Cortés' neuer Thriller "Red Lights" Auf den Spuren der Geister

Fauler Zauber? Zwei Jäger verbannen von Berufs wegen Geister ins Reich der Sinnestäuschung und geraten dabei mit einem Meister der Magie aneinander. Es beginnt ein Spiel um Wahrheit und Täuschung, in dessen Verlauf auch der Zuschauer in die Falle gelockt wird.

Von Doris Kuhn

Zu den schwierigeren Fragen im Leben gehört die, wie man seinen Willen durchsetzt, ohne eine allzu große persönliche Machtdemonstration zu veranstalten. Für solche Fälle sind Geister eine hervorragende Hilfe. Ein Dämon, eine Prophezeiung, eine Dosis Übersinnliches, und schon geben die meisten Widersacher klein bei und ordnen sich der größeren Macht unter, derjenigen, die nicht von dieser Welt ist.

Wenn also Kinder, normalerweise ausgestattet mit recht wenig Macht, gegen ihre Eltern etwas durchsetzen wollen, dann wenden sie sich manchmal ans Übernatürliche, holen Gespenster als Verbündete an ihre Seite, die sie zur Not auch schlicht erfinden. Lehren es nicht so die pädagogischen Jugendbücher - im Zweifelsfall einfach die Phantasie einsetzen? Auf diese Weise erscheint dann mancher Poltergeist im Haus, und sobald er seine Forderungen klargemacht hat und gewährt bekommt, verschwindet er wieder. Das wiederum, die bloße Erfindung des Übernatürlichen, ist das Thema von "Red Lights".

In Rodrigo Cortés' Thriller gehen Sigourney Weaver und Cillian Murphy den Spuren der Geister nach, untersuchen sie, und verbannen sie ins Reich der Sinnestäuschung. Sobald ein Spuk-Notruf sie erreicht, brechen sie auf, allerdings nicht mit Discomusik und einem Staubsauger auf dem Rücken wie die "Ghostbusters" selig. Diese beiden sind Angehörige eines seriösen Berufsstands - inzwischen kann man Wissenschaftler sein und sich mit solchen Phänomenen befassen. Sie arbeiten für ein renommiertes "Scientific Paranormal Research Center", und sie erwischen jeden falschen Geist, mit nichts als einem strengen Blick, Menschenkenntnis und einem großen Wissen über Tricks und Gaukelei.

Es geht Weaver und Murphy in dieser Funktion nicht um die Einstellung zum Paranormalen, um Pro oder Contra. Es geht viel konkreter um Geld. Denn natürlich gibt es Profiteure des Übersinnlichen, die genau wie die Kinder wissen, wie einfach sie damit andere ihrem Willen unterwerfen. Die Masse der Leichtgläubigen liebt den Magier.

Er mag den einen ein Beispiel für die Existenz des Paradieses sein, den anderen als eine Verbindung zur Unterwelt gelten, aber alle wollen sie die Botschaft, die er ihnen überbringt: Ihr langweiliges Leben nämlich wird von außen gesteuert, und mit ordentlich Fürsprache lässt sich da ein Upgrade aushandeln. Also treten Magier in großen Sälen auf, hören Stimmen aus dem Jenseits, demonstrieren Wunderheilungen und werden entsprechend bezahlt. Was Weaver und Murphy als quasi organisiertes Verbrechen betrachten - ihr Ehrgeiz ist es auch, die Magier Nordamerikas als Schwindler auffliegen zu lassen.

Gelockt in die Trickfalle des Films

Bis eines Tages ein alter Feind der beiden auftaucht, blind, dafür mit guten Kontakten zum Unsichtbaren, gespielt von Robert De Niro. Er gilt als der Beste in diesem Fach, bisher hat noch niemand ihm einen Betrug nachgewiesen, obwohl Sigourney Weaver es über Jahrzehnte versucht hat. Die beiden kennen sich also schon sehr lange, und es ist eine seltsame Beziehung, die sie verbindet: Profis, Widersacher in einem Spiel, das so alt ist, dass es außer ihnen niemand mehr richtig durchschaut. Eine Einsamkeit wird an ihnen sichtbar, wie sie jene Spieler kennzeichnet, die sich nur noch von Konkurrenten umgeben sehen, dem steten Misstrauen ausgeliefert. Dazu setzt Robert De Niro ein irres Grinsen auf und Sigourney Weaver ist noch ernster als sonst - verständlich, schließlich muss sie hier nicht nur ein Alien bekämpfen, sondern die Idee des Fremden an sich.

Manchmal korrespondieren hier die Rollen dieser beiden Schauspieler eigenartig mit der Realität. Weaver und De Niro sind tatsächlich schon lang im Geschäft, und ihr Geschäft ist auch nichts anderes als eines mit der Magie: Trickbetrug, 24 Mal in der Sekunde. "Red Lights" allerdings demonstriert die Wahrheitssuche, was der Regisseur hauptsächlich über Gegensätze erreichen will: Überzeugte Parapsychologen und versponnene Realisten spielen mit allen Varianten von Glauben und Wissen. Dabei lernt man, oft überraschend, wie sich der Zaubertrick verändert hat, denn die Zauberei profitiert von Computern und neuen Kommunikationsmitteln genau wie jeder andere Berufsstand. Und mittendrin, während man sicher ist, alles zu durchschauen, stellt man fest, dass man von diesem Film ganz beiläufig in eine Falle gelockt wurde. Guter Trick.

Red Lights, USA 2012 - Regie & Buch: Rodrigo Cortés. Kamera: Xavi Giménez. Mit Sigourney Weaver, Robert De Niro, Cillian Murphy. Wild Bunch, 119 Min.