Damals und heute Allerbeste Untergangsstimmung

Für einen einzigen Abend gibt es ein Wiederhören mit den "Animal Crakers"

Von Dirk Wagner

Die Endzeitstimmung der Achtzigerjahre konnte dem Leben noch eine Perspektive bieten. Da musste man sich nicht lange mit Altersversorgung und sonstigen Zukunftsplänen aufhalten. Da konnten die Pfaffenhofener Animal Crakers noch direkt eintauchen in jenen herrlich düsteren Weltschmerz von Nick Caves Birthday Party, Jeffrey Lee Pierces Gun Club oder David Thomas' Pere Ubu. Ihre erste Single brachten die vage nach dem Marx-Brothers-Film benannten Animal Crakers selber heraus. Der Münchner Underground-Visionär und Labelbetreiber Peter Wacha alias Upstart lieh ihnen dafür wohl seinen Labelcode. Karl Bruckmaier stellte die Single sogleich im Zündfunk vor, und Thomas Diener feierte die Band in seinem Fanzine 59 to 1.

Im Dezember 1987 lud Diener sie zu einem Konzert in die Münchner Alabamahalle, wo sie gemeinsam mit der damals wiedervereinten Neo-Psychedelic-Band 39 Clocks im Vorprogramm von John Cale spielte. "Ich war ein großer John-Cale-Fan", sagt der Animal-Crakers-Sänger Reiner Sladek. Getroffen hatte er sein Vorbild aber nicht. Denn Cale wurde erst kurz vor dem Auftritt aus seinem Hotel geholt, wohin er direkt nach dem Auftritt wieder verschwand.

In der Glockenbachwerkstatt blicken Sladek und Lehmair (v. l.) zurück auf die frühen Jahre.

(Foto: Animal Crakers)

Trotzdem war das ein grandioser Auftakt der Animal Crakers, die bereits ihr zweites Album "St. Sebastian" eingespielt hatten, das sie nach dem 1987er Debüt "So Paint A Map On My Face" 1988 wieder selbst veröffentlichten. Erst das dritte Album erschien beim Hamburger Label What's so funny about von Alfred Hilsberg, der zuvor als Kulturjournalist den Ausdruck Neue Deutsche Welle geprägt hatte. Was folgte, war das Ausbleiben der Karriere, die der Band zustand. Oder, um es mit dem Berliner Autoren Max Dax zu beschreiben: "Die Animal Crakers haben immer unterhalb des medialen Radars agiert." Trotzdem dürfe man von dieser Band nicht in der Vergangenheit reden, schließt Dax. Obwohl sie sich 1991 auflöste und nur ein Teil von ihr mit anderen Musikern die Monostars gründete, scheint die Band ihm noch gegenwärtig.

Für einen letzten Abend ist sie das ja noch, wenn auch in reduzierter Form. Der Gitarrist Lenz Lehmair und der Sänger Reiner Sladek treten nämlich mit befreundeten Musikern, den Monostars und Sound Of Money, ein letztes Mal in der Glockenbachwerkstatt auf. Als "Finissage", wie sie sagen. Anlass für den verspäteten Abschluss ist die Wiederveröffentlichung der ersten beiden bislang nur auf Vinyl erhältlichen Alben nebst Demo-Aufnahmen und unveröffentlichten Songs auf der bei What's So Funny About erschienenen Doppel-CD "Small Loud Songs (1980 bis 1991)". Der Titel lässt ahnen: Man taucht sehr früh ein in die Bandgeschichte. Dass die CD zu einer Zeit erscheint, in der die Vinyl-Schallplatte angeblich ihr Comeback feiert, passt zum Schicksal der Band. Songs darauf, wie das hypnotisierende "Religion", fordern eine Korrektur der Rockgeschichte. Denn was auf diesen CDs zu hören ist, ist gehobener Underground, der an positiver Endzeitstimmung kaum zu überbieten ist.

Gitarrist Lenz Lehmair und Sänger Reiner Sladek (v. l.) versuchten von Pfaffenhofen aus den Underground zu erobern.

(Foto: Animal Crakers)

Animal Crakers, Dienstag, 24. Januar, 20 Uhr, Glockenbachwerkstatt