Courtney Love Habe Mut, deinen eigenen Verstand zu verlieren!

Am heutigen Freitag erscheint das neue Album der Rocksängerin, Schauspielerin, Heiligenwitwe und PR-Künstlerin Courtney Love.

Von Jens-Christian Rabe

Der Wahlspruch der Aufklärung sollte einmal sein: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Als nach etwas mehr als 150 Jahren Aufklärung die Popmusik erfunden wurde, war ziemlich schnell klar, dass es zwar sehr verdienstvoll sein kann, den Mut zu haben, sich seines Verstandes zu bedienen - aber eben meistens noch viel interessanter, den Mut zu haben, seinen Verstand zu verlieren. Und zwar immer wieder und in aller Öffentlichkeit.

Courtney Love ist nicht das einzige Szene-Girl, das derzeit Tierohren trägt. Aber sie sieht damit erstaunlich gut aus - auf dem Cover ihres Albums "Nobody's Daughter".

(Foto: Foto: Universal)

Womit wir bei der amerikanischen Rocksängerin, Schauspielerin, Heiligenwitwe und PR-Künstlerin Courtney Love wären, deren neues Album mit ihrer neu besetzten alten Band Hole, "Nobody's Daughter" (Mercury/Universal) am heutigen Freitag erscheint.

Bevor sie Kurt Cobain 1991 bei einem Auftritt seiner Band Nirvana als "the greatest fuck ever" in der Popgeschichte verewigte, verwaltete sie einen soliden Ruf als Groupie und international tätige Stripperin. Nebenbei arbeitete sie sehr zielstrebig daran, selbst als Musikerin bekannt zu werden. Den schwer drogenabhängigen Cobain heiratete sie 1992. Das zweite Hole-Album "Live Through This" erschien fünf Tage nach Cobains Selbstmord im April 1994 und verkaufte sich mehr als eine Million Mal.

Es war die Zeit des Grunge, der, rotziger als Metal, aber filigraner als Punk, noch einmal so etwas wie eine absolute Verweigerungsgeste im Pop probierte. Love absolvierte ihre Auftritte mindestens sturzbetrunken, war sich für keine Beschimpfung und Peinlichkeit zu schade und wurde so zur weiblichen Symbolfigur. Zu einem selbstbewusst-trotzigen Rollenmodell, dass ohne die Musik und deren eigene, irre Wucht nicht denkbar gewesen wäre, das sich aber eben auch bald verselbstständigte und in Filmen wie Milos Formans "Larry Flint" große Schauspielkunst ebenso bewies wie in der Öffentlichkeit ein fatales Talent zur Selbstzerstörung.

Die neue Platte ist als ein Stück Alternative Rock musikalisch nicht der Rede Wert. Sie hätte auch schon vor 15 Jahren so gemacht werden können. Als Erinnerung an den Ursprung einer Haltung, ohne die die Prominente Courtney Love nicht denkbar ist, ist "Nobody's Daughter" jedoch tatsächlich ein glaubwürdiges Dokument.