Da staunt der Engländer "Countdown" für "Shareholder value" und "Homepage"

Die Aktion "Lebendiges Deutsch" will gegen die Anglomanie in Stellung gehen und sucht nach Eindeutschungsvorschlägen für eben diese drei Begriffe.

Von Hermann Unterstöger

Sprachüberfremdung wurde stets als eine Art von Besatzung empfunden, weswegen man auch immer nach geeigneten Rettern Ausschau hielt. Die Barockzeit beispielsweise bemühte sich intensiv um jene "Reinligkeit" der Sprache, die man durch Fremdwörter, doch auch durch Archaismen und Provinzialismen, gefährdet sah. Martin Opitz hielt es für "zum heftigsten unsauber, wenn allerlei lateinische, französische, spanische und welsche Wörter in den Text unserer Rede geflickt werden", und Philipp Zesen ließ dem zahllose Taten der Eindeutschung folgen. Vieles davon blieb, etwa das Tagebuch (statt Journal) oder die Oberfläche (superficies), anderes wie der Entgliederer (Anatom) oder die Zeugemutter (Natur) ging zu Recht in den Orkus.

Die gegenwärtige deutsche Sprachgemeinschaft leidet in weiten und keineswegs verächtlichen Teilen unter der überbordenden Flut von Anglizismen, gegen die sich zu stemmen insofern riskant ist, als man dabei sehr schnell in den Verdacht gerät, weltfremd und globalisierungsfeindlich zu sein, wenn nicht gar ein Deutschtümler. Bei einigen, deren Sprachkritik sich im - mit Verlaub - Bashing von Anglizismen erschöpft, mag das zutreffen, bei anderen nicht, und zu diesen anderen rechnen sich die aufrechten drei, die nun mit der Aktion "Lebendiges Deutsch" gegen die größten Albernheiten der deutschen Anglomanie in Stellung gehen.

Es sind dies Walter Krämer vom Verein deutsche Sprache, Lehrerverbandspräsident Josef Kraus und Wolf Schneider, Journalist und Autor, dessen Bücher zum Deutschen von manchen als Enzykliken genommen werden, er selbst mithin als Sprachpapst.

In richtiger Einschätzung sowohl der sprachlichen Großwetterlage als auch der Schauer, die auf sie niedergehen könnten, befleißigen die drei sich in ihrem - ha! - Handout einer ausführlichen Bodenbereitung. Was sie vorhätten, richte sich nicht gegen die unentbehrliche Weltsprache Englisch, wohl aber gegen die deutsche Unart, sich in dem Maß, wie man sich für die eigene Sprache geniert, der fremden anzubiedern, ein Vorgang, den der Engländer linguistic submissiveness nennt und sehr bestaunt.

Ziel der Aktion sind also nicht der Flop, der Streik, das Steak und andere praktikable, längst eingebürgerte Importe, sondern all jene unhandlichen, oft genug auch falschen Übernahmen, wie sie insbesondere in der Werbesprache gern verwendet werden. Einer Untersuchung nach sind sie für den deutschen Kunden bestenfalls zu 59 Prozent verständlich, schlimmstenfalls zu 8 Prozent, was eine Firma wie die RWE letztlich bewog, von "One group. Multi utilities" auf "Alles aus einer Hand" umzusteigen.

Die Aktion "Lebendiges Deutsch" will künftig allmonatlich mit drei Eindeutschungsvorschlägen bzw. -bitten an die Öffentlichkeit gehen. Für den Start hat man die Wörter Homepage, Shareholder value und Countdown ausgewählt, deren erste zwei durch Startseite und Aktionärsnutzen ersetzt werden könnten. Was den Countdown angeht, so gibt es dafür bisher nicht die Spur eines deutschen Äquivalents; der Duden behilft sich mit Erklärungen wie "Bis zum Zeitpunkt Null rückwärts schreitende Zeitzählung als Einleitung eines Startkommandos", ein Terminus, an dem man noch kaut, wenn die Rakete längst in die Stratosphäre eingetaucht ist. Wem dafür etwas Bündigeres einfällt, der wende sich an die Aktion "Lebendiges Deutsch", Postfach 206049 in 13537 Berlin. Die Faxnummer lautet 030/36504466, die Mailadresse deutschesprache@gmx.de.