Daniel Barenboim wird 70 Kontrast zur jüngeren Generation

Barenboims musikalische Genealogie bestimmt seine Gestaltung, sie orientiert sich in der Tat an Furtwängler und schließt dessen Adepten Celibidache mit ein. Viele Jahre hindurch kommt er als Pianist nach München, um mit Celibidaches Philharmonikern Klavierkonzerte von Mozart, Beethoven und Schumann, Brahms und Tschaikowsky zu spielen, in sorgfältig artikulierten, durchreflektierten Wiedergaben. Nie habe er München nach solchen Begegnungen verlassen, "ohne neuen Stoff zum Nachdenken gehabt zu haben".

Sein Repertoire als Pianist wie als Dirigent zeigt die klassisch-romantische Verwurzelung: Auf Bachs Fundament des "Wohltemperirten Claviers" erheben sich die Solo-Konzerte und Sonaten Mozarts, der ganze Beethoven, darauf ist Schubert, Brahms und Mendelssohn gebaut, ausgewählter Chopin, Debussy - nicht immer hat er heutzutage Zeit zum Üben, Kritikerschelte erschüttert ihn kaum.

Zum symphonischen Beethoven, Brahms und Bruckner tritt erst spät Mahler hinzu, in der Oper dominieren Mozart und Wagner, er liebt Kunstlied und Kammermusik - ein Universalist der Musik. Bei der avancierten Moderne handelt Barenboim vorsichtiger: Boulez und der soeben gestorbene Elliott Carter sind die Favoriten. Aber wenn der mit Grammy's und Ehrungen überschüttete Kosmopolit Barenboim zu Freunden nach Argentinien fährt, taucht er gleich ein in die Tangos und Lieder Piazzollas und Gardels - und katapultiert alles auf die CD.

Barenboims Musizieren bewahrt das Altmeisterliche, sogar Altmodische, im Kontrast zur jüngeren, antigenialischen Dirigentengeneration oder zum "historisch informierten" Darstellen. Er liebt den vollen, dunklen, emotional hochgefahrenen Orchesterklang, er lässt die klassisch-romantischen Symphonien und die Wagner-Dramen, jahrelang in Bayreuth, in seelischer Emphase breit dahinfließen.

Jeder Moment seines Lebens: Musik. So begeht er den Geburtstag in der Berliner Philharmonie mit Beethoven, Tschaikowsky und Freund Zubin Mehta am Pult der Staatskapelle. Das Zwanzig-Millionen-Geschenk besorgte der Bund, vor zwei Tagen: Die Gründung einer Akademie zur Ausbildung junger Musiker aus Nahost. In Berlin.