Ursprung zurück, als der Mensch dieses Wort erfand, also irgendwann in der Florentinischen Renaissance: Wann fängt Kultur an? Wenn der Mensch sein Brot für heute, bestenfalls noch für morgen beisammen und "Freizeit" hat. Was ist Kunst? Etwas schöpferisches, ein eigenes Können, welches eine eigene Charakterform besitzt, die nicht leicht zu "fälschen" oder nachzumachen ist. Wie in der klassischen Musik oder intelligenten Malerei läßt sich vieles in mathematischen propotionen umwandeln, also besitzt es immer einen natürlichen Sinn! Das selbe gilt auch für das Wort "Design", etwas harmonisches, welches im Einklang mit der Natur und dem Wohlsein des Menschen ist. Um auf eigene Weise etwas auszudrücken bedarf nicht immer ein Gemetzel, Schlachtschiffe über die Bühne ziehen oder ein rudelbumsen zu veranstalten, viel schwieriger ist es, so wenig Worte und Gesten zu verwenden oder wie man in Italien so schön sagt: Weniger ist mehr... und manchmal auch intelligenter!
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